Archive for November, 2008

Gesundheitskasse bevorzugt Hausärzte

Sonntag, November 30th, 2008

100.000 Patienten und Kassenmitglieder haben sich bereits 2008 ins Hausarztprogramm eingeschrieben, das die AOK Baden-Württemberg mit dem Medizinerbund Medi und dessen Hausärzteverband anbietet.

Die AOK Baden-Württemberg erwartet, dass bis Jahresende 2008, sich 150.000 ihrer Versicherte in das Programm für eine bessere hausärztliche Versorgung aufnehmen lassen. 2009 sollen dann über 1 Million Versicherte im Hausarztprogramm der AOK Baden-Württemberg sein.

Programme, wie dieses, könnten das bisherige System der kassenärztlichen Versorgung, zumindest für AOK-Versicherte, ablösen. Es beteiligen sich bereits auch mehr Ärzte, als ursprünglich vom Hausärzteverband erwartet, an dem neuen Programm.

Die kassenärztliche Vereinigung setzt das neue Modell aus Baden-Württemberg unter Druck. Kassen und Ärzte konnten sich für 2009 noch nicht auf die Eckpunkte für die Vergütung und deren Verteilung einigen. So musste das Landesschiedsamt in Baden-Württemberg am 26.11.2008 treffen, wie es weiter gehen soll. Die Kassen müssen 35 Millionen Euro mehr als geplant bereitstellen. Sie sehen die Versorgung dadurch auf hohem Niveau als gesichert. Die betroffenen Ärzte wollen mehr und bezweifeln, ob sich das Versorgungsniveau für die Patienten zukünftig noch halten lässt.

Den Versicherten verspricht das Hausärzteprogramm der AOK Baden-Württemberg eine bessere Versorgung und mehr Service beim Besuch des Hausarztes.

Apothekenmarkt vor Umbruch

Sonntag, November 30th, 2008

Der Europäische Gerichtshof (EuGH) entscheidet am Jahresbeginn 2009 ob in Deutschland nicht mehr nur Apotheken selbst Apotheken besitzen dürfen. Große Veränderungen werden bei einem entsprechenden Urteil für den Markt erwartet.

Künftig könnten Investoren, wie Pharmagroßhändler, Drogerie- oder Supermarktketten, eigene Apotheken betreiben. Wenn das Fremdbesitzgebot durch Urteil des EuGH fällt und zudem die Beschränkung aufgehoben werden würde, dass sich nur bis zu vier Apotheken in einer Hand befinden dürfen, dann ist die Bildung von Apothekenketten in Deutschland möglich.

Sollte die Liberalisierung des deutschen Marktes kommen, dann werden die drei großen deutschen Pharmahändler unterschiedliche Strategien verfolgen: Die einen wollen selbständige Apotheken nur beliefern, die anderen werden versuchen, mit eigenen Apothekenketten von dem geöffneten Markt zu profitieren.

Marktführer Celesia, aus Stuttgart, plant die Wandlung seines Tochterunternehmens „DocMorris“ in eine eigene Apothekenkette und als starke Marke im Markt. Mit DocMorris kooperieren bereits heute über 100 Apotheken.

Das zweitgrößte Unternehmen im Markt, Phoenix aus Mannheim, plant seinen derzeitigen Marktanteil von 16,5 Prozent und den Umsatz von über 4 Milliarden Euro zu erhöhen.

Zurückhaltend äußert sich der Dritte am Markt, Anzag, ein Unternehmen des Ulmer Unternehmers Adolf Merkle, dessen Vorstand Thomas Trümer erklärte: „Bevor wir die zehnte Apotheke neu eröffnen sind wir pleite.“ Sein Unternehmen setzt auf die Kooperation mit der Vivesco GmbH, einem Zusammenschluss von über 1.100 selbständigen Apotheken.

Für die Kunden von Apotheken ergeben sich vor allem Service-Vorteile und im Falle von privat Versicherten auch geldwerte Einkaufsvorteile. Kritiker aus dem Bereich der Apotheken warnen allerdings vor einer schlechten Versorgung in der Fläche und Einschränkungen beim Notdienst der Apotheken.

Allianz kassiert nur ein „blaues Auge“

Montag, November 10th, 2008

Die Finanzmarktkrise zeigt auch Nachwirkungen bei Versicherungs-Riesen in Deutschland. Im Unterschied zu den Banken kommen die Versicherer sichtbar mit leichten Blessuren davon. Analysten sehen die Versicherer als Stabilitätsanker.

Allianz kassiert nur „ein blaues Auge“

Falls die Märkte sich im Vergleich zu 31.10.2008 nicht mehr erholten, erwartet die Allianz eine Abschreibung von einer Milliarde Euro, sagte Finanzvorstand Helmut Perlet in einer Telefonkonferenz mit Journalisten. Eine Prognose für den Jahresüberschuss 2008 wollte Perlet aktuell nicht abgeben.

Bei der Allianz entfiel ein großer Anteil der Abschreibungen auch auf ein Engagement bei der insolventen amerikanischen Investmentbank Lehmann Brothers, wie aus einer Präsentation von Vorstandsmitglied Perlet hervorgeht.

Der Konzern vertraut aber auf seine klassischen fundamentalen Stärken im operativen Geschäft, um die Blessuren aus der jüngsten Vergangenheit zu heilen.

Trotz „blauem Auge“ gestärkt aus der Krise

Auch die Allianz musste in der Lebensversicherung und Vermögensverwaltung ein „blaues Auge“ hinnehmen. Die Krise an den Kapitalmärkten drückten den Umsatz und operativen Gewinn.

Der operative Gewinn sank im dritten Quartal 2008 im Konzern auf 1,6 Milliarden Euro gegenüber 2,6 Milliarden Euro im gleichen Zeitraum des Vorjahres 2007. In der Zeit vom Januar bis September 2008 weist die Allianz aber ein operatives Ergebnis von 6,5 Milliarden Euro aus gegenüber 7,7 Milliarden im gleichen Zeitraum des Vorjahres.

„Dieses operative Ergebnis ist ein Zeichen für die fundamentale Stärke unseres Geschäfts“, so Finanzvorstand Perlet und wies darauf hin: „Trotz der Turbulenzen im Finanzmarkt haben wir unsere starke Kapitalposition und Solvabilität erhalten.“ Die Allianz weist ein Eigenkapital von 37,5 Milliarden Euro aus und erreicht eine Quote in der Solvabilität von 157 Prozent.

Erfolge in der Schaden- und Unfallversicherung

Die Schaden- und Unfallversicherung hat im dritten Quartal ein nach Angaben der Allianz ein solides Ergebnis erzielt. Die Bruttoprämieneinnahmen stiegen im Berichtszeitraum auf 10,8 Mrd. Euro von 10,7 Mrd. Euro im gleichen Zeitraum des Vorjahres. Der Umsatz hat sich um 7,8 Prozent erhöht, nach Bereinigung um Wechselkursschwankungen und Konsolidierungseffekte.

Das operative Ergebnis sank im dritten Quartal 2008 auf 1,2 Mrd. Euro von 1,5 Mrd. Euro im dritten Quartal 2007. Dieser Rückgang wird nach Unternehmensangaben auf zwei Faktoren zurückgeführt: Die Kreditversicherung verzeichnete Zahlungsverzögerungen, da viele Lieferanten von einem Liquiditätsengpass betroffen waren. Das US-Agrargeschäft musste Ende September Verluste auf Grund des Preisverfalls bei Rohstoffen verkraften.

Die Kostenquote verringerte sich im dritten Quartal auf 26,2 Prozent von 27,6 Prozent im Vorjahresquartal. Die Combined Ratio betrug im gleichen Zeitraum 96,2 Prozent und lag damit über den 94,1 Prozent des Vorjahreszeitraumes.

„Unser Schaden- und Unfallgeschäft bleibt auch in der aktuellen Situation sehr widerstandsfähig. Wir sind in guter Verfassung und für uns kommt weiterhin Ertrag und Gewinn vor Volumenausweitung“, sagte Helmut Perlet.

Wiederentdeckung der klassischen Lebensversicherung

In der Lebens- und Krankenversicherung gingen die Prämieneinnahmen im dritten Quartal auf 9,4 Mrd. Euro zurück, verglichen mit 10,2 Mrd. Euro im dritten Quartal des vergangenen Jahres.

Die Bedingungen an den Finanzmärkten haben sich bisher vor allem negativ auf den Absatz der fondsgebundenen Produkte ausgewirkt, der um 1,3 Mrd. Euro nachgab.

Die Prämieneinnahmen aus den klassischen Lebensversicherungsprodukten haben sich dazu im Jahresvergleich deutlich um 10 Prozent oder 400 Mio. Euro im Konzern erhöht. Vor allem Deutschland, die Schweiz und Frankreich legten im klassischen Lebensversicherungsgeschäft zu.

Der Abschwung an den Finanzmärkten belastete das operative Ergebnis aus Kapitalanlagen mit Abschreibungen von 1,6 Mrd. Euro sowie mit rund 500 Mio. Euro geringeren realisierten Gewinnen als noch im dritten Quartal 2007. Das operative Ergebnis im dritten Quartal 2008 verringerte sich auf 218 Mio. Euro von 873 Mio. Euro im Vorjahreszeitraum.

Ausblick auf das Jahresende 2008

Obwohl die Allianz keine Angaben in die Zukunft, im Hinblick einer Prognose auf den Jahresgewinn macht, richten sich die Hoffnungen anscheinend auch auf ein gutes Geschäft in Deutschland mit Produkten zur Abgeltungssteuer im letzten Quartal 2008.

Für die ganze Branche bleibt es zu wünschen, dass da „blauäugig“ nicht zu viel erwartet wird. Es wird für den Vertrieb keine leichte Aufgabe sein, die verunsicherten Verbraucher zu überzeugen.

Neue Fachartikel im VersicherungsJournal

Mittwoch, November 5th, 2008

Oben unter der Rubrik „Fachartikel“ gibt es Links zu den neuesten Berichten die im VersicherungsJournal unter wwww.versicherungsjournal.de veröffentlicht wurden.