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„Privatgesetzlich“ (2)

Sonntag, Februar 8th, 2009

Unter dem Stichwort „Privatgesetzlich“ kooperieren gesetzliche Krankenkassen und private Krankenversicherungen. Ziel ist das Angebot eines Versicherungsschutzes aus einer Hand. Ein aktuelleses Beispiel ist eine weitere Kooperation einer gesetzlichen Kasse mit einem Privatversicherer. Beide Partner haben jeweils über 85 Prozent ihrer Kunden im Sudwesten Deutschlands.

Die SDK Süddeutsche Krankenversicherung a.G. in Fellbach bei Stuttgart und die mhplus Krankenkasse in Ludwigsburg haben zum Jahresbeginn 2009 eine Kooperation begonnen. Diese beschränkt sich nicht nur auf die oftmals übliche Zusammenarbeit im Vertrieb, sondern schließt weitere Geschäftsfelder ein. Dabei sollen alle Marktchancen genutzt werden, um beide Unternehmen als Gesundheitsdienstleister zu stärken und daraus Vorteile für die Versicherten zu ziehen. In einer gemeinsamen Pressekonferenz stellten die Partner ihr Konzept vor.

Der SDK-Vorstandsvorsitzende Klaus Henkel und mhplus-Vorstand Winfried Baumgärtner betonten unisono, dass für die Partner eine Ära mit neuen Perspektiven begonnen habe: „Wir stehen zwar am Anfang des Prozesses, haben aber weit reichende Ziele vor Augen.“ In einer Partnerschaft „auf gleicher Augenhöhe und ohne ideologische Scheuklappen“ werde man Innovations- und Servicepotenziale ausschöpfen sowie Wachstumschancen in und über Süddeutschland hinaus nutzen. Diesen Zielen soll die Fortentwicklung der Produktpalette ebenso dienen wie ein integriertes Leistungs- und Versorgungsmanagement und die Stärkung der Vertragsfähigkeit gegenüber Anbietern im Gesundheitswesen.

Gesundheitsreform erfordert strategische Neuausrichtung

Eine ganze Serie von Gesundheitsreformen – die jüngste ist seit 1989 bereits die siebte – war stets mit Leistungskürzungen bei der gesetzlichen Krankenversicherung verbunden. „Was uns vielleicht schon in der nächsten Legislaturperiode an weiteren
Reformen erwartet, ist noch nicht abzusehen“, meinte mhplus-Vorstand Winfried Baumgärtner. Die Aufweichung der früher stringenten Trennung der Marktsegmente habe zu einer Annäherung geführt. Dabei habe sich auch der unternehmerische Spielraum zur aktiven Gestaltung des Gesundheitsmarktes über die Kernleistung Versicherung hinaus erweitert.

Die Partner versprechen sich von ihrer Kooperation gewichtige Vorteile. An erster Stelle steht die gemeinsame Stärkung ihrer Marktposition in Süddeutschland, wo beide ihren Schwerpunkt haben. Mit steigender Qualifikation der Mitarbeiter soll eine wachsende Beratungskompetenz beider Häuser einher gehen. Diese sowie integrierte Versorgungslösungen sollen die Kundenbindung stärken. Nicht zuletzt erwarten die neuen Partner im Markt eine größere Unabhängigkeit von zukünftigen sozialpolitischen Veränderungen.

„Unseren Kunden bieten sich durch die Kooperation ebenfalls klare Vorteile“, unterstrich der SDK-Vorstandsvorsitzende Klaus Henkel. Als Beispiele nannte er die Gesundheitsabsicherung „aus einer Hand“, mit der sich bei individuell gestaltbarem Schutz Versorgungslücken schließen lassen, die durch den gesetzlichen Leistungskatalog nicht abgedeckt sind. „Ein wesentlicher Aspekt unserer Partnerschaft ist, dass wir zu ausgesprochen günstigen Beiträgen einen Top-Versicherungsschutz bieten können“, erläuterte Henkel. „So erhalten mhplus-Mitglieder besonders günstige Tarife für die Zusatzabsicherung bei Zahnersatz, Krankenhaus, Heilpraktikerleistungen, Brillen und Kurtagegeld.“

Erste gemeinsame Standorte

Eines der wesentlichen Kooperationszielen sei die verbesserte Präsenz am Markt. So gibt es bereits die erste mhplus-Vertretung in der Hauptverwaltung der SDK in Fellbach. Projektiert sind weitere mhplus-Vertretungen in Augsburg und Freiburg. Umgekehrt ist die SDK am mhplus-Hauptsitz in Ludwigsburg sowie deren Standorten in Gotha, Nürnberg und Rheinfelden vertreten. „Diese gegenseitige Präsenz werden wir in den nächsten Monaten zügig ausbauen“, bekräftigen Baumgärtner und Henkel.

Synergien bei Personal und Einkauf

Synergien im Dienste ihrer Kunden versprechen sich die Kooperationspartner auch im Personalmanagement. So sollen gegenseitige Schulungen die bereits hohe Beratungs- und Betreuungsqualität weiter verbessern. Profitieren würde das Ausbildungswesen, vor allem durch kombinierte Auftritte bei Berufsausbilungs-Messen für Auszubildende. Vom gemeinsamen Einkauf von Waren und Dienstleistungen würden spürbare Kosteneinsparungen erwartet.

Prozess nimmt Zeit in Anspruch

Grundlage der Kooperation zwischen SDK und mhplus ist ein langfristiger und weitreichender Vertrag. Mit der Konzipierung und Vorbereitung befassen sich gemeinsame Projektgruppen. Die praktische Umsetzung hat im Januar 2009 begonnen und
wird Zug um Zug realisiert. „Der Prozess der Verwirklichung unserer Vorhaben ist mittel- bis langfristig ausgerichtet. Die Partnerschaft wird uns nach und nach in Fleisch und Blut übergehen“, meinte mhplus-Vorstand Winfried Baumgärtner. Sein SDK-Kollege Klaus Henkel ergänzte: „Mit dieser Kooperation sind wir für das sich verändernde Marktumfeld gut gerüstet.“