Archive for November, 2013

Verfügbarkeit verführt

Dienstag, November 26th, 2013

2013-11-26 (db) Zinsen sind der Preis für ein Darlehen. Die Gefahr bei den aktuellen Niedrigzinsen ist, dass falsche Preise auch zu falschen Entscheidungen führen.

Durch das künstlich niedrig gehaltene Zinsniveau geht die Steuerungsfunktion des Zinses in der Kreditwirtschaft verloren. Schnelle Entscheidungen beim Kauf von Wohneigentum und bei den Finanzierung von Immobilien, können sich mittel- und langfristig als teures Risiko entpuppen. Immer wieder glauben die Käufer der Immobilien, dass eine Finanzierung gänzlich ohne Eigenkapital zu stemmen sei.

Walter Weiler, Leiter Kollektivmanagement bei der Bausparkasse Schwäbisch Hall machte diesen Monat auf der Fachtagung „Private Vorsorge in der Niedrigzinsphase“ in München deutlich, dass Verbraucher mit Bausparen die Risiken bei der Baufinanzierung erheblich reduzieren und gleichzeitig Eigenkapital bilden können. Da beim Bausparen die Zinsen über die gesamte Laufzeit festgeschrieben sind, „sichert sich der Verbraucher gegen steigende Zinsen ab und macht sich unabhängig von der Entwicklung am Kapitalmarkt.“

Viele Menschen haben aktuell vor allem die leichte und günstige Verfügbarkeit von Geld in Form von Krediten im Visier. Ob eine Baufinanzierung tatsächlich über die gesamte Zeit bis zur Tilgung der Schulden tragbar sei, gerate dabei häufig aus dem Blickfeld. Vor allem die Nebenkosten wie Grunderwerbsteuer, Makler- und Notargebühren, Umzugs- oder Renovierungskosten werden schnell übersehen. Zu einer soliden Immobilienfinanzierung gehört als Grundstock eine Eigenkapitalquote von 20 bis 30 Prozent.

Beamte auf Abwegen bis zur Bestechung

Freitag, November 22nd, 2013

Während der frühere Bundespräsident wegen eines bezahlten Besuchs des Münchner Oktoberfest vor Gericht steht kassieren einige Beamte, vor allem in Einwohnerämtern, Personalabteilungen und als Vorgesetzte seit Jahrzehnten schamlos Tippgeber- und andere Provisionen für die Taätigkeit als Datenlieferant für eine „berufliche Selbsthilfeeinrichtung“ aus Koblenz.

Die zweitberufliche Tätigkeit als Vertrauensfrau oder Vertrauensmann für die Debeka-Versicherung könnte für tausende deutsche Beamte strafrechtliche Konsequenzen haben. In einem aktuellen dienstlichen Rundschreiben warnt das rheinland-pfälzische Innenministerium seine rund 74.000 Beamte im Bundesland vor der bisher gelebten Praxis, Personaldaten ohne schriftliche Genehmigung weiterzugeben.

Das Ministerium macht den Staatsdienern klar wem Treue geschuldet wird und wem nicht. Dass Beamte eine Treuepflicht gegenüber dem Staat haben, ist notwendig und im Sinne der Bürger erwünscht. Dass sie daneben auch eine Treuepflicht gegenüber einer Versicherung verspüren, muss man wohl eher als ein Fehlinterpretation einer sogenannten „beruflichen Selbsthilfeeinrichtung“ erkennen.

Die in einer Presseerklärung des Debeka Versicherungsverein auf Gegenseitigkeit genannte Freiheit der Beamten für eine solche Nebentätigkeit ohne Genehmigung des Dienstherren ist aus Sicht des Versicherer verständlich, entspricht aber nicht dem öffentlichen Interesse und dem Vertrauen in Beamte. Der Datenschutz wird hier sowieso mit Füssen getreten und ignoriert.

Bausparkassen mit neuem Verbandsvorstand

Donnerstag, November 21st, 2013

Der Verband der Privaten Bausparkassen hat meldet einen Wchsel an der Verbandsspitze. Nachgewählt wurden Jürgen Gießler, derzeit Generalbevollmächtigter und ab Januar 2014 Mitglied des Vorstands der Bausparkasse Schwäbisch Hall AG, Bernd Hertweck, Vorsitzender des Vorstands der Wüstenrot Bausparkasse AG, und Lars Stoy, Vorsitzender des Vorstands der BHW Bausparkasse AG.

Zuvor waren altersbedingt Matthias Lechner, ehemaliger Leiter des Geschäftsfelds BausparBank der Wüstenrot & Württembergische AG, und Ehrhard Steffen, Sprecher des Vorstands der Schwäbisch Hall Kreditservice AG, sowie funktionsbedingt Dieter Pfeiffenberger, ehemaliger Vorsitzender des Vorstands der BHW Bausparkasse AG und mittlerweile verantwortlich für Baufinanzierung/Commercial Real Estate in der Postbank AG aus der Verbandsführung.

Dem Vorstand gehören weiterhin Dr. Reinhard Schlenke, Sprecher des Vorstands der Alte Leipziger Bauspar AG, und Andreas J. Zehnder als Vorsitzender an.

Kfz-Versicherer wechseln kann sehr dumm sein

Mittwoch, November 20th, 2013

Das Jahresende 2013 ist bereits in wenigen Wochen und Tagen erreicht. Jetzt lohnt es sich, Bilanz zu ziehen und die Vorteile zu nutzen die sich nur noch bis Jahresende bieten. Wo habe ich wie viel Geld ausgegeben? Wo kann ich sparen? Dümmmlich handelt jeder der nur auf den Beitrag schaut und die Leistungen ausblendet. Wer billig sucht und nutzt ist im Schadensfall oft der Dumme.

Eine Chance kann nue eine günstigere und eine leistungsstärkere Autoversicherung sein. Zum Stichtag 30. November 2013 ist für die Versicherungsnehmer unter den Autofahrern ein Wechsel der Versicherungsgesellschaft möglich.

Wer hier bestens beraten vergleicht, spart Geld. Dabei kommt es aber auf die richtigen Leistungen und Versicherungsbedingungen an. Sonderkündigungsrechte ermöglichen auch einen späteren Wechsel.

Beim Überangebot der Kraftfahrtversicherer und deren Tarife sollte sich der Versicherte bei seiner Wahl Zeit lassen und die Angebote bei bester Beratung vergleichen.

Jetzt im Endspurt zum Stichtagstermin der sogenannten Wechslerzeit sollten Versicherte die Leistungen und Prämien der verschiedenen Anbieter unterstützt durch qualifizierte und von der Industrie- und Handelkammer registrierte Versicherungsvermittler gegenüber stellen.

Leistungsstark und preiswert – Balance muss sein

Die Prämie für die Versicherung darf nicht das einzige entscheidende Kriterium sein. Das Verhältnis von den Leistungen zur zu zahlenden Prämie für den Versicherungsschutz hat Priorität.

Die Angebote der Versicherer für Deckungen rund um Kraftfahrzeuge sind so individuell wie die Ansprüche und der Bedarf jedes einzelnen Versicherten. Es gibt verschiedene Leistungs-Extras. Abhängig vom Alter des Fahrzeugs sind wichtige Deckungen sehr unterschiedlich geregelt.

Im Schadensfall ist es wichtig wie beispielsweise der Verzicht auf den Einwand grober Fahrlässigkeit, die Versicherung von Marderbissfolgeschäden, der Rabattschutz im Schadensfall, die Wild- und Tierschäden aller Art und bei den Neufahrzeugen die erweiterte Neuwertentschädigung jeweils geregelt ist..

Wechseln ist nicht schwer

Es gibt mehrere Möglichkeiten, eine Kfz-Versicherung zu wechseln. Läuft die Police bis zum Jahresende, muss die Kündigung spätestens am 30. November 2013 erfolgen. Selbst wenn die Beitragsrechnung erst Ende November 2013 eintrifft, bleibt dem Versicerungsnehmer noch ein Monat Zeit, um dem Anbieter zu kündigen.

Nach einem Schadenfall oder beim Erwerb eines neuen Fahrzeugs besteht bei Versicherungsverträgen das Sonderkündigungsrecht. Dieses gilt auch bei einer Beitragserhöhung. Die Kündigung des Versicherungsvertrages sollte in jedem Fall schriftlich erfolgen.

Dietmar Braun, Fachjournalist Assekuranz und Banken

Debeka wirbt Beamte als Tippgeber

Mittwoch, November 13th, 2013

2013-11-13 Die Debeka Versicherungsverein auf Gegenseitigkeit aus Koblenz wehrt sich gegen die im Handelsblatt erhobenen Vorwürfe. Die Wirtschaftszeitung hatte Quellen und Informanten zitiert die dem Versicherer vorhalten Daten über Beamtenanwärter illegal gekauft zu haben und dabei auch Beamte bestochen zu haben. In einer Stellungnahme spricht die Debeka von „Tippgebern“ wie sie bei anerkannten „beruflichen Selbsthilfeeinrichtungen“ üblich seien.

Diese Argumentation entspricht Darstellungen der Signal-Iduna-Gruppe die eine ähnliche Strategie bei den Handwerkskammern verfolgt und dort Adressen und Empfehlungen für den Vertrieb aquiriert. Weitere Versicherer setzen auf „berufliche Selbsthilfeeinrichtungen“ von Branchen, in deren Namen sie auch in der Werbung auftreten. Der Klärung der Vorwürfe gegenüber der Debeka kommt eine für die Assekuranz grundsätzliche Bedeutung zu, wie die Abgrenzung zwischen „Tippgeber“ und einer erlaubnispflichtigen Versicherungsvermittlung zu regeln ist.

Die Debeka ist der größte deutsche Krankenversicherungsverein auf Gegenseitigkeit, der historisch von Be­amten für Beamte gegründet wurde – und sei, so die Pressestelle der Debeka, damit vergleichbar mit einer Genossenschaft. Bei einem Verein auf Gegenseitigkeit sei es üblich, dass zufriedene Mitglieder auch neue Mitglieder werben.

Da die Debeka eine offiziell anerkannte Selbsthilfeeinrichtung des öffentlichen Dienstes auf dem Gebiet der Krankenversicherung sei, dürfen, nach Meinung der Debeka, Beamte offen und transparent im Einklang mit § 100 des Bundesbeamtengesetzes als so genannte „Tipp­geber“ fungieren.

Im Paragraphen 100 des Bundesbeamten-Gesetzes geht es um nicht genehmigungspflichtige Nebentätigkeiten. Darin heißt es unter anderem, dass „Tätigkeiten zur Wahrung von Berufsinteressen in Gewerkschaften oder Berufsverbänden oder in Selbsthilfeeinrichtungen der Beamtinnen und Beamten“ nicht genehmigungspflichtig sind.

Die Debeka widerspricht dem Bericht des Han­delsblatts, nach dem es sich bei den nebenberuflichen Mitarbeitern um ein „geheimes System von Zuträgern“ handele. Die Tippgeber seien zufriedene Mitglieder der Debeka, die mit dem ausdrücklichen Einverständnis ihrer jeweiligen Dienstherren auf Basis des Bundesbeamtengesetzes Empfehlungen für potenzielle Neumitglieder geben dürfen. Sie dürfen dabei nicht selbst beraten.

Der entsprechende Paragraph im Bundesbeamtengesetz würde von Bundesland zu Bundesland an­ders spezifiziert. In einigen Bundesländern sei diese nebenberufliche Tätig­keit genehmigungspflichtig. Die Tätigkeit der Tippgeber ist vergleichbar mit Kundenwerbung für Fitnessstudios oder Zeitungsabonnements. Nur im Falle einer erfolgreichen Vermittlung erhälte der „Tippgeber“ eine Empfeh­lungsvergütung.

Einige der „Tippgeber“ sind nach Angaben der Debeka auch Beamte, andere sind Angestellte im öffentlichen Dienst. Bei Beamten geht die Debeka davon aus, dass sie von den jeweiligen Dienstherren vor der Verbeamtung auf Loyalität geprüft wurden. Bei Angestellten fordere der Versicherer ein polizeiliches Führungszeugnis an. Denn der Debeka ist wichtig, dass sämtliche Geschäfte der Debeka auf rechtlich einwandfreiem Boden stehen. Auch dieser Sachverhalt ist Bestandteil der Verhaltensricht­linien der Debeka und regelmäßiger Revisionen.

Es gibt einen Leitfaden, nach dem sich die Debeka-Mitar­beiter richten müssen, wenn sie „Tippgeber“ im öffentlichen Dienst anwerben. Entscheidend sei, dass der Debeka-Mitarbeiter sie persönlich kenne. Die Tippgeber selbst werden vom Debeka-Mitarbeiter explizit darauf hingewiesen, dass sie das Bundes­datenschutzgesetz zu beachten haben und sie verpflichten sich mit ihrer Unterschrift darauf, geschützte Personendaten nicht weiter zu geben. Sie werden darauf hingewiesen, dass Zuwiderhandlung mit Strafe bedroht wird. Diejenigen Personen, die aufgrund dieser Hinweise angesprochen werden, erfahren im ersten Gespräch mit dem Debeka-Berater üblicherweise den Namen der Empfehlungsgeber.

Die Debeka erklärt dazu, dass jeder dem Versicherer Personen emp­fehlen könne, die an Versicherungen Interesse haben könnten. Dazu dienen Empfehlungskarten. Auch Personen, die aufgrund dieser Hin­weise angesprochen werden, erfahren im ersten Gespräch mit dem Debeka-Berater üblicherweise den Namen der Empfehlungsgeber. Die Empfehlungsgeber erhalten für den Hinweis im Erfolgsfall bis zu 15 Euro. Der Betrag richtet sich nach den abgeschlossenen Verträgen. Dabei sei nachvollziehbar, wer jeweils Empfehlungen ausgesprochen hat. Zahlungen erfolgen ausschließlich über die Konten der Debeka.

Die Debeka hat die unabhängige Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG damit beauftragt, zu untersuchen, ob die Prozesse der Debeka im Bereich der „nebenberuflichen Mitarbeiter“ angemessen sind. Sobald der Debeka Ergebnisse vorliegen, wird sie handeln.

Zu dem Vorwurf dass ganze Listen angekauft wurden und diese in Form von „Papierschnipseln mit Daten“ im Vertrieb verteilt und verkauft wurden nahm der Versicherer keine Stellung. Bei diesen im Handelsblatt veröffentlichten Vorwürfen ermittle die Staatsanwaltschaft. Ob die Vorwürfe dem Versicherer zuzurechnen sind oder eine Klage erhoben werde ist abzuwarten.

Dietmar Braun, Fachjournalist Assekuranz und Banken