Archive for Juni, 2016

Be wonderful! – EurAssMus ist erschienen

Freitag, Juni 17th, 2016

EURASSMUS

wondermag von fgbraun.de

Nichts ist spannender wie Risiko. Europäisches Assekuranz Management und Service sind nicht nur in lokalen Märkten unterwegs sondern global im Fluss. Immer nah – immer da. Jeden Monat neue Beispiele aus der Praxis für die Praxis. 

Mega-Trends und Innovations-Bremsen

Freitag, Juni 17th, 2016

Die Erforschung der Trends in der Wirtschaft ist keine leichte Aufgabe. Die Ergebnisse sind zumeist Leuchttürme in rauer See, wo die Ufer der Entwicklung von Wirtschaft und Gesellschaft liegen.

Trends in der deutschen Wirtschaft

Mega-Trends und Orientierung © eugenesergeev – Fotolia.com

2016-06-17 (db finanzwelt) Das größte deutsche Zukunftsforschungsinstitut „2b AHEAD Think Tank“ hat auf dem 15. Zukunftskongresses in Wolfsburg aktuell die neusten Ergebnisse der Studie „DEUTSCHER TRENDINDEX“ zum Trendklima in der deutschen Wirtschaft vorgestellt.

Nach der aktuellen Studie hat sich das Trendklima in der deutschen Wirtschaft in den vergangenen sechs Monaten signifikant verbessert. In der Studie erreicht das aktuelle Trendklima einen Wert von 144, nach 127 vor einem halben Jahr. Der Trend Index kann einen Wert zwischen 0 und 200 annehmen. Ein Trend Index von 100 würde ein gleich bleibendes Trendklima anzeigen. Werte über 100 signalisieren eine zunehmende Trendorientierung.

Der Director Studies & Analysis des 2b AHEAD Think Tanks, Michael Carl, untermauerte diese positive Entwicklung mit belastbaren Zahlen. Das eingesetzte Innovations-Budget als auch die Zahl der beschäftigten Innovationsmitarbeitern und bei der Nutzung externer Innovationsdienstleister werden in den befragten Unternehmen aktuell über 10 Prozent mehr Ressourcen für Innovation eingesetzt als noch sechs Monate zuvor. Für die kommenden 6 Monate ist die Stimmung ähnlich positiv. Hier wird eine Ausweitung der Beauftragung an externen Innovationsdienstleistern erwartet.

Die wichtigsten Trends und Handlungsoptionen

Die Einrichtung eines Multi-Channel-Managements für den Kundendialog (67 Prozent)

Maßnahmen als Reaktion auf den demografischen Wandel (66 Prozent)

Die Entwicklung adaptiver Produkte und Lösungen (64 Prozent)

Allerdings halten die Innovations-Chefs diese Trends für unterschiedlich dringend.

Während aktuell und im Rest des Jahres 2016 vor allem konkreten Maßnahmen in der Systematischen Trendbeobachtung durch Trend-Scouting und Trendradare (32 Prozent) sowie die Einrichtung und Pflege unternehmensinterner, sozialer Netzwerke (31 Prozent) umgesetzt werden, verlagern sich die konkret geplanten Maßnahmen in den kommenden zwei Jahren auf:

Maßnahmen gegen den demografischen Wandel (48 Prozent)

Multi-Channel-Management (46 Prozent)

Big Data Analysen zum besseren Kundenverständnis (43 Prozent)

Als weniger dringlich werden konkrete Technologien bewertet. So erreichen nach Meinung der befragten Innovationschefs die Technologien wie der 3D-Druck, Virtual und Augmented Reality sowie das teilautonome Fahren erst in fünf Jahren eine signifikante Bedeutung.

Optimismus für eigenes Unternehmen – Pessimismus für Gesellschaft
Ein auffälliges Phänomen unter Deutschlands Innovationschefs ist der Optimismus für den eigenen Verantwortungsbereich bei gleichzeitigem Pessimismus für die Gesamtwirtschaft.

So beurteilen 81 Prozent der Befragten das Innovationsklima im eigenen Unternehmen als positiv oder sehr positiv.

Unter den gleichen Befragten halten aber nur 48 Prozent auch das Innovationsklima in der Gesamtwirtschaft für positiv oder sehr positiv.

TOP 3 der Innovations-Bremsen sind: Angst, Macht und Glauben

Die Dauerstudie DEUTSCHER TRENDINDEX hat im vergangenen Halbjahr erstmals auch die Innovations-Bremsen in der deutschen Wirtschaft untersucht. 52 Prozent der Befragten halten ANGST für die stärkste Innovations-Bremse. Die TOP3 der wichtigsten Innovations-Bremsen in der Wirtschaft sind demnach …

Angst (52 Prozent)
Mehr als ein Drittel der befragten Innovationschefs (35 Prozent) geben sogar zu, dass sie selbst schon einmal eine Innovation aus Angst verhindert hätten. Wohlgemerkt: Dies sind keine der üblichen Bedenkenträger, sondern diejenigen Führungspersonen, die das Unternehmen angestellt hat, um Innovation zu befördern.

Machtstreben (37 Prozent)
Mehr als die Hälfte (54 Prozent) der Mitarbeiter deutscher Unternehmen befürchten einen Machtverlust durch die Umsetzung von Innovationsprojekten. Hingegen erwarten nur 40 Prozent einen Machtgewinn durch die Umsetzung von Innovationsprojekten. Und selbst unter den Vorständen erhoffen nur 41 Prozent einen Machtgewinn durch Innovationen. Nur zehn Prozent der Befragten geben an, dass in ihrem Unternehmen die Mehrheit der Innovationsideen die Hürde MACHT überwindet. Das bedeutet: In 90 Prozent der Unternehmen scheitert die Mehrheit der Innovationsideen an der Hürde MACHT!

Glauben (11 Prozent)
Starke Innovationen gehen zielgerichtet über existierende Glaubensgrenzen und Denkmuster hinaus und setzen voraus, den Glauben an bestehende Regeln in Frage zu stellen und zu erweitern. Allerdings sind Ingenieure und Fachexperten selten in der Lage, ihren Glauben an die Regeln ihres Bereiches infrage zu stellen. Unter den Befragten herrscht mit 80 Prozent Zustimmung eine große Einigkeit, dass Quereinsteiger innovativer sind als langjährige Experten.
Doch wollen die Unternehmen akzeptieren, dass ihre Langzeitexperten dauerhaft weniger innovativ sind? Oder müsste die verantwortungsbewusste Führungsstrategie nicht lauten: „Mache alle Langzeitexperten zu Quereinsteigern!“

… auf den Rängen 4-8 folgen die Innovations-Bremsen: Politik, Bürokratie, Bildungssystem, Datenschutz und finanzielle Unsicherheit.

Bewertungen und Zitate der Forscher
Michael Carl, der Studiendirektor des 2b AHEAD Think Tanks sowie Prof. Dr. Thomas Druyen, Direktor des Instituts für Zukunftspsychologie und Zukunftsmanagement an der Sigmund Freud Privatuniversität Wien, der als Experte die Veröffentlichung des Deutschen Trend INDEX begleitet hat, gaben in ihren Statements weiterführende Begründungen und Strategieempfehlungen für den Umgang der Unternehmen mit den Ergebnissen der neuen Studie.

„Diese Zahlen mögen zwar unser Vertrauen in die Innovationsfähigkeit der deutschen Wirtschaft erschüttern, aber sie sind kein zufälliges Ergebnis. Dies wird sichtbar, wenn man die Frage stellt, wie deutsche Unternehmen ihre Führungskräfte unterstützen, Entscheidungen auf unsicherer Basis zu treffen? Hier werden an den ersten Stellen Uralt-Konzepte wie Netzwerke (52 Prozent) und Fortbildung (49 Prozent) genannt. Dies zeigt deutlich, dass die Unternehmen noch keine Konzepte für den Wandel der Unternehmenskultur in Zeiten eines starken Veränderungsdrucks haben. Kaum jemand hat bislang den Schlüssel zur Befähigung seiner Führungskräfte zu klaren Entscheidungen mit agilen Methoden in den disruptiven Zeiten der Digitalisierung gefunden. Dies wird DAS THEMA der kommenden Monate und Jahre sein!“, so Michael Carl, Director Studies & Analysis des 2b AHEAD Think Tanks.

„Allerdings wird das Warten auf die Folgen des Wartens für die meisten in einer Katastrophe enden. Die technische und exponentielle Beschleunigung verzeiht wohl keine verständnisorientierten und emotionalen Verschnaufpausen. Vor diesem Hintergrund führt das Phänomen der Angst in eine nachteilige und unausweichliche Sackgasse. Die Probleme vervielfältigen sich und wie bei einem Wasserrohrbruch ist man mit Krisenmanagement überflutet und kommt eigentlich zunehmend zu spät. Prävention und Gestaltung bleiben auf der Strecke, man ist ein Opfer der eigenen Trägheit. … Das Verständnis, guter wissenschaftlicher und spiritueller Lehrer, immer auch Schüler zu bleiben, ist bei den meisten Entscheidungsträgern noch nicht angekommen. Bei aller Unvorhersehbarkeit bleibt eins gewiss, Arroganz kann Weisheit oder besser Souveränität nicht ersetzen“, sagt Prof. Dr. Thomas Druyen, Direktor des Instituts für Zukunftspsychologie und Zukunftsmanagement an der Sigmund Freud Privatuniversität Wien.

Dietmar Braun

Schweizer Versicherer müssen neu ticken

Donnerstag, Juni 16th, 2016

Die Risikomanager und Vorstände der Versicherer in der Schweiz müssen handeln und zwar anders als gewohnt. Die Uhren laufen digital anders. Der Takt ist schneller, das verändert auch die Taktik.

Zeit zu handeln

Die Digitalisierung beschleunigt das Ticken und ändert die Taktik – Zeit zu handeln © beermedia.de – Fotolia.com

2016-06-16 (db finanzwelt) Die Schweizer Versicherungsbranche steht vor einem radikalen Umbruch warnt eine aktuelle Studie des Wirtschafts- und Beratungsunternehmens EY. Während sich durch niedrige Marktzinsen das Marktumfeld verschlechtert und das Versicherungsgeschäft stagniert, setzen sich die Unternehmen ohne auf die Realität und Markt zu achten ehrgeizige Wachstumsziele.

Intensiver Verdrängungswettbewerb in der Schweiz
Bis ins Jahr 2030 werden höchstwahrscheinlich 45 Prozent der Schweizer Versicherer aus dem Markt gedrängt. Sollten sich die disruptiven Trends weiter fortsetzen und beschleunigen, werden bis zu 70 Prozent der heutigen Versicherer vom Markt verdrängt. Zu diesem Resultat kommt die aktuelle Studie von EY.

Die Schweizer Versicherer würden zu optimistisch in die Zukunft planen warnen die Autoren der Studie. Die aktuellen Wachstumsprognosen der Schweizer Versicherer lägen weit über der in der Realität erwarteten Marktentwicklung. Die Studie zeigt, dass die Unternehmen im Schnitt um jährlich 5 Prozent wachsen wollen. Doch die Realität sieht anders aus.

„Die Wachstumsmöglichkeiten des Versicherungsmarktes sind beschränkt, selbst ein Rückgang des Volumens ist denkbar“, sagt Achim Bauer, Insurance Leader EY Schweiz.

Stagnierender Versicherungsmarkt in der Schweiz
Mehrere Treiber hemmen heute und in der Zukunft das Marktwachstum für Versicherungen in der Schweiz.

„Der starke Franken verhindert, dass das Bruttoinlandsprodukt der Schweiz wächst“, sagt Yamin Gröninger, Director bei EY Financial Services Schweiz und Studienleiterin.

Gleichzeitig reduziere sich die Haushaltsvermögen gemäß einer Prognose von EY bis 2018 um 0,1 Prozent. Dies dämpfe die Nachfrage nach Versicherungslösungen weiter.

Hinzu käme, dass sich die Zunahme der Schweizer Wohnbevölkerung, bis anhin ein wichtiger Wachstumstreiber der Branche, durch die Masseneinwanderungsinitiative höchstwahrscheinlich abschwächen wird. Auch das politische und regulatorische Umfeld für Versicherungsunternehmen wird anspruchsvoller. Diverse politische Vorstöße wie die „Altersvorsorge 2020“ drohen die Marktentwicklung zu bremsen, während neue Regulierungen wie Solvency II, Swiss Solvency Test oder der Common Reporting Standard für steigende Kosten sorgen.

Die Negativzinsen stellen gerade für Lebensversicherer eine ernstzunehmende Gefahr dar. Das Niedrigzinsumfeld wird Prognosen zufolge noch länger anhalten: So weisen auch die Franken-Swap-Sätze bis zu einer Laufzeit von zehn Jahren negative Werte auf.

Schweizer Versicherungsmarkt gesättigt
Die Versicherungsausgaben in der Schweiz belaufen sich auf 7.267 Schweizer Franken pro Haushalt und Jahr, was 11 Prozent des Einkommens entspricht. Weltweit liegen die Ausgaben nur in Luxemburg höher.

„Auch Schweizer Konsumenten werden in Zukunft vermehrt versuchen, die Ausgaben für ihren Versicherungsschutz zu optimieren. Unterstützt werden sie dabei von neuen, technologie- und datengetriebenen Geschäftsmodellen auf Seite der Versicherungen, die Kunden situativ relevante und gezieltere Angebote unterbreiten und Technologien, welche die Preistransparenz im Markt erhöhen“, so Expertin Gröninger.

Diskrepanz zwischen Wunsch und Wirklichkeit
Die Diskrepanz zwischen der prognostizierten Marktentwicklung einerseits und den Unternehmenszielen andererseits wird letztendlich zu weitreichenden Umwälzungen führen. Um profitabel zu wachsen, werden die Schweizer Versicherer gezwungen sein, sich mit Konkurrenten zusammenzuschließen oder diese aus dem Markt zu drängen.

Der verschärfte Wettbewerb lässt erwarten, dass bis ins Jahr 2030 die Hälfte (45 Prozent) der Schweizer Versicherer ihr Geschäft aufgeben müssen, so das durch die Studie von EY ermittelte Szenario.

Gleichzeitig drängen neue Anbieter in den Schweizer Markt, wodurch weitere Unternehmen bedroht werden. InsurTechs und große branchenfremde Konzerne haben das Potenzial, erhebliche Marktanteile zu gewinnen.

Bis 2030 ist es daher denkbar, dass bestehende und neue Konkurrenten gemeinsam bis zu 70 Prozent der bisherigen Versicherungsunternehmen verdrängen.

„Diese Entwicklung ist durchaus wahrscheinlich, das hat sich in anderen Branchen gezeigt. Als die Umsätze im Mobiltelefonmarkt stagnierten, traten neue Konkurrenten auf, mit dem Resultat, dass sich sämtliche der zuvor führenden Hersteller zurückziehen mussten. Den gleichen Umbruch hat die Reiseindustrie durchlebt, wo Online-Plattformen die traditionellen Reiseagenturen aus dem Markt gedrängt haben. Vergleichbare Veränderungen stehen dem Versicherungsmarkt bevor“, warnt Experte Bauer.

Chancen und Risiken der Digitalisierung
Die Digitalisierung hat den Versicherungsmarkt erfasst. Die neuen Technologien haben die Position der Konsumenten sprunghaft verbessert, mit spürbaren Folgen: Das Preisbewusstsein steigt, die Loyalität nimmt ab. Dadurch entwickelt sich das Versicherungsgeschäft zu einem Consumer-to-Business-Modell (C2B).

„Kundennähe, genaue Kenntnisse und schnelles Adressieren der Bedürfnisse werden zu Kernkompetenzen. Wer den Trend verpasst, gerät in ernsthafte Schwierigkeiten, während sich neuen Anbietern dadurch Chancen eröffnen“, sagt Expertin Yamin Gröninger.

InsurTech‘s und Fintech’s hätten sich etabliert, welche die traditionellen Geschäftsmodelle in Frage stellen und die Wertschöpfungskette aufbrechen. Schon heute sorgen sie für mehr Wettbewerb und für tiefere Preise. Noch stärker vermögen branchenfremde Konzerne in den Versicherungsmarkt einzugreifen.

„In fast allen Geschäftsbereichen gibt es mindestens einen Anbieter, der die Versicherungskunden besser kennt als die Versicherer selbst. Entsprechend groß ist das Risiko für traditionelle Anbieter, den Zugang zu den eigenen Kunden zu verlieren. Ein Beispiel dafür sind Versicherungen für Motorfahrzeuge, hier wissen die Autohersteller viel genauer über die Bedürfnisse der Kunden Bescheid“, warnt die Marktexpertin Yamin Gröninger.

Zeit zum Handeln
Angesichts der Umwälzungen stehen den Schweizer Versicherern verschiedene Optionen offen: Sie können konsequent auf Skalierbarkeit setzen, um ihre Effizienz zu steigern und Preisvorteile zu generieren. Sie können Partnerschaften mit InsurTechs eingehen und deren Innovationspotenzial nutzen.

Die Versicherer können maßgeschneiderte persönliche Services anbieten, bei denen digitale Wettbewerber nicht mithalten können. Oder sie beschränken sich darauf, als Zulieferer für einen branchenfremden Konzern zu agieren. Unabhängig von der gewählten Stoßrichtung gilt es vor allem zu handeln, appellieren die Studienautoren.

„Zentral ist, dass die Versicherer jetzt energisch handeln. Nun ist der letzte Moment, die Strategien zu überdenken und Klarheit über die eigenen Stärken zu gewinnen. Auf diese Kompetenzen sind sämtliche Aktivitäten zu fokussieren“, so Achim Bauer.

Die Schweizer Versicherer müssen auch risikobewusst entscheiden, wie radikal sie die Veränderung anstreben wollen. Eine evolvierende Strategie führt zum vorübergehenden Überleben des Umbruchs, während eine grundlegende strategische Neuorientierung langfristige Wettbewerbsvorteile sicherstellt.

Fazit: Der Schweizer Versicherungsmarkt ist nicht ein Ausnahme-Szenario in Europa. Die europäische Assekuranz steht vor ähnlichen Herausforderungen. Das beschränkt sich nur in einer ersten Welle auf die Erstversicherer, auf Dauer wird sich auch der Markt für Rückversicherer ändern.

Dietmar Braun

Das neue Magazin EURAssMus ist da

Mittwoch, Juni 8th, 2016

EURASSMUS

wondermag von fgbraun.de

Nichts ist spannender wie Risiko. Europäisches Assekuranz Management und Service sind nicht nur in lokalen Märkten unterwegs sondern global im Fluss. Immer nah – immer da. Jeden Monat neue Beispiele aus der Praxis für die Praxis. 

Digital kann analog ergänzt werden

Montag, Juni 6th, 2016

Die neue Bitkom-Studie zeigt, dass die Digitalisierung der Finanzwelt nicht zu stoppen ist. Die einzige Lösung mit einer soliden Zukunft scheint die Kombination von Online- und Offline-Service zu sein.

Analog und Digital ergänzt sich

Digitalisierung hilft bei der Information, den Durchblick bringt ein sehr guter persönlicher Service © contrastwerkstatt – Fotolia.com

2016-06-06 (db finanzwelt) Ob Kfz-Finanzierung oder Haftpflicht-Police: Deutsche Verbraucher werden künftig vermehrt im Internet Kredite aufnehmen oder Versicherungen abschließen. Auch weitere innovative Online-Finanzprodukte und Online-Finanzdienstleistungen haben großes Potenzial. Das zeigt eine repräsentative Befragung, die der Digitalverband Bitkom in Auftrag gegeben hat.

Bereits jeder Zehnte kauft Assekuranz online
Befragt wurden 1007 Verbraucher ab 14 Jahren, darunter 814 Internetnutzer. Demnach haben bereits 12 Prozent der Internetnutzer online eine Versicherung abgeschlossen, weitere 22 Prozent können sich vorstellen, dies künftig zu tun.

Jeder Vierte schließt Online Kreditvertrag ab
Zudem kann sich ein Viertel der Internetnutzer (25 Prozent) vorstellen, online einen Kredit aufzunehmen, 7 Prozent haben das schon getan. Letztere haben diese Option dem Gang in die Filiale vorgezogen, weil sie die Beantragung des Kredits im Internet bequemer fanden (39 Prozent) und weil die Kreditvergabe schneller erfolgte (36 Prozent).
Rund jeder fünfte Online-Kreditnehmer (21 Prozent) hat sich außerdem wegen besserer Kreditkonditionen für diese Form der Kreditaufnahme entschieden, und 16 Prozent, weil sie bei einem anderen Kreditinstitut abgelehnt worden waren.

„Nahezu alle Finanzgeschäfte können heute bequem, sicher und schnell im Internet erledigt werden. Treiber dieser Entwicklung sind neben etablierten Banken auch Fintech‘s – also junge Unternehmen aus dem Technologiesektor, die im Finanzbereich aktiv sind. Ihre innovativen Angebote werden unseren Umgang mit Geld grundlegend verändern“, sagt Ulrich Dietz, Bitkom-Vizepräsident.

Zwei Drittel bevorzugen Online-Banking
Laut der Befragung führen 70 Prozent der Internetnutzer Bankgeschäfte online durch. Dabei rufen sie vor allem ihren Kontostand ab (100 Prozent) und tätigen Überweisungen (96 Prozent). Außerdem werden im Rahmen des Online-Banking zum Beispiel neue Debit- oder Kreditkarten angefordert (13 Prozent), Prepaid-Handykarten aufgeladen (9 Prozent), persönliche Finanzberatungen in Anspruch genommen (6 Prozent) oder ausländische Währungen für den Urlaub bestellt (3 Prozent).

Fast ein Drittel der Nutzer von Online-Banking (30 Prozent) erledigt seine Bankgeschäfte ausschließlich via Web und besucht überhaupt keine Filiale mehr. Zwei Drittel der Online-Banking-Nutzer gehen zusätzlich hin und wieder noch zum Schalter.

Mehr als die Hälfte der Befragten aus dieser Gruppe (52 Prozent) war innerhalb der letzten drei Monate in einer Bankfiliale. Bei 20 Prozent ist der letzte Besuch etwa drei bis sechs Monate her, bei 12 Prozent liegt er sechs bis zwölf Monate zurück, und bei immerhin 14 Prozent sogar länger als ein Jahr.

„Häufig ist ein Besuch in einer Bankfiliale nicht mehr nötig. Selbst Beratungsgespräche können heute schon per Videochat geführt werden, auch außerhalb der üblichen Öffnungszeiten. Diese Angebote müssen noch weiter ausgebaut und bekannter gemacht werden“, so Dietz.

Banking per Handy oder Laptop
Wer seine Bankgeschäfte im Internet erledigt, verwendet dafür schon in vielen Fällen sein Smartphone. So erklärt gut jeder dritte Nutzer von Online-Banking, dass er dafür sein Handy einsetzt (36 Prozent, Vorjahr: 34 Prozent). 61 Prozent verwenden den Laptop, im Vorjahr waren es 57 Prozent. Jeder Zweite (50 Prozent) nutzt den Desktop-PC, 2015 lag der Wert noch bei 62 Prozent. Damit hat der Laptop den Desktop-PC erstmals als beliebtestes Gerät zum Online-Banking überholt.

Zum Tablet Computer greifen 42 Prozent der Nutzer von Online-Banking (Vorjahr: 39 Prozent). „Der Trend beim Online-Banking geht weg vom Desktop-PC und hin zu mobilen Geräten. Dabei wird das Smartphone noch weiter an Bedeutung gewinnen, vor allem dank innovativer Apps, die Online-Banking auf dem Mobilgerät immer intuitiver und unkomplizierter machen“, sagt Dietz. Wer heute Smartphone-Banking betreibt, checkt in vielen Fällen ausschließlich den Kontostand (67 Prozent), immerhin 13 Prozent tätigen aber auch Überweisungen per Smartphone. Fast jeder Dritte (30 Prozent) verwendet für das Online-Banking per Smartphone eine App.

Crowd-Finanzierung macht Banken zu schaffen
Über das klassische Online-Banking sowie Online-Kredite oder -Versicherungen hinaus entstehen im Internet derzeit auch eine Reihe von plattformbasierten Modellen wie die Peer-to-Peer-Finanzierung. Beim Peer-to-Peer- bzw. Crowd-Lending treten Privatverbraucher selbst als Kreditgeber auf. 2 Prozent der Internetnutzer haben sich bisher auf diesem Wege Geld geliehen, 9 Prozent können sich das vorstellen. Beim Crowd-Investing schließen sich viele Personen zusammen, um sich gemeinsam an einem Unternehmen zu beteiligen. Die Investoren können einen Betrag ihrer Wahl anlegen und erhalten im Gegenzug eine Beteiligung an den Erträgen und den Wertsteigerungen des Start-ups. 2 Prozent der Internetnutzer geben an, schon einmal auf diese Weise Geld investiert zu haben, 4 Prozent sind aufgeschlossen dafür.

Google könnte eine Bank werden
Viele Deutsche können sich außerdem vorstellen, großen Internetunternehmen ihr Geld anzuvertrauen. Fast ein Drittel (32 Prozent) ist offen dafür, Bankgeschäfte wie Überweisungen über Internetunternehmen zu tätigen.

Digital-Rabatt begeistert Autofahrer
Fast ein Viertel (22 Prozent) hat außerdem Interesse an Versicherungsverträgen, die mithilfe digitaler Technologien exakt auf das individuelle Verhalten zugeschnitten sind. Im Falle einer Kfz-Versicherung würde hierfür beispielsweise das individuelle Fahrverhalten aufgezeichnet und bei der Versicherungspolice berücksichtigt.

Roboter machen Bankverkäufer Konkurrenz
Die Bankberatung durch einen Roboter finden 15 Prozent der Internetnutzer interessant. Dabei gibt der Roboter zum Beispiel Empfehlungen für die Geldanlage, die er mithilfe von Algorithmen generiert. Bankberater werden nur in Einzelfällen oder auf Wunsch des Kunden hinzugezogen. Empfehlungen für Finanzprodukte auf der Grundlage von Daten aus sozialen Netzwerken sind für 5 Prozent der Deutschen interessant. Hierbei wäre zum Beispiel denkbar, dass ein Kredit automatisch angeboten wird, wenn sich der Beziehungsstatus im Sozialen Netzwerk auf „verheiratet“ ändert.

„Neue und innovative Modelle für das Banking, die Finanzberatung, die Kreditvergabe oder die Geldanlage sind oft bequemer und kundenfreundlicher als herkömmliche Verfahren und können finanziell hochinteressant sein. Genauso wie das Online-Banking werden sie sich mittelfristig bei den Verbrauchern durchsetzen“, so Dietz.

Allerdings seien die Deutschen in Geldfragen traditionell eher vorsichtig und wüssten zudem noch wenig über die neuen Angebote.

Tatsächlich sagen 66 Prozent der Befragten: „Ich verstehe viele digitale Angebote rund um Banking und Bezahlen nicht.“ 67 Prozent erklären zudem: „Ich verstehe die Finanzwelt immer weniger.“ Dietz: „Banken und Fintech‘s müssen jetzt Aufklärungsarbeit leisten und Vertrauen aufbauen.“

Fazit: Die Digitalisierung ändert einiges in der Finanzwelt. Die Zeit für Bankverkäufer und die klassischen Versicherungsvertreter werden härter. Die einzige Chance für die Assekuranz und Banken liegen neben der digitalen Information der Zielgruppen im analogen Service, der individuellen Bedarfs- und Risikoanalyse, sowie der Ausarbeitung von nachhaltigen persönlichen Lösungen.

Dietmar Braun