Kehrwende in der Datenflut

Datenflut und komplexe Systeme
Daten wie Sand am Meer bilden Muster. /Foto: db Media Dietmar Braun

Solange Algorithmen unterhalten, navigieren, putzen, Rasen mähen oder nur mit uns kommunizieren ist die Welt in Ordnung. Was gilt wenn die Zauberlehrlinge ihre Besen nicht mehr als Helfer beherrschen?

(db) Noch herrscht und dominiert die pure Lust, wenn moderne Informationstechnologie (IT) Arbeiten erledigt und Menschen die Ergebnisse nutzen oder verkünden. Vom der sexy gestylten Sachbearbeiterin bis zum von der Digitalisierung begeisterten Entscheider dieser klassischen Prägung werden wir uns in den nächsten Jahren verabschieden können.

Selbstlernende Algorithmen

Es ist höchste Zeit zu klären, wie sich der Einsatz von Künstlicher Intelligenz (KI) auf die Tätigkeitsschwerpunkte und Personalstrukturen der Zukunft auswirken wird. Investitionen in entsprechende Technologien werden von kreativen Personalmaßnahmen begleitet und vorbereitet. Die Wahrscheinlichkeit ist groß, dass wir heute bereits in zahlreichen Ausbildungsberufen und im Studium die falschen Schwerpunkte setzen und veraltete Inhalte vermitteln. Die Gene der Evolution sind Algorithmen. Verstehen wir selbstlernende Systeme aus Algorithmen und deren komplexe Folgen? Hoffentlich!

„Nach Jahrzehnten grenzenlosen Technikglaubens, gepaart mit dem Willen, die Welt zu verändern, bekommen die Protagonisten im Silicon Valley kalte Füße. Was digitalisiert werden kann, wird digitalisiert – haben wir zwar gehört, aber nicht wirklich verstanden. Keiner der handelnden Akteure hat sich bis vor ein paar Monaten gefragt, ob dieser Fortschritt in der Geschwindigkeit so Sinn macht, und was das in der Konsequenz bedeutet. Weder gesellschaftlich, noch unternehmerisch, noch für den Menschen“, warnt Veränderungsexperte Kai Anderson, Vorstand der Promerit AG.

Es war einmal…..

Automatisierung hat uns in Deutschland Zuwächse in der Produktivität von jährlich 3-5 Prozent beschert. Mit dem Internet begann in den 90er Jahren das, was wir heute grob als Digitalisierung bezeichnen. Der mobile Zugang zum Internet ermöglicht völlig neue Interaktionen mit Kunden, das Internet der Dinge, neue Wertschöpfungsketten, alles zusammen neue Geschäftsmodelle und weiterhin eine steigende Produktivität.

Schlaumeier im Taschenformat

Ein dauerhaftes Wachstum von mehr als einem Prozent pro Jahr eine exponentielle Entwicklung – fühlt sich aber im einstelligen Bereich linear an. Betrachten wir die reine Rechenleistung, stellt sich das schon anders dar. Dem Gesetz von Moor folgend verdoppelt sich die Rechenleistung jedes Jahr, was dazu führt, dass wir heute bereits eine Computerpower in der Jackentasche haben, die noch vor zehn Jahren in einem Gebäudekomplex untergebracht war.

Maschinelle Helfer bald als Chef?

Die maschinelle Rechenleistung wurde lange Zeit genutzt, die Algorithmen der Maschinen schneller zu machen. Komplexe Algorithmen spielen in den Feldern Profilierung, Gesundheit, Personal und  Finanzen eine zunehmende Rolle. Mit den Künstlichen (selbstlernenden) Systemen (KS) änderte sich das Spiel grundlegend.

Im Unterschied zu den linearen Programmierverfahren der Vergangenheit arbeiten hier neuronale Netze, die der Funktion des menschlichen Gehirns nachempfunden sind. Selbstlernende Raster-Verfahren schaffen eigenständige Verbindungen, erkennen Muster durch Beobachtung und sind in der Lage, Erkenntnisse selbst weiter zu entwickeln. In Kombination mit der enormen Rechenleistung, wird das, was wir künstliche Intelligenz nennen, exponentiell wachsen und einen guten Teil der Arbeit abnehmen, die wir heute machen.

Neue Besen kehren gut

Die Forderung von IT-Experten, dass die Ergebnisse am Ende der Lernphasen künstlicher Intelligenz und deren Entscheidungen für Menschen wieder in einer nachvollziehbaren Form sein sollten ist ein Alarmzeichen. Das Risiko scheint zu sein, dass sich diese Systeme verselbständigen. Bei Drohnen mit der Fähigkeit Menschen zu töten oder bei selbstfahrenden Autos keine beruhigende Vorstellung. Einfacher ist es im Personalwesen, wo die Systeme aus Roboterkollegen eigenständig über Einstellungen und Kündigung entscheiden: Da muss ja nicht mehr am Stuhl des Chefs gesägt werden, es genügt ja einfach den Stecker zu ziehen oder Strom abzustellen. Abwarten was die Kehrwoche uns so bringt, oder sich der Kehrmaschine in den Weg stellen? Neue Besen kehren gut. Allerdings wissen die Alten, wo der Dreck sitzt.    

Dietmar Braun 

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