Sind alle Sparschweine geschlachtet?

Sparkasse auf Jagd nach Provisionen
Wenn alle Sparschweine geschlachtet sind – dann muss der Hunger am Fluss des Geldes neu gestillt werden. /Foto: db Art Dietmar Braun

Die Sparkassen optimieren ihre Gebühren und Einnahmen aus Provisionen. Da wird schon mal das Sparschwein geschlachtet um Gebühren zu bezahlen und die Daten der Kunden sind für die Provisionen.

(db) Der Präsident des Deutschen Sparkassen- und Giroverbands (DSGV) Helmut Schleweis nutze die Bilanz-Pressekonferenz der deutschen Sparkassen für Klarheit. Das Geschäftsmodell der Kreissparkassen und regionale Sparkassen bestehe zukünftig aus dem Erwirtschaften von Provisionen, Gebühren für Girokonten und Geschäftskonten, sowie Erträgen aus Immobilien, Krediten und Finanzdiensten.     

Die 386 deutschen Sparkassen haben im vergangenen Jahr nach Steuern 2.200 Millionen Euro Gewinn erwirtschaftet – 7,4 Prozent mehr als im Vorjahr. Bezahlen mussten das weitestgehend die Kunden der Sparkassen und Kreissparkassen. Da wurde manches Sparschwein geschlachtet. Durch Preiserhöhungen – und kostenpflichtige Dienstleistungen, die zuvor teilweise kostenlos waren.

„Die geldpolitischen bedingten Einbußen im Zinsüberschuss konnten durch ein besseres Provisionsergebnis kompensiert werden“, verkündet Sparkassen-Präsident Schleweis.

Reicht das Sparschwein?

Während die Bareinzahlung der über Jahre gesammelten Cent-Münzen lange Zeit kostenfrei war, kostete bei einigen Sparkassen jetzt schon pauschal fünf Euro.

Da war am sogenannten Weltspartag schon mal weniger in der Spardose der Kinder als die Sparkasse für ihre Gebühren zum Zählen der Münzen braucht.

In einem Land „in dem wir gut und gerne Leben“ sind die Herren über Billionen Euro auf Sparbüchern jetzt auf die gewachsene Zusammenarbeit mit Politikern und Kommunen mehr denn je angewiesen. Die Sparschweine sind geschlachtet jetzt geht es um die nackten Guthaben auf den Sparbüchern statt um deren Zinsen.

Jäger und Gebührenschneider

Die Sparkassen optimieren die Auswertung ihrer Kundendaten um mehr Provisionen über Zusatzgeschäfte zu erjagen und Gebühren aus Zahlungsdiensten zu schneiden. Dazu haben vor allem höhere Preise für Girokonten der Privatkunden und für Selbständige, sowie eine steigende Nachfrage nach Wertpapieren und Immobilien beigetragen.

So kostete ein normales Girokonto vor dem 1. Januar 2017 bei manchen Sparkassen noch 6,50 Euro, danach 8,50 Euro. Für Onlinekonten, die kostenlos waren, müssen nun 2,50 Euro an Grundgebühr gezahlt werden. Deutlich härter teurer traf es Firmenkunden: Bezahlten sie bisher etwa fünf Euro an Grundgebühr für ein Geschäftskonto im Monat, waren es nach dem Jahreswechsel satte 15 Euro.

Provision und Gebühr statt Zins

Der Nettoabsatz der aller Sparkassen bei Aktien, Wertpapieren und Investmentfonds stieg laut DSGV im Jahresvergleich von 9,6 auf 10,8 Milliarden Euro und lag damit so hoch wie zuletzt vor 15 Jahren.

Das hat dem Provisionsüberschuss deutlichen Auftrieb gegeben. Er legte um gut acht Prozent auf 7,8 Milliarden Euro zu. Der Zinsüberschuss – weiterhin die wichtigste Einnahmequelle der Institute – schrumpfte dagegen um drei Prozent auf 21,5 Milliarden Euro.

Sparkassen verdienen mit Gebühren und Provisionen aus Verkäufen von Finanzdienstleistungen, Immobilien, Krediten und Wertpapierhandel so viel wie nie. Jahrelang sanken Gebühren und Provisionen im Privatkundengeschäft der deutschen Banken. Nun streichen sie wieder satte Provisionen ein.

Riskante Aktien, faule Immobilien

Angesichts der niedrigen Zinsen würden Kunden ihre Ersparnisse verstärkt in Wertpapiere anlegen, so DSGV-Chef Schleweis, denn die Alternative dazu sei nicht mehr so leicht zu realisieren:

„Investitionen in private Wohnimmobilien bleiben zwar der Vorsorgewunsch Nummer eins der Deutschen, werden aber preisbedingt immer schwieriger“, macht sich der Sparkassenchef Sorgen.

Auch die Kooperation mit den Kommunen im Markt von Grundstücken und Immobilien sei für Sparkassen schon besser gewesen. Selbst die Leichen aus dem Keller des eigenen Bestandes an Immobilien seien bei vielen Sparkassen zu guten Preisen mittlerweile ausverkauft.  

Das Neugeschäft bei privaten Wohnungsbaukrediten sei daher gegenüber dem Vorjahr um fast zwei Prozent zurückgegangen.

Gebührenschraube am Ende?

Für das laufende Jahr stellte Präsident Schleweis seinen Kunden in Aussicht, dass die Preise – etwa für Girokonten und Kreditkarten – nicht mehr im gleichen Tempo wie 2017 steigen werden.

„Ich glaube, dass diese deutliche Erhöhung nicht jedes Jahr zu erzielen sein wird“, prognostiziert Schleweis ein Ende für die Gebührenschraube.

„Wir kommen von Quantität zur Qualität“, betonte der DSGV-Chef. Kleinere Filialen, die allenfalls einen Kunden pro Vormittag persönlich bedienten, werden geschlossen. Große Kreissparkassen, die viel gegen hohe Provisionen an Kunden verkaufen seien dagegen unverzichtbar. 2017 haben die deutschen Sparkassen 13 305 Filialen betrieben – fast vier Prozent weniger als 2016.

Ehrbare Kaufleute mit Sorgen?

Insgesamt rechnet Schleweis im laufenden Jahr mit rückläufigen Ergebnissen. Schleweis räumte jedoch ein, dass die Ergebnisse der Sparkassen am Ende in aller Regel besser sind als die Prognosen von Bankexperten.

„Die Prognosen haben die Funktion, dass ein vorsichtiger Kaufmann risikoorientiert in die Zukunft schaut“, so der neue Präsident der Sparkassen. Sein Amtsvorgänger war über die Zahlung und Art der Gestaltung seiner privaten Steuerschulden an das Finanzamt im Freistaat Bayern gestolpert.

Die Sparkassen würden heue bei schlechten Erträgen gegensteuern beteuert der frischgebackene Sparkassenchef und so würden Kreissparkassen dafür sorgen, dass sich nicht alle Risiken im Markt für Banken voll auswirkten.

„Insofern sind hoffentlich auch in Zukunft die Ergebnisse besser als die Prognose anders wär es nicht so schön für uns“, so Schleweis.

Fazit: Die Sparkassen trainieren ihre früheren Kundenberater stärker als Provisionsverkäufer. Noch mehr Verkäufe könnten über die Kenntnisse aus Daten im Zahlungsverkehr der Kunden optimiert werden. Hier droht den Sparkassen künftig Konkurrenz.

Händler wie Amazon wollen künftig auch ihre Kenntnisse aus Suchanfragen, Käufe und Zahlungsverkehr in bankenähnliche Geschäfte mit eigenen Finanzdienstleistungen umsetzen. Amazon vollzieht den Einstieg in das Geschäftsfeld von Banken – das ist die schlechte Nachricht für Sparkassen.

Die mächtigen Gegner der Sparkassen haben ihre Verwertung von Kundendaten für ihre Geschäfte, die diese über das Internet und smarte Technologien generieren, in den letzten Jahren deutlich optimiert.

Dietmar Braun

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