Leben mit dem Virus – wie es geht

Herunterfahren ist einfacher wie jedes Hochfahren. Das ist wie in der Personalpolitik, wo das Einstellen einfacher ist wie zu Entlassen. Gibt es ein weiter so, wie bisher? Oder lebt sich mit dem Virus anders? 

Weniger Medikamente durch Musik
Musik und Kultur wirkt auf Stimmung und Gemüt. Resilienz aufbauen, statt Angst machen. /Foto: db media Dietmar Braun

(db finanzwelt 2020-05-15) Was wird nach den vielen Geboten und Verboten zur Eindämmung der Pandemie im Leben mit dem Virus so bleiben? Wie viel Distanz wird es noch in den Köpfen bleiben, selbst dann, wenn Restaurants, Bibliotheken, Kneipen, Museen, Vereine, Theater und Schulen wieder Schritt für Schritt zugänglich sind? Was ist mit dem Klima-Wandel? Wie viel Angst und Unsicherheit verbleibt? Die positive Nachricht, die Mehrheit handelt vernünftig, mit Abstand und notwendiger Hygiene.

Wenn es schlecht läuft, dann werden in den großstädtischen Zentren in Deutschland vor allem die Dinge bleiben, die zu jeder Stadt gehören, aber nicht die Stadt als einen Lebensraum für Menschen ausmachen. Die Einkaufszentren, Ketten und Konzerne also, die alles bestimmen und jeden bedienen und vieles verdrängen. 

Sehr viele der zu schnell von der Politik geschlossenen Gaststätten, Restaurants, Buchläden, Cafés, Friseure, Sportstudios, Familienbetriebe und Einzelgeschäfte werden diese Krise wohl wirtschaftlich überhaupt nicht überleben. Umsatz-Einbußen, zu hohe Mieten, zu geringe Nothilfen der öffentlichen Hand, das treibt Selbständige, Kultur-Schaffende und auch Lebens-Künstler aktuell um.

Beamte machen nur Dienst nach Vorschrift

Die Antworten und Schein-Lösungen der versorgten Beamten und vor allem der Berufspolitiker sind eine für freie Bürger kaum auszuhaltende „Arroganz“ über ein permanentes Treten der Grundrechte der Deutschen mit Füssen. Da werden von wissenschaftlichen Laien „herum gemergelt“ neue Regeln realisiert und das nur mit Hilfe von Statistiken und zweifelhaften oder zumindest sehr umstrittenen Hochrechnungen. Das ist alles andere als ein Risiko-Management, das diesen Namen verdient.

Warum hat Kultur keine System-Relevanz? Warum dürfen sich Junge ihren Älteren nicht unter Einhaltung von Abstand und Schutzmaßnahmen nähern? Warum darf das Finanzamt, IHK und Ordnungsamt Existenzen einäschern? Warum hat ein auf „Schlagzeilen“ geifernde Journalist und Verschwörungstheoretiker oder radikaler Fundamentalist so viel Beachtung in den Medien? Die Demokratie ist in jeder Krise in Gefahr, da war schon immer ein Risiko, weil die vernünftige Mehrheit schweigt oder wegschaut. Besonders laute Minderheiten oder Politiker müssen hinterfragt werden.

Hierarchie der Sinne

In Krisen verändert sich leider die Hierarchie der Sinne. Ein Virus ist nicht zu sehen, nicht zu hören, nicht zu riechen, nicht zu fühlen, nicht zu schmecken. Das Einzige, was wir da tun können, ist Distanz halten. Wir schätzen Entfernungen ab, vermeiden das Angreifen von Türschnallen und Haltegriffen.

Distanz halten, Abschätzen. Vermeiden sind die Gebote. Das sind auch Ausdrücke von Misstrauen. Man könnte es allerdings auch als neue Formen der Aufmerksamkeit betrachten. Wie viel Platz nehme ich ein? Wie viel Platz brauchen die Anderen? Was und wen berühre ich? Im Supermarkt zählt nicht mehr nur das Tempo, sondern die Sicherheit. Jeder ist plötzlich ein veränderter Mensch. Jetzt schauen viele öfter in die Augen der Menschen, was anderes lassen die Schutzmasken ja gar nicht zu.

Das Problem sind unsere Körper, die zurzeit kaum kollektiv wirken dürfen. Sie dürfen noch nicht zusammen protestieren, nicht tanzen, nicht spielen, sich auf keinen Fall berühren. Die Städte sind noch fragmentierter als sonst. Und bis alle Schutzmaßnahmen zurückgenommen werden, bis sich die mentale Distanz aufgelöst hat, kann es lange dauern. Wenn es die Sehnsucht nach Fremden in der Stadt ist, die nach Corona bleibt, dann entstünde etwas, und die Fremden-Phobie würde geringer.

Normalität oder Leben – wie es sinnvoll geht

Von der „neuen Normalität“ war zuletzt viel die Rede. Es gibt auch Begriffe wie „falsche Normalität“, „scheinbare Normalität“, „Semi-Normalität“, „Vor-Corona-Normalität“ und die „Nach-Corona-Normalität“. Der Begriff „Normalität“, hat durch die Pandemie jeglichen Sinn verloren. In Wahrheit war „Normalität“ nie aufschlussreicher. Was für wen und wann normal war und ist, sagt sehr viel aus. Im Ausnahmezustand treten die immer schon herrschenden Unterschiede deutlicher und sichtbar hervor. Was mühsam oder unbewusst versteckt war, wird nun klar erkennbar.

Selbst die Amerikaner warnen vernünftig

Bis es vielleicht in ein bis zwei Jahren eine Impfung gegen Covid-19 zur Verfügung steht – insistierte Mitte Mai 2020 der Immunologe Dr. Anthony Fauci, Direktor des Niaid der USA (National Institute of Allergy and Infectious Diseases)  – es müssen Schutzmaßnahmen und alle Abstandsregeln eingehalten werden.

„Was ich über eine mögliche zweite Welle denke, ist folgendes: a) Ja, es absolut denkbar und möglich, dass das Coronavirus wiederkommt, und b) Ich hoffe, dass wir dann in der Lage sind, mit Hilfe von Tests, Schutzkleidung und Kontakt-Nachverfolgung das Virus effektiv einzudämmen“, so Dr. Fauci.

Was für die USA gilt, sollte auch bei allen Lockerungen in Deutschland berücksichtigt werden. Aber eine Résistance (Widerstand) gegen Beamte und Berufspolitiker macht schon Sinn, es lebe die freie Meinung und die bürgerliche Vernunft. Die Abstände halten, hygienische Schutzmaßnahmen machen Sinn, aber vor Arroganz platzende Beamte und diktatorische Politiker sollten die Verfassungsgerichte stoppen. Vive la Résistance und mehr Resilienz auf dem langen und steinigen Weg bis irgendwann hin zur medizinischen Herden-Immunität. Das mit dem Impfstoff ist eine Hoffnung – mehr aber nicht.

Dietmar Braun, freier Fachjournalist Wirtschaft (DFJV)

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