Posts Tagged ‘Assekuranz’

Engemann wird Bindeglied bei Dialog

Donnerstag, April 7th, 2016

Die Generali Gruppe bündelt ihren Maklervertrieb beim Biometrie-Spezialist und Maklerversicherer Dialog. Ein Manager verantwortet und koordiniert künftig den Vertrieb in München und Augsburg.

2016 Dialog Engemann Olaf-Axel Blog DB

Olaf-Axel Engemann, Generallbevollmächtigter Vertrieb Dialog Lebensversicherung AG © Dialog

2016-04-07 (db) Die Dialog Lebensversicherungs-AG in Augsburg meldet, dass seit 1. April 2016 Olaf-Axel Engemann (51) der neue Generalbevollmächtigte Vertrieb Deutschland ist. Seine bisherige Funktion als Bereichsvorstand Unabhängige Vertriebspartner Generali (UVG) bei den Generali Versicherungen in München behält er zusätzlich bei. Mit dem Übergang des Makler-Lebensgeschäfts von den Generali Versicherungen auf den Maklerversicherer Dialog stellt Engemann in seiner Doppelfunktion die Klammer zwischen beiden Vertrieben dar.

Der gelernte Versicherungskaufmann und studierte Betriebswirt kam 2004 zur deutschen Generali Gruppe. Nach Tätigkeiten als Leiter der Vertriebskoordination der Holding und als Bereichsleiter Vertriebsservice bei den Generali Versicherungen übernahm er 2013 seine heutige Funktion bei den UVG.

„Wir freuen uns, dass Olaf-Axel Engemann seine Erfahrung und Kompetenz in der Leitung eines großen Vertriebes nun auch in die Dialog einbringen wird. Seine Doppelfunktion als Leiter zweier Vertriebe stellt die ideale personelle Lösung für die erfolgreiche Zukunft unseres Maklergeschäfts dar“, sagt Michael Stille, Vorstandsvorsitzender der Dialog Lebensversicherungs-AG, zur Personalie.

Dietmar Braun

Allianz wird jünger, weiblicher und erfahrener

Donnerstag, März 10th, 2016

Der Allianz SE ist erneut ein Coup bei ihren Top-Managern gelungen. Mit Jaqueline Hunt wurde eine Top-Managerin an die Spitze des Erstversicherers berufen, die globale Management-Erfahrung hat.

2016 Allianz SE Jaqueline Hunt kl

Neu im Vorstand der Allianz SE ist Jacqueline Hunt (47), bis vor kurzem für das Versicherungsgeschäft von Prudential in Großbritannien, Europa und Afrika zuständig. Die Managerin Hunt ist neben Helga Jung die zweite Frau in dem Führungsgremium, bereits ab Juli 2016 wird sie die Nachfolgerin von Jay Ralph (57).

Es gibt in der Assekuranz nicht viele vom Kaliber der neuen Allianz Top-Managerin. Hunt hat sich die letzten 25 Jahre in der Branche als herausragende Finanzexpertin erwiesen. Kein Wunder, dass sie nach ihrem Weggang von Prudential im vergangenen November von vielen Seiten umworben wurde. Am Ende entschied sich die gebürtige Südafrikanerin für die Allianz, wo sie ab Juli 2016 für das Asset Management und das Lebensversicherungsgeschäft in den USA zuständig sein wird.

Hunt, die in Johannesburg Wirtschaft studierte und ihre berufliche Karriere bei Deloitte & Touche begann, kennt die Finanz- und Versicherungsbranche von Grund auf. Die Managerin hat globale Erfahrung im Management, sie hat in Südafrika, Neuseeland, den USA und Europa gearbeitet, war Finanzchefin bei Aviva, bei Norwich Union und Standard Life, und hat bei Prudential zwei Jahre lang erfolgreich das Versicherungsgeschäft in Großbritannien, Europa und Afrika geleitet.

Mitarbeiter und Geschäftspartner hoben anfänglich ihre ruhige, zurückhaltende Art hervor, in der einige Kommentatoren zu Beginn ihrer Karriere mangelnde Durchsetzungsfähigkeit erkennen wollten. Sie wurden bald eines Besseren belehrt.

„Ich liefere lieber Ergebnisse, als dass ich für große Ankündigungen bekannt bin, die ich dann nicht erfüllen kann“, sagt Hunt, die ursprünglich den Beruf einer Geologin ausüben wollte.

Die neue Top-Managerin der Allianz SE weiß, was es heißt, als Frau in einer Männerdomäne zu bestehen.

„Ich kenne das Gefühl, wenn man sich als eine von vielleicht drei Frauen in einem Versammlungssaal mit Hunderten von Männern befindet. Einerseits ist es eine Ehre, eine Art Vorreiterrolle für Frauen zu übernehmen, aber man steht auch viel stärker unter Beobachtung. Es ist eine große Verantwortung“, sagt die heute 47-Jährige Managerin. Und sie kennt auch den Druck, den diese Position unweigerlich mit sich bringt, die Erwartungen, die damit verbunden sind, die besondere Aufmerksamkeit, die sie, die Frau im Vorstand, auch in den Medien erfährt.

Die Opernliebhaberin, die mit ihrer Familie gern auf Reisen geht, hat sich ihren Erfolg mit Können und Ausdauer hart erarbeitet. Die, die sie kennen, bescheinigen ihr eine „stille Unnachgiebigkeit“, wenn es darum geht, ein Ziel zu verfolgen. Sie selbst beschreibt sich als rational, zielorientiert und überlegt.

„Doch rational bedeutet nicht, dass man kein Einfühlungsvermögen besitzt“, sagt Hunt, und wer mit ihr redet, merkt sehr schnell, dass sie beides auf überzeugende Weise miteinander verbindet.

Zum Beispiel, wenn sie auf die Probleme zu sprechen kommt, mit denen berufstätige Mütter im Alltag zu kämpfen haben.

„Ich habe das alles selbst mitgemacht“, sagt die Mutter eines 17jährigen Sohns und einer 14jährigen Tochter.
Dass sie trotz Kindern Karriere gemacht hat, lag neben ihrer herausragenden Qualifikation auch an der Unterstützung durch ihren Ehemann und die Schwiegereltern. Doch sie weiß: Nicht immer können berufstätige Frauen auf solche Hilfe bauen. Ihre Sache liegt Hunt besonders am Herzen.

„Aber es geht nicht nur um Frauen. Es geht auch um Männer, die mehr Zeit mit ihren Kindern verbringen wollen. Es geht um Menschen, die ihre Angehörigen pflegen. Wir müssen das Thema von Beruf und Familie viel weiter fassen“, fordert die neue Allianz-Managerin.

Mit Jackie Hunt, die künftig für Asset Management und das Lebensversicherungsgeschäft in den USA zuständig sein wird, holt sich die Allianz eine ausgewiesene Fachfrau ins Unternehmen. Und wie es aussieht, nicht nur eine, die in der Vermögensverwaltung etwas bewegen kann.

Dietmar Braun

Deutsche Bahn ist freundlicher als Versicherer

Montag, Februar 29th, 2016

Eine Emnid-Studie bescheinigt der Deutschen Bahn AG weit mehr Kundenfreundlichkeit als bei den deutschen Versicherern. Sogar die deutschen Behörden sind kundenfreundlicher als die Assekuranz.

2016-02-29 (db) Knapp die Hälfte der Erwerbstätigen in Deutschland (44,4 Prozent) findet, dass die Versicherungsbranche im Vergleich zu anderen Branchen am wenigsten kundenfreundlich ist. Das ergab eine aktuelle, repräsentative Umfrage des Meinungsforschungsinstituts TNS-Emnid.

Den zweiten und dritten Platz der Top 10 der kundenunfreundlichsten Branchen belegen der öffentliche Dienst (44,1 Prozent) und Telekommunikationsanbieter (42,2 Prozent). Am besten schneidet unter den Befragten die Deutsche Bahn ab (29,5 Prozent).

Rangliste der Anbieter in Deutschland die zu Kunden besonders unfreundlich sind:

1. Versicherer 44,4 Prozent

2. Öffentliche Ämter 44,1 Prozent

3. Telekommunikationsanbieter 42,2 Prozent

4. Banken/Finanzinstitute 40,7 Prozent

5. Ärzte/Krankenhäuser 40,5 Prozent

6. Vermieter/Hausverwaltungen 38,7 Prozent

7. Autohändler 37,2 Prozent

8. Strom-/Gasanbieter 36,8 Prozent

9. Handwerker 33,7 Prozent

10. Deutsche Bahn 29,5 Prozent

Jüngere und Männer empfinden die Assekuranz als unfreundlich
Je jünger die Befragten, desto kritischer die Antworten: Während bei den über 60-Jährigen auf die Frage „Was glauben Sie, wo geht es besonders kundenunfreundlich zu?“ jeder Dritte (36,1 Prozent) den Versicherungsbereich angibt, ist es bei den 14- bis 29-Jährigen sogar jeder Zweite (50,1 Prozent). Dabei ist der Wert in Berlin am höchsten (64,2%) und in Baden-Württemberg am niedrigsten (27,8 Prozent). Insgesamt ist die Unzufriedenheit im Osten etwas höher (46,3 Prozent) als im Westen (44,0 Prozent). Auch hinsichtlich der Geschlechter lassen sich Unterschiede feststellen: So halten mehr Männer (48,9 Prozent) als Frauen (39,2 Prozent), die Versicherungsbranche für kundenunfreundlich.

Dietmar Braun

MLP AG will erst 2017 Gewinne machen

Donnerstag, Februar 25th, 2016

2016-02-25 (db) Die MLP AG aus Wiesloch bei Heidelberg meldet heute für das Geschäftsjahr 2015 in nahezu allen Beratungsfeldern Zuwächse. Offensichtlich hat MLP, im Kerngeschäft der Finanzberatung akademischer Berufe, die Strategie erfolgreich umgesetzt, die Umsatzbasis in der Zielgruppe deutlich zu verbreitern, um marktbedingte Rückgänge in der privaten Altersvorsorge abzufedern.

Die Gesamterlöse der Heidelberger stiegen um 4,9 Prozent von auf 557,2 Millionen Euro. Das um Akquisitionen bereinigte EBIT sank von 39,0 auf 32,5 Millionen Euro im Vergleich zum Vorjahr.

Anorganisches Wachstum aus Erwerb der Domcura
Unterstellt man den Erwerb des neuen Tochterunternehmens, dem Assekuradeur Domcura, rückwirkend zum 1. Januar 2015, sank das Konzernergebnis nur von 29,0 auf 23,3 Millionen Euro. Die MLP AG hatte den Assekuradeur Domcura im Juli 2015 erworben, ist aber bereits rückwirkend zum Jahresbeginn 2015 gewinnberechtigt.

Auf Basis des Konzernergebnisses für 2015 schlägt der Vorstand eine Senkung der Dividende pro Aktie von 17 auf 12 Cent vor.

MLP setzt weiter auf Re-Strukturierung
Um unter den weiterhin schwierigen Marktbedingungen in der privaten Altersvorsorge das Niveau im Ergebnis nachhaltig zu erhöhen, wird MLP den strategischen Umbau der vergangenen Jahre weiter beschleunigen. Das Unternehmen prüft weitere Chancen und Möglichkeiten für ein weiteres anorganisches Wachstum, die Erfahrung mit Domcura hat da beflügelt. Außerdem wird MLP das Kostenmanagement der vergangenen Jahre weiter straffen.

Vorstand und Aufsichtsrat wollen nicht in 2016, sondern erst im kommenden Jahr 2017 von den reduzierten Kosten profitieren, so dass das Ergebnis vor Zinsen und Steuern (EBIT) ab 2017 wieder deutlich steigen soll.

„MLP hat auch 2015 solide Gewinne erwirtschaftet. Das ist alles andere als selbstverständlich, wenn man sich die sehr schwierige Lage vor allem im Markt für Altersvorsorge ansieht. Dennoch sind wir mit diesem Ergebnisniveau natürlich nicht zufrieden. Aber unsere Berater und Mitarbeiter haben auch 2015 das erreicht, was unter diesen Marktbedingungen möglich ist. Wir haben MLP in den vergangenen zehn Jahren neu ausgerichtet. Dazu haben wir das Kostenniveau um rund 60 Millionen Euro gesenkt und unser strategisches Portfolio deutlich ausgeweitet. Unter anderem haben wir andere Geschäftsfelder wie das Vermögensmanagement und die Sachversicherung ausgebaut und neue Beratungsfelder wie die Immobilienvermittlung etabliert. Das Geschäftsjahr 2015 ist mit breit angelegten Zuwächsen ein weiterer Beleg, dass dies richtig ist. Diesen strategischen Umbau werden wir weiter beschleunigen, um auch im nach wie vor rückläufigen Markt für Altersvorsorge das Ergebnisniveau nachhaltig zu steigern“, so Dr. Uwe Schroeder-Wildberg, Vorstandsvorsitzender MLP AG.

Gesamterlöse bei einer halben Milliarde Euro
Im Geschäftsjahr 2015 stiegen die Gesamterlöse von 531,1 auf 557,2 Millionen Euro. Die Aufteilung zeige Zuwächse in nahezu allen Beratungsfeldern. Mit Erlösen von 166,0 nach 147,0 Millionen Euro und einem Anstieg der betreuten Vermögen 27,5 auf 29,0 Milliarden Euro erzielte die MLP Gruppe neue Höchststände im Vermögensmanagement. Zu dieser Entwicklung hat das vermögensverwaltende Tochterunternehmen FERI AG, ein Erwerb der MLP vor Domcura, als auch das eigene Geschäft einen wichtigen Beitrag geleistet.

MLP-Tochter Domcura liefert kräftigen Gewinn
In der Sachversicherung stiegen, dank dem Erwerb des Assekuradeur Domcura, die Erlöse von 34,6 auf 54,9 Millionen Euro; dieses Ergebnis beinhaltet ab dem 1. August 2015 die Erlöse des neuen Tochterunternehmens Domcura in Höhe von 19,2 Millionen Euro.

In der Sparte Private Krankenversicherung wuchs MLP in einem nach wie vor schwierigen Markt um 5,5 Prozent von 43,5 auf 45,9 Millionen Euro.

Niedrigzinsen sorgen für Immobilen und Baufinanzierungs-Boom
Hoch sei auch die Nachfrage im Sektor Immobilien. Vor diesem Hintergrund stiegen die Erlöse aus der Baufinanzierung um 19,1 Prozent von 13,6 auf 16,2 Millionen. Die übrigen Maklervergütungen, die die Vermittlung von Immobilien beinhalten, haben sich von 8,4 auf 15,6 Millionen Euro nahezu verdoppelt.

Lebensversicherung macht Sorgen
In der Altersvorsorge konnte sich die MLP nicht von der Branchenentwicklung abkoppeln. Das Geschäft in der privaten Altersvorsorge wird nach wie vor dominiert von den Diskussionen über Lebensversicherer und ihre Produkte. Vor diesem Hintergrund brachen die Erlöse von 239,7 auf 215,7 Millionen Euro um über zehn Prozent ein. Besondere im vierten Quartal 2015, wo früher ein „Jahresendgeschäft“ lief, gingen die Erlöse von 106,6 auf 87,8 Millionen Euro deutlich im Vergleich zum Vorjahr zurück.

Gewinnung von neuen Kunden stagniert
Im Jahr 2015 hat MLP brutto 27.500 Neukunden gewonnen, im Vorjahr waren es noch 27.900. Die Beraterzahl stieg zum Jahresende leicht von 1.914 auf 1.935, ein Zeichen dass die Gewinnung von Nachwuchs voran kommt und die Verluste aus Alterung und Abwanderung ausgeglichen werden.

Ausblick: EBIT-Niveau soll ab 2017 wieder deutlich steigen
Auf Basis der eingeleiteten Kostenmaßnahmen soll das EBIT erst ab dem Geschäftsjahr 2017 im Vergleich zu 2015 erkennbar profitieren.

„MLP wird auch in den kommenden Jahren in schwierigen Märkten unterwegs sein. Unser Anspruch ist es, auch in diesem Umfeld das Ergebnisniveau wieder zu steigern. Bereits 2017 wird MLP in vollem Umfang von den weiteren Effizienzmaßnahmen profitieren“, sagt Reinhard Loose, Finanzvorstand MLP.

Fazit: Ein komplettes laufendes Geschäftsjahr auszublenden, das kann sich wohl nur ein Spezial-Vertrieb für Akademiker und deren Nachwuchs erlauben. Die MLP AG will erst wieder 2017 Gewinne machen, ja dann. Das bisherige Wachstum durch die Zukäufe des Vermögensverwalters FERI AG und des Assekuradeurs Domcura lenken von der Management-Leistung im Kerngeschäft der MLP ab. Ein Spaßvogel könnte die Theorie entwickeln, wenn die MLP AG die Allianz Versicherungen kauft wird sie sogar Marktführer, aber da wird eher umgekehrt ein solider Heidelberger Schuh draus.

Dietmar Braun

Keine „Vogel Strauß-Politik“ beim Verbraucherschutz

Mittwoch, Dezember 18th, 2013

Das Verbraucherschutzministerium ist in der neuen Regierung in das Bundesministerium der Justiz integriert. Die Staatssekretäre dort sind keine Freunde von Assekuranz und Banken. Die Zeit einer „Vogel Strauß-Politik“ im Verbraucherschutz ist vorbei, die Neuen „stecken den Kopf nicht in den Sand“.

Vogel Strauß © Dietmar Braun

Vogel Strauß © Dietmar Braun

2013-12-18 (db) In Sachen Verbraucherschutz in der Branche der Assekuranz, Banken und Finanzdienstleistungen weht in der neuen Bundesregierung „ein neuer Wind“. So wird sich beispielsweise um die Anwendung des § 34f Gewerbeordnung und dem möglichen Ausbau einer Honorarberatung in Zukunft der Bundesminister für Justiz und Verbraucherschutz Heiko Maas (SPD) kümmern. Die Neuordnung, Verbraucherschutz vom Agrarministerium ins Justizministerium zu verlegen, beschleunigt Gesetzesvorlagen, die sich auf die Assekuranz, Banken oder deren Vertriebskanäle auswirken.

Lobby wird Teil der Regierung

Im Thema Verbraucherschutz wird dem Saarländer Maas der bisherige Chef des Verbraucherzentrale Bundesverbands (vzbz) und oberster Repräsentant der Lobby für Verbraucherschützer, Gerd Billen, als beamteter Staatssekretär zur Seite stehen und den Bundesminister in allen Verbraucherfragen unterstützen. Als Parlamentarischer Staatssekretär wurde Ulrich Kelber (SPD) berufen. Diese Personalien sind bedrohlich oder zumindest spannend für die deutsche Assekuranz, Banken und Finanzdienstleister.

Das im Jahr 2013 noch unter Bundesministerin Ilse Aigner beschlossene Honorarberatergesetz ist ein Begriffsschutz und reguliert bis jetzt die Honorarberatung nur für Finanzprodukte und Finanzdienstleistungen, die durch das Wertpapierhandelsgesetz oder das Vermögensanlagegesetz abgedeckt werden. Das sind nach jetzigem Recht die Wertpapiere wie Zertifikate sowie offene und geschlossene Fonds.

Die Regelung für Honorarberater schließt jedoch Versicherungen, Spareinlagen, Bausparverträge und Kredite vom Provisionsverbot aus. Gerd Billen kritisierte noch in der Rolle als oberster Chef der Verbraucherschützer, dass der Gesetzgeber es verpasst habe, „für Transparenz im Provisionsmodell zu sorgen.“ Die Legitimation des Verbraucherschutzes als „Marktwächter“ ist ein Ziel von Billen.

Der neue parlamentarische Staatssekretär Ulrich Kelber ist seit 2005 stellvertretender Vorsitzender der SPD-Bundestagsfraktion und war dort unter anderem Verbraucherschutzthemen verantwortlich. „Die fortschreitende Digitalisierung, global agierende Konzerne und liberalisierte Märkte machen eine massive Stärkung der Verbraucherinnen und Verbraucher nötig“, sagt Kelber zum Antritt seiner neuen Verantwortung. „Ich will dazu beitragen, dass gesunder Menschenverstand und ein Mindestmaß an Grundwissen ausreichen, damit sich Verbraucherinnen und Verbraucher sicher und unbeschwert in der Gesellschaft bewegen können.“

Beratung gegen Honorar oder Provision?

„Wir werden die Einführung der Honorarberatung als Alternative zu einer Beratung auf Provisionsbasis vorantreiben und hohe Anforderungen an die Qualität der Beratung festlegen“, heißt es im Koalitionsvertrag. Die Verbraucherzentralen hatten sich in der Vergangenheit stets für die Honorarberatung als „Alternative zur provisionsbasierten Finanzberatung“ ausgesprochen. Das Beratungsprotokoll und die Dokumentation soll laut Koalitionsvertrag auf seine „praktikable Handhabung überprüft und mit Verbesserungen für Anleger weiterentwickelt“ werden.

Effiziente Finanzaufsicht

Die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) soll die Möglichkeit übertragen werden, den Vertrieb komplexer und intransparenter Finanzprodukte zu beschränken oder zu verbieten. Voraussetzung hierfür wäre, dass diese Angebote die Finanzmarktstabilität gefährden oder unverhältnismäßige Risiken für Anleger bergen. Ab wann die Finanzmarktstabilität als gefährdet gesehen wird oder die Risiken für Anleger unverhältnismäßig hoch sind, werden im Koalitionsvertrag keine Kriterien und Regeln genannt.

Dietmar Braun, Fachjournalist Assekuranz und Banken

Dietmar Braun

Ist Versicherung ein Markenprodukt?

Donnerstag, Juli 25th, 2013

Den größten Einfluss auf einen Versicherungsabschluss haben die affektive und die kognitive Markenwahrnehmung. Dies bedeutet, dass die Entscheidung eine Versicherung abzuschließen sowohl auf der Gefühls- sowie auf der Verstandesebene gefällt wird.

2013-07-25 (db) Bei den affektiven Erlebnissen sehen deutsche Kunden die größten Unterschiede hinsichtlich der Modernität von Versicherer-Marken. Insbesondere Direktanbieter wie ASSTEL, DA Direkt oder Direct Line erscheinen moderne Marken, jedoch können sich auch AXA und ERGO als Agenturversicherer modern darstellen.

Dies ist das Ergebnis der Studie „Markenbarometer Assekuranz“ des Marktforschungs- und Beratungsinstituts YouGov, für die rund 2.000 Entscheider in Versicherungsangelegenheiten zu über 30 Versicherer-Marken repräsentativ befragt wurden. Für die Studie wurden folgende Versicherer-Marken untersucht: Allianz, ARAG, Asstel, AXA, Barmenia, Concordia, Cosmos Direkt, DA Direkt, DEVK Versicherungen, Debeka, Die Continentale, Direct Line, ERGO, ERGO Direkt, Generali, Gothaer Allgemeine Versicherung AG, Hanse Merkur, Hannoversche, HDI, HUK24, HUK-Coburg, LVM-Versicherungen, Mecklenburgische Versicherungsgruppe, Nürnberger, Provinzial, R+V Versicherung, Rheinland Versicherungsgruppe, Signal Iduna Gruppe, Versicherungsgruppe Hannover VGH, Volksfürsorge, Wüstenrot + Württembergische, Zurich.

Preiswertigkeit steht im Fokus

Unter den kognitiven Markenerlebnissen differenziert sich der Markt am stärksten beim Preis-Leistungs- Verhältnis. Durch Analyse von Interaktionen kann die YouGov Brand Engine das ideale Markenerlebnis je Kontaktpunkt identifizieren.

„Trotz der hohen Bedeutung des Preis-Leistungs-Verhältnisses stellen sich für Premium-Anbieter affektive Inhalte wie z. B. Pflichtbewusstsein als wirksame Proposition dar, die sogar von einer hohen Preiswahrnehmung unterstützt wird. Damit wird deutlich, wie wichtig für Premium-Anbieter eine kontinuierliche Qualitätskommunikation ist, um werbeerzeugten Preisvergleichen zu trotzen“, interpretiert Dr. Oliver Gaedeke, Vorstand und Leiter der Finanzmarktforschung bei YouGov Deutschland.

Die Bedeutung der Markenprägnanz wird durch die zunehmende Kommunikationsvielfalt wichtig. Auch die von vielen Versicherern verfolgte ganzheitliche Kundenanbindung braucht eine Marke, die eine möglichst breite Kompetenzanmutung für viele Versicherungsprodukte vermittelt.

Laut den Ergebnissen der Studie werden den Marken DA Direkt, Direct Line, HDI, HUK24 und HUK-Coburg am meisten Kompetenz in Sachen Kraftfahrt-Versicherungen zugeschrieben.

Bei privaten Krankenversicherungen stehen Barmenia, Debeka und Hanse Merkur und in der Lebensversicherung stehen Allianz, Debeka, Hannoversche, Nürnberger und Provinzial mit der höchsten Kompetenzanmutung im Ranking.

Fernsehwerbung stärkt die Marke am meisten

Die Kompetenz ist von hoher Wichtigkeit, aber auch die nötige öffentliche Wahrnehmung: Über alle Kommunikationskanäle hinweg ist TV-Werbung der Kanal mit dem höchsten werblichen Erfolg. Hier dominieren die Allianz, Cosmos Direkt, ERGO, ERGO Direkt und HUK-Coburg. Durch die intensive TV-Werbung hat sich die ERGO auf die zweitbeste ungestützte Bekanntheit von 35 Prozent nach der Allianz und eine gestützte Bekanntheit von 76 Prozent auf Rang drei nach Allianz und HUK-Coburg hochgearbeitet. Der Kontakt über Print-Werbung ist branchenübergreifend etwas höher als über Online-Werbung, beziehungsweise der Kontakt in einem Vergleichsportal.

In einer detaillierten Potenzial-Analyse untersuchten die Autoren der Studie, wie groß der Anteil der Prospects (Markenkenner, die die Marke ins Relevant Set aufnehmen) im Wettbewerbsvergleich und relativ zur Markenbekanntheit ist. Danach sind Direct Line, ERGO, ERGO Direkt, HUK24, HUK Coburg und R+V Versicherung die effizientesten Marken für die Neukundengewinnung.

Dietmar Braun, Fachjournalist für Assekuranz und Banken

Allianz SE mit Umsatzrekord

Mittwoch, Mai 15th, 2013

Die Allianz Gruppe hat ihre erfolgreiche Entwicklung des Jahres 2012 mit einem historisch starken ersten Quartal 2013 fortgesetzt. Vorstandschef Diekmann begrüßt die Expansion in der Türkei.

2013-05-15 (db) Mit 32 Milliarden Euro erzielte die Allianz SE den höchsten Gesamtumsatz ihrer Geschichte in einem Quartal, ein Anstieg von 6,6 Prozent im Vergleich zu 30,1 Milliarden Euro im ersten Quartal 2012. Das operative Ergebnis hat sich um 19,9 Prozent von 2,3 auf 2,8 Milliarden Euro im Vergleich zum Vorjahr erhöht.

Im Schaden- und Unfallversicherungsgeschäft profitierte die Gruppe in den meisten Regionen von anziehenden Preisen und einem verbesserten technischen Ergebnis sowie von einer geringen Anzahl von Naturkatastrophen.

In den Sparten Lebens- und Krankenversicherung legte besonders das Lebensversicherungsgeschäft in den Allianz Kernmärkten Deutschland, Frankreich und Italien bei Umsatz und Ergebnis zu.

Die Solvabilitätsquote ging um 14 Prozentpunkte von 197 Prozent zum 31. Dezember 2012 auf 183 Prozent zum 31. März 2013 zurück, liegt aber deutlich über dem Durchschnitt der Branche. Ohne Berücksichtigung des negativen Effekts aus der Änderung des Rechnungslegungsstandards für Pensionen hätte sich die Solvabilitätsquote im Vergleich zum Jahresende um zwei Prozentpunkte verbessert.

Unternehmensrating wurde bestätigt und der Ausblick angehoben

Im Berichtszeitraum erhöhte sich das Eigenkapital um 3,1 Prozent von 50.388 auf 51.950 Millionen Euro. Unter Verweis auf die gute Kapitalausstattung der Allianz hat die Ratingagentur Standard & Poor’s im März 2013 das „AA“-Rating bestätigt und den Ausblick auf „stabil“ von „negativ“ angehoben.

Das nicht-operative Ergebnis sank auf minus 119 Millionen Euro nach minus 88 Millionen Euro im gleichen Zeitraum 2012. Das Vorjahresergebnis hatte von positiven Bewertungseffekten für Optionsscheine auf The Hartford profitiert. Die Steueraufwendungen erhöhten sich auf 877 Millionen Euro von 794 Millionen Euro. Die effektive Steuerquote betrug im ersten Quartal des Jahres 33 Prozent, nach 35 Prozent im Vorjahresquartal. Der auf Anteilseigner entfallende Quartalsüberschuss erreichte 1,7 Milliarden Euro im ersten Quartal 2013, ein Anstieg von 24,0 Prozent im Vergleich zum Vorjahreswert von 1,4 Milliarden Euro.

„Das ist ein vielversprechender Jahresauftakt. Alle Segmente lieferten starke Ergebnisse, dank unserer Anstrengungen der vergangenen Jahre. Davon profitieren auch unsere Kunden, die im ersten Quartal 25 Milliarden Euro an Versicherungsleistungen erhielten“, sagte Dieter Wemmer, Mitglied des Vorstands der Allianz SE.

Expansion in der Türkei stärkt Allianz SE

„Wir sind gut aufgestellt, um zu wachsen – intern wie auch extern. Zum Beispiel erwarten wir durch den vereinbarten Kauf des türkischen Versicherers Yapı Kredi Sigorta eine deutliche Stärkung unserer Stellung in diesem wichtigen Zukunftsmarkt“, sagte Michael Diekmann, CEO und Vorstandsvorsitzender der Allianz SE.

Michael Dieckman, Vorstandsvorsitzender Allianz Se © Allianz

Michael Dieckmann, Vorstandsvorsitzender Allianz SE © Allianz

„Wir sind zuversichtlich, dass wir auch im weiteren Verlauf des Jahres 2013 profitabel wachsen werden. Es wäre jedoch angesichts der bestehenden Marktrisiken und einer möglichen steigenden Anzahl an Naturkatastrophen unangebracht, das aktuelle operative Ergebnis auf das Jahr hochzurechnen. Daher bestätigen wir den Ausblick für unser operatives Ergebnis für 2013 von 9,2 Milliarden Euro, plus/minus 0,5 Milliarden Euro.“

Die Schaden- und Unfallversicherung boomt

Das Schaden- und Unfallversicherungsgeschäft erzielte im ersten Quartal 2013 einen Umsatz von 15,2 Milliarden Euro, ein Anstieg um 2,7 Prozent von 14,8 Milliarden Euro im ersten Quartal des Vorjahres. Diese Entwicklung sei hauptsächlich eine Folge von positiven Preiseffekten innerhalb vieler Märkte und Produktlinien. Einen Großteil des Wachstums steuerten Deutschland, die Türkei, Allianz Worldwide Partners und Lateinamerika bei.

Das operative Ergebnis erreichte 1,3 Milliarden Euro und lag damit 11,5 Prozent über dem Wert des Vorjahresquartals von 1,2 Milliarden Euro. Das technische Ergebnis stieg auf 540 Millionen Euro von 333 Millionen Euro, gestützt durch eine verbesserte Geschäftsjahres-Schadenquote und durch eine günstige Preisentwicklung.

Mit einem Wert von 94,3 Prozent verbesserte sich die Schaden-Kosten-Quote des Quartals um 1,9 Prozentpunkte von 96,2 Prozent im vergangenen Jahr. Die Schaden-Kosten-Quoten lagen in den meisten Märkten deutlich unter 100 Prozent, auch dank geringer Schäden aus Naturkatastrophen. Die Schadenquote verbesserte sich auf 66,1 Prozent von 68,3 Prozent im Vorjahresquartal. Die Kostenquote lag bei 28,2 Prozent und damit leicht über dem Vergleichswert von 27,9 Prozent.

Vor allem höhere Kosten in Folge der Übernahme des französischen Versicherers Gan Eurocourtage im letzten Jahr, eine Reduzierung des Ernteausfallgeschäfts in den USA mit einer geringeren Kostenquote und eine regulatorische Gebührenänderung in Brasilien seien für diese Entwicklung verantwortlich.

 „Das erste Quartal war für die Schaden- und Unfallversicherung eines der besten Quartale seit einigen Jahren. Wir waren sowohl in unseren Kernmärkten in den Industrieländern als auch in den Wachstumsmärkten erfolgreich. Das Ausbleiben schwerer Naturkatastrophen hat gewiss geholfen, aber auch in sehr wettbewerbsintensiven Märkten wie Italien und Spanien haben wir hervorragende Ergebnisse erzielt“, erläutert Wemmer.

Lebens- und Krankenversicherung wächst bei Umsatz und Ergebnis

Der Umsatz in der Lebens- und Krankenversicherung stieg im ersten Quartal 2013 um 8,3 Prozent auf 14,8 Milliarden Euro von 13,7 Milliarden Euro im Vergleichsquartal 2012.

Das Umsatzwachstum stammte hauptsächlich von fondsgebundenen Produkten. Trotz eines intensiven Wettbewerbs und des anhaltenden Niedrigzinsumfeldes erhöhten sich die Beitragseinnahmen in den meisten Kernmärkten zweistellig, insbesondere in Deutschland, Frankreich, Italien und der Region Asien-Pazifik. Dagegen sanken die Einnahmen sowohl in den USA, aufgrund von Produkt- und Provisionsanpassungen im Jahr 2012 bei indexgebundenen und „Variable-Annuity“-Rentenprodukten, als auch in Polen aufgrund von Änderungen in der Regulierung.

Das operative Ergebnis lag im Berichtszeitraum bei 855 Millionen Euro; ein Anstieg von 3,6 Prozent verglichen mit 825 Millionen Euro im Vorjahresquartal. Das operative Ergebnis wurde einerseits durch ein niedrigeres operatives Investmentergebnis beeinflusst und profitierte andererseits von geringeren Abschluss- und Verwaltungskosten.

Die Allianz hat eine Neugeschäftsmarge von 1,8 Prozent erzielt, nahe dem Niveau des Vorjahresquartals von 1,9 Prozent. Der Neugeschäftswert stieg von 223 auf 238 Millionen.

„Das Lebens- und Krankenversicherungsgeschäft steht weiterhin vor Herausforderungen. Wir gehen davon aus, dass die Märkte angesichts niedriger Zinsen schwierig bleiben, die sowohl Sparer als auch Investoren betreffen. Trotzdem haben wir in diesem Quartal Umsatz und Ergebnis gesteigert. Das spiegelt den Wert unserer Produkte und Erträge für unsere Kunden wider“, betonte Wemmer.

Asset Management der Gruppe trotz Niedrigzinsen weiter erfolgreich

Das Allianz Asset Management erzielte erneut ein herausragendes Quartal. Der Umsatz erhöhte sich im ersten Quartal 2013 auf 1,9 Milliarden Euro von 1,4 Milliarden Euro, ein Anstieg um 32,8 Prozent im Vergleich zum ersten Quartal 2012.

Das operative Ergebnis erreichte 900 Millionen Euro, ein Plus von 46,8 Prozent nach 613 Millionen Euro im Vorjahresquartal, aufgrund gestiegener erfolgsabhängiger Provisionen, einem höheren verwalteten Vermögen und größerer Margen. Das Aufwand-Ertrags-Verhältnis verbesserte sich weiter auf 52,9 Prozent von 57,4 Prozent.

Die gesamten verwalteten Anlagen stiegen auf 1.934 Milliarden Euro zum Ende des ersten Quartals von 1.653 Milliarden Euro zum Ende des Vorjahresquartals, ein Plus von 17,0 Prozent. Die für Dritte verwalteten Anlagen erhöhten sich auf 1.517 Milliarden Euro von 1.266 Milliarden Euro. Die Nettomittelzuflüsse Dritter stiegen auf 42,6 Milliarden Euro. Im Vorjahresquartal hatten sie 23,5 Milliarden Euro betragen.

„Unser Asset Management war auch im ersten Quartal 2013 Garant für wachsende Erträge für unsere Kunden, unsere Aktionäre und die Allianz Gruppe“, sagte Wemmer. „Die Ergebnisse der Allianz Gruppe bestätigen unsere Strategie einer breiten Aufstellung über die Geschäftssegmente und die Regionen der Welt hinweg.“

Dietmar Braun, Fachjournalist Assekuranz und Banken
Dietmar Braun

 

Haftung bei fehlendem Leumund

Mittwoch, Mai 15th, 2013

Vertriebsunternehmen und Maklerpools müssen von allen angeschlossenen Vermittlern ein polizeiliches Führungszeugnis einholen. Unterbleibt diese Überprüfung müssen nach einem Grundsatzurteil die Unternehmen für die Vermittler haften.

2013-05-15 (db) Die GPC Law Rechtsanwaltsgesellschaft mbH kommentiert in einer aktuellen Meldung ein Grundsatzurteil das den Vertrieb von Dienstleistungen der Assekuranz und Banken betrifft. Die GPC Law ist eine auf Finanzdienstleistung spezialisierte Anwaltskanzlei inmitten der deutschen Hauptstadt Berlin.

Der Bundesgerichtshof (BGH) hat in einer aktuellen Entscheidung (Urteil vom 14. März 2013 – III ZR 296/11) die Haftung eines Vertriebsunternehmens für die betrügerischen Eigengeschäfte eines vorbestraften Handelsvertreters bejaht.

Wenn Vertriebe selbständige Handelsvertreter anbinden stellt sich die Frage, inwieweit sie für deren Handeln haftbar gemacht werden können und woraus sich eine solche Haftung ergeben kann. Entscheidend ist dabei die Außendarstellung. Eine Haftung für angeschlossene Handelsvertreter kann entstehen, wenn diesen Werbemittel, insbesondere Briefpapier und Visitenkarten mit dem Logo des Vertriebsunternehmens zur Verfügung gestellt werden. Gleiches gilt, wenn im Einverständnis mit dem Vertriebsunternehmen ein Geschäftslokal, durch Beschilderungen, beworben wird.

Bisher war anerkannt, dass bereits durch die Anbahnung eines Vertrages ein Schuldverhältnis entstehen kann, das ein Unternehmen zur Rücksicht auf die Rechte, Rechtsgüter und Interessen des Kunden verpflichtet. Hierfür ist es beispielsweise ausreichend, wenn ein potenzieller Kunde zur Anbahnung eines Vertrages das Geschäftslokal eines Unternehmens aufsucht.

Begründet die Tätigkeit eines Unternehmens typischerweise erhöhte Gefahren für die Rechtsgüter seiner Kunden können sich hieraus Pflichten bei der Auswahl der Personen ergeben, die von diesem mit der Wahrnehmung von Aufgaben gegenüber den Kunden betraut werden. Die Anlagevermittlung und -beratung, so der BGH, beinhalte für die Vermögen der Anleger eine erhöhte Gefahr. Die Anleger seien daher auf die Seriosität der Beratung und die persönliche Zuverlässigkeit des Beraters bzw. Vermittlers angewiesen.

Dem Wertpapierhandelsgesetz (WpHG) entnimmt das Gericht die Wertung, dass ein Unternehmen einen Mitarbeiter nur dann mit der Anlageberatung betrauen darf, wenn dieser sachkundig ist und die für die Tätigkeit erforderliche Zuverlässigkeit besitzt. Diese fehlt in der Regel bei einer einschlägigen Vorstrafe mit inhaltlicher Nähe zur Anlageberatung, wie zum Beispiel Betrug (§ 34d Abs. 1 Satz 1 WpHG).

Einem Vertriebsunternehmen obliege daher zum Schutz der Rechtsgüter ihrer Kunden die Pflicht, Erkundigungen zu einschlägigen Vorstrafen ihres Handelsvertreters durch Vorlage eines polizeilichen Führungszeugnisses einzuholen. Ergeben sich aus dem polizeilichen Führungszeugnis einschlägige Vorstrafen oder verweigert der Handelsvertreter die Vorlage, so dürfe der Handelsvertreter nach Ansicht der Bundesrichter nicht mit der Anlagevermittlung und -beratung betraut werden.

Grundsätzlich verpflichtet der Verstoß gegen eine Rechtspflicht aber nur zum Ersatz der Schäden, deren Eintritt die Einhaltung der Pflicht verhindern sollte. Die Kunden sollen nicht vor allen Schäden bewahrt werden, die ihnen durch die ausgewählte Person zugefügt werden können. Beim Vertrieb von Kapitalanlagen erstrecken sich die Schutzpflichten daher nur auf die „anzubahnenden“ Produktverträge und die Tätigkeit der beauftragten Handelsvertreter bei der Anbahnung dieser Verträge.

Dietmar Braun, Fachjournalist Assekuranz und Banken

Link: BGH, Urteil vom 14. März 2013 – III ZR 296/11