Posts Tagged ‘Banken’

Banken verleihen Regenschirme

Freitag, September 30th, 2016

Die Situation der deutschen Banken ist schon ein Kommentar wert. Die deutschen Banker sehen nur die Versicherer als Branche deren Geschäft das Risiko ist. Banker setzen da auf den Zins und Wetten.

2016-09-30 (db finanzwelt) Bundeskanzlerin Angela Merkel erklärt klar, dass sie nicht mehr daran denke der Deutschen Bank oder anderen Instituten bei einer Schieflage mit Geldern der Steuerzahler zu helfen. Die Chefin des mächtigen Weltwährungsfonds Christine Lagarde sagt nüchtern und eindeutig:

„Die Deutschen Bank sei zurzeit zwar das größte Risiko für die Finanzstabilität. Doch sehe sie zurzeit keine absolute Notwendigkeit für eine Intervention“.

Neben den künstlichen Niedrigzinsen der Europäischen Zentralbank bringt die mächtigen Frauen aus der Politik und der Bankenwelt die Situation auf den Punkt.

Noch nie war die Unsicherheit im Bankensystem in Deutschland so hoch wie jetzt. Dafür gibt es, abgesehen von der anhaltend schwachen Kapitalisierung vieler Institute, Warnhinweise wie die Ausweitung der Credit-Spreads der Banken, die hohe Volatilität an den Märkten sowie eben die Fokussierung aller Sorgen auf ein Institut, die Deutsche Bank.

Bankberater versagen als Verkäufer
Was ist los bei den Banken, der letzten Branche die in teuren Filialen auf Kunden als Bittsteller wartet, die dann eine Schalterbeamtin oder Schalterbeamter, getarnt in der Rolle als „Berater“ alles verkauft was der Bank Rendite oder Gebühren einbringt?
Die Situation ist historisch neu: die Banken müssen wettbewerbsfähige Strukturen schaffen, sich gegen mögliche Angriffe branchenfremder Anbieter rüsten. Die größte Gefahr droht von den Kunden, die sich zunehmend an digitale Informationen und Service gewöhnen.

Allianz bedroht Banken
Die größte Gefahr droht den Banken aber aus der verwandten Branche der Versicherer und Bausparkassen. Diese Finanzdienstleister könnten neben der Abwicklung von Prämien für Versicherungsdeckungen und Kredittilgungen auch andere Dienste anbieten, wie zum Beispiel die Allianz-Lebensversicherung, eine Tochter der Allianz SE, mit ihrem „Geld-Park-Konto“. Zunehmend fallen klassische Kredite zum Beispiel für Auto oder Möbelkauf weg, weil die Hersteller ihren Absatz selber finanzieren.

Sparkassen sind Gebühren-Haie
Die Sparkassen erhöhen jetzt die Gebühren statt Personal abzubauen oder kundenfreundlich zu helfen, die Deutsche Bank muss Milliarden Euro an die Amerikaner überweisen, die Abenteuer in der Bankenwelt beginnen aktuell erst. Der Hintergrund ist so einfach, wie auch leider wahr:
Risiko ist etwas womit Banker überhaupt nicht umgehen können. Sie haben gelernt: bei schlechtem Wetter keine Kredite als Schirme zu vergeben, und bei schönem Wetter Regenschirme verleihen zu wollen. (db)

Wondermags EurAssMus September 2016

Mittwoch, September 21st, 2016

EurAssMus 09/2016

wondermag von fgbraun.de

EURASSMUS berichtet in dieser Ausgabe über die riskante Lotterie im Erbfall bei den Lebensversicherungen, die Herausforderungen durch Roboter und digitale Prozesse in der Arbeitswelt. Nichts ist spannender wie Wirtschaft und Risiken. 

Das neue Magazin EURAssMus ist da

Mittwoch, Juni 8th, 2016

EURASSMUS

wondermag von fgbraun.de

Nichts ist spannender wie Risiko. Europäisches Assekuranz Management und Service sind nicht nur in lokalen Märkten unterwegs sondern global im Fluss. Immer nah – immer da. Jeden Monat neue Beispiele aus der Praxis für die Praxis. 

Digital kann analog ergänzt werden

Montag, Juni 6th, 2016

Die neue Bitkom-Studie zeigt, dass die Digitalisierung der Finanzwelt nicht zu stoppen ist. Die einzige Lösung mit einer soliden Zukunft scheint die Kombination von Online- und Offline-Service zu sein.

Analog und Digital ergänzt sich

Digitalisierung hilft bei der Information, den Durchblick bringt ein sehr guter persönlicher Service © contrastwerkstatt – Fotolia.com

2016-06-06 (db finanzwelt) Ob Kfz-Finanzierung oder Haftpflicht-Police: Deutsche Verbraucher werden künftig vermehrt im Internet Kredite aufnehmen oder Versicherungen abschließen. Auch weitere innovative Online-Finanzprodukte und Online-Finanzdienstleistungen haben großes Potenzial. Das zeigt eine repräsentative Befragung, die der Digitalverband Bitkom in Auftrag gegeben hat.

Bereits jeder Zehnte kauft Assekuranz online
Befragt wurden 1007 Verbraucher ab 14 Jahren, darunter 814 Internetnutzer. Demnach haben bereits 12 Prozent der Internetnutzer online eine Versicherung abgeschlossen, weitere 22 Prozent können sich vorstellen, dies künftig zu tun.

Jeder Vierte schließt Online Kreditvertrag ab
Zudem kann sich ein Viertel der Internetnutzer (25 Prozent) vorstellen, online einen Kredit aufzunehmen, 7 Prozent haben das schon getan. Letztere haben diese Option dem Gang in die Filiale vorgezogen, weil sie die Beantragung des Kredits im Internet bequemer fanden (39 Prozent) und weil die Kreditvergabe schneller erfolgte (36 Prozent).
Rund jeder fünfte Online-Kreditnehmer (21 Prozent) hat sich außerdem wegen besserer Kreditkonditionen für diese Form der Kreditaufnahme entschieden, und 16 Prozent, weil sie bei einem anderen Kreditinstitut abgelehnt worden waren.

„Nahezu alle Finanzgeschäfte können heute bequem, sicher und schnell im Internet erledigt werden. Treiber dieser Entwicklung sind neben etablierten Banken auch Fintech‘s – also junge Unternehmen aus dem Technologiesektor, die im Finanzbereich aktiv sind. Ihre innovativen Angebote werden unseren Umgang mit Geld grundlegend verändern“, sagt Ulrich Dietz, Bitkom-Vizepräsident.

Zwei Drittel bevorzugen Online-Banking
Laut der Befragung führen 70 Prozent der Internetnutzer Bankgeschäfte online durch. Dabei rufen sie vor allem ihren Kontostand ab (100 Prozent) und tätigen Überweisungen (96 Prozent). Außerdem werden im Rahmen des Online-Banking zum Beispiel neue Debit- oder Kreditkarten angefordert (13 Prozent), Prepaid-Handykarten aufgeladen (9 Prozent), persönliche Finanzberatungen in Anspruch genommen (6 Prozent) oder ausländische Währungen für den Urlaub bestellt (3 Prozent).

Fast ein Drittel der Nutzer von Online-Banking (30 Prozent) erledigt seine Bankgeschäfte ausschließlich via Web und besucht überhaupt keine Filiale mehr. Zwei Drittel der Online-Banking-Nutzer gehen zusätzlich hin und wieder noch zum Schalter.

Mehr als die Hälfte der Befragten aus dieser Gruppe (52 Prozent) war innerhalb der letzten drei Monate in einer Bankfiliale. Bei 20 Prozent ist der letzte Besuch etwa drei bis sechs Monate her, bei 12 Prozent liegt er sechs bis zwölf Monate zurück, und bei immerhin 14 Prozent sogar länger als ein Jahr.

„Häufig ist ein Besuch in einer Bankfiliale nicht mehr nötig. Selbst Beratungsgespräche können heute schon per Videochat geführt werden, auch außerhalb der üblichen Öffnungszeiten. Diese Angebote müssen noch weiter ausgebaut und bekannter gemacht werden“, so Dietz.

Banking per Handy oder Laptop
Wer seine Bankgeschäfte im Internet erledigt, verwendet dafür schon in vielen Fällen sein Smartphone. So erklärt gut jeder dritte Nutzer von Online-Banking, dass er dafür sein Handy einsetzt (36 Prozent, Vorjahr: 34 Prozent). 61 Prozent verwenden den Laptop, im Vorjahr waren es 57 Prozent. Jeder Zweite (50 Prozent) nutzt den Desktop-PC, 2015 lag der Wert noch bei 62 Prozent. Damit hat der Laptop den Desktop-PC erstmals als beliebtestes Gerät zum Online-Banking überholt.

Zum Tablet Computer greifen 42 Prozent der Nutzer von Online-Banking (Vorjahr: 39 Prozent). „Der Trend beim Online-Banking geht weg vom Desktop-PC und hin zu mobilen Geräten. Dabei wird das Smartphone noch weiter an Bedeutung gewinnen, vor allem dank innovativer Apps, die Online-Banking auf dem Mobilgerät immer intuitiver und unkomplizierter machen“, sagt Dietz. Wer heute Smartphone-Banking betreibt, checkt in vielen Fällen ausschließlich den Kontostand (67 Prozent), immerhin 13 Prozent tätigen aber auch Überweisungen per Smartphone. Fast jeder Dritte (30 Prozent) verwendet für das Online-Banking per Smartphone eine App.

Crowd-Finanzierung macht Banken zu schaffen
Über das klassische Online-Banking sowie Online-Kredite oder -Versicherungen hinaus entstehen im Internet derzeit auch eine Reihe von plattformbasierten Modellen wie die Peer-to-Peer-Finanzierung. Beim Peer-to-Peer- bzw. Crowd-Lending treten Privatverbraucher selbst als Kreditgeber auf. 2 Prozent der Internetnutzer haben sich bisher auf diesem Wege Geld geliehen, 9 Prozent können sich das vorstellen. Beim Crowd-Investing schließen sich viele Personen zusammen, um sich gemeinsam an einem Unternehmen zu beteiligen. Die Investoren können einen Betrag ihrer Wahl anlegen und erhalten im Gegenzug eine Beteiligung an den Erträgen und den Wertsteigerungen des Start-ups. 2 Prozent der Internetnutzer geben an, schon einmal auf diese Weise Geld investiert zu haben, 4 Prozent sind aufgeschlossen dafür.

Google könnte eine Bank werden
Viele Deutsche können sich außerdem vorstellen, großen Internetunternehmen ihr Geld anzuvertrauen. Fast ein Drittel (32 Prozent) ist offen dafür, Bankgeschäfte wie Überweisungen über Internetunternehmen zu tätigen.

Digital-Rabatt begeistert Autofahrer
Fast ein Viertel (22 Prozent) hat außerdem Interesse an Versicherungsverträgen, die mithilfe digitaler Technologien exakt auf das individuelle Verhalten zugeschnitten sind. Im Falle einer Kfz-Versicherung würde hierfür beispielsweise das individuelle Fahrverhalten aufgezeichnet und bei der Versicherungspolice berücksichtigt.

Roboter machen Bankverkäufer Konkurrenz
Die Bankberatung durch einen Roboter finden 15 Prozent der Internetnutzer interessant. Dabei gibt der Roboter zum Beispiel Empfehlungen für die Geldanlage, die er mithilfe von Algorithmen generiert. Bankberater werden nur in Einzelfällen oder auf Wunsch des Kunden hinzugezogen. Empfehlungen für Finanzprodukte auf der Grundlage von Daten aus sozialen Netzwerken sind für 5 Prozent der Deutschen interessant. Hierbei wäre zum Beispiel denkbar, dass ein Kredit automatisch angeboten wird, wenn sich der Beziehungsstatus im Sozialen Netzwerk auf „verheiratet“ ändert.

„Neue und innovative Modelle für das Banking, die Finanzberatung, die Kreditvergabe oder die Geldanlage sind oft bequemer und kundenfreundlicher als herkömmliche Verfahren und können finanziell hochinteressant sein. Genauso wie das Online-Banking werden sie sich mittelfristig bei den Verbrauchern durchsetzen“, so Dietz.

Allerdings seien die Deutschen in Geldfragen traditionell eher vorsichtig und wüssten zudem noch wenig über die neuen Angebote.

Tatsächlich sagen 66 Prozent der Befragten: „Ich verstehe viele digitale Angebote rund um Banking und Bezahlen nicht.“ 67 Prozent erklären zudem: „Ich verstehe die Finanzwelt immer weniger.“ Dietz: „Banken und Fintech‘s müssen jetzt Aufklärungsarbeit leisten und Vertrauen aufbauen.“

Fazit: Die Digitalisierung ändert einiges in der Finanzwelt. Die Zeit für Bankverkäufer und die klassischen Versicherungsvertreter werden härter. Die einzige Chance für die Assekuranz und Banken liegen neben der digitalen Information der Zielgruppen im analogen Service, der individuellen Bedarfs- und Risikoanalyse, sowie der Ausarbeitung von nachhaltigen persönlichen Lösungen.

Dietmar Braun

Keine „Vogel Strauß-Politik“ beim Verbraucherschutz

Mittwoch, Dezember 18th, 2013

Das Verbraucherschutzministerium ist in der neuen Regierung in das Bundesministerium der Justiz integriert. Die Staatssekretäre dort sind keine Freunde von Assekuranz und Banken. Die Zeit einer „Vogel Strauß-Politik“ im Verbraucherschutz ist vorbei, die Neuen „stecken den Kopf nicht in den Sand“.

Vogel Strauß © Dietmar Braun

Vogel Strauß © Dietmar Braun

2013-12-18 (db) In Sachen Verbraucherschutz in der Branche der Assekuranz, Banken und Finanzdienstleistungen weht in der neuen Bundesregierung „ein neuer Wind“. So wird sich beispielsweise um die Anwendung des § 34f Gewerbeordnung und dem möglichen Ausbau einer Honorarberatung in Zukunft der Bundesminister für Justiz und Verbraucherschutz Heiko Maas (SPD) kümmern. Die Neuordnung, Verbraucherschutz vom Agrarministerium ins Justizministerium zu verlegen, beschleunigt Gesetzesvorlagen, die sich auf die Assekuranz, Banken oder deren Vertriebskanäle auswirken.

Lobby wird Teil der Regierung

Im Thema Verbraucherschutz wird dem Saarländer Maas der bisherige Chef des Verbraucherzentrale Bundesverbands (vzbz) und oberster Repräsentant der Lobby für Verbraucherschützer, Gerd Billen, als beamteter Staatssekretär zur Seite stehen und den Bundesminister in allen Verbraucherfragen unterstützen. Als Parlamentarischer Staatssekretär wurde Ulrich Kelber (SPD) berufen. Diese Personalien sind bedrohlich oder zumindest spannend für die deutsche Assekuranz, Banken und Finanzdienstleister.

Das im Jahr 2013 noch unter Bundesministerin Ilse Aigner beschlossene Honorarberatergesetz ist ein Begriffsschutz und reguliert bis jetzt die Honorarberatung nur für Finanzprodukte und Finanzdienstleistungen, die durch das Wertpapierhandelsgesetz oder das Vermögensanlagegesetz abgedeckt werden. Das sind nach jetzigem Recht die Wertpapiere wie Zertifikate sowie offene und geschlossene Fonds.

Die Regelung für Honorarberater schließt jedoch Versicherungen, Spareinlagen, Bausparverträge und Kredite vom Provisionsverbot aus. Gerd Billen kritisierte noch in der Rolle als oberster Chef der Verbraucherschützer, dass der Gesetzgeber es verpasst habe, „für Transparenz im Provisionsmodell zu sorgen.“ Die Legitimation des Verbraucherschutzes als „Marktwächter“ ist ein Ziel von Billen.

Der neue parlamentarische Staatssekretär Ulrich Kelber ist seit 2005 stellvertretender Vorsitzender der SPD-Bundestagsfraktion und war dort unter anderem Verbraucherschutzthemen verantwortlich. „Die fortschreitende Digitalisierung, global agierende Konzerne und liberalisierte Märkte machen eine massive Stärkung der Verbraucherinnen und Verbraucher nötig“, sagt Kelber zum Antritt seiner neuen Verantwortung. „Ich will dazu beitragen, dass gesunder Menschenverstand und ein Mindestmaß an Grundwissen ausreichen, damit sich Verbraucherinnen und Verbraucher sicher und unbeschwert in der Gesellschaft bewegen können.“

Beratung gegen Honorar oder Provision?

„Wir werden die Einführung der Honorarberatung als Alternative zu einer Beratung auf Provisionsbasis vorantreiben und hohe Anforderungen an die Qualität der Beratung festlegen“, heißt es im Koalitionsvertrag. Die Verbraucherzentralen hatten sich in der Vergangenheit stets für die Honorarberatung als „Alternative zur provisionsbasierten Finanzberatung“ ausgesprochen. Das Beratungsprotokoll und die Dokumentation soll laut Koalitionsvertrag auf seine „praktikable Handhabung überprüft und mit Verbesserungen für Anleger weiterentwickelt“ werden.

Effiziente Finanzaufsicht

Die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) soll die Möglichkeit übertragen werden, den Vertrieb komplexer und intransparenter Finanzprodukte zu beschränken oder zu verbieten. Voraussetzung hierfür wäre, dass diese Angebote die Finanzmarktstabilität gefährden oder unverhältnismäßige Risiken für Anleger bergen. Ab wann die Finanzmarktstabilität als gefährdet gesehen wird oder die Risiken für Anleger unverhältnismäßig hoch sind, werden im Koalitionsvertrag keine Kriterien und Regeln genannt.

Dietmar Braun, Fachjournalist Assekuranz und Banken

Dietmar Braun

Studie: Beratungsprotokoll unterstützt Banken statt Kunden

Mittwoch, Dezember 4th, 2013

2013-12-04 (db) Sechs von zehn Deutschen stellen in einer aktuellen Studie Banken ein schlechtes Zeugnis aus. Die Dokumentation der Bankberatung nütze eher den Banken. Der Mehrwert für die Kunden sei viel zu gering.

Die seit 2010 gesetzlich vorgeschriebene Pflicht zum Beratungsprotokoll hat die Bankberatung nicht verbessert, sagen knapp 60 Prozent der Bundesbürger. 62 Prozent der Befragten befürchten, dass die Geldhäuser jetzt eher Anlagen empfehlen, die kein aufwändiges Protokoll erfordern. 59 Prozent erwarten dass sich Banker gleich ganz aus der Beratung insbesondere von Kleinanlegern zurückziehen, weil der bürokratische Aufwand zu groß ist. So das Ergebnis einer aktuellen Studie der Unternehmensberatung Cofinpro die repräsentativ 1.000 Bundesbürger befragte.

Kleinanleger werden weniger beraten

„Die Bundesbürger spüren, dass die Banken bei ihrer Beratung zurückhaltender geworden sind“, sagt Melanie Purgar, Expertin bei der auf Banken spezialisierten Unternehmensberatung Cofinpro. „Viele Institute haben zudem die Produktauswahl eingeschränkt.“ So empfehlen Banken in erster Linie Standardprodukte aus dem eigenen Haus, das zeigen die Erfahrungen von 83 Prozent der Befragten.
Die Bundesbürger beklagen aber nicht nur den Rückzug der Geldhäuser aus der Beratung. Zwei Drittel haben außerdem das Gefühl, die Institute interessieren sich wenig für ihre Bedürfnisse bei Fragen rund um die Geldanlage.

Kunden wünschen mehr Service

„Dabei bietet gerade das Beratungsprotokoll den Banken immense Chancen, die Wünsche und Besonderheiten des Kunden herauszufinden. Es liefert damit sehr wertvolle Informationen für ihr Geschäft – diesen Vorteil sollten die Institute nutzen, um trotz des bürokratischen Aufwands einen klaren Mehrwert für ihre Kunden zu schaffen“, stellt Purgar fest.
Die Bundesbürger jedenfalls würden es begrüßen, wenn die Banken die Beratungsprotokolle (§ 34 WpHG) gezielt auswerten: 75 Prozent der Befragten wünschen sich ausdrücklich, dass die Geldhäuser die Informationen nutzen, um ihnen künftig passgenaue Angebote zu unterbreiten.
Auch im Hinblick auf die voraussichtlich ab 2015 hinzukommenden, zahlreichen neuen Vorschriften im Rahmen von MiFID II empfiehlt Purgar den Banken, nicht nur die Belastungen im Blick zu haben. „Es gilt zwar erneut, ein großes Paket an Richtlinien umzusetzen, die sich auf verschiedene Bereiche – auch über den Anlegerschutz hinaus – in der Bank auswirken. Doch der Handlungsbedarf ist dort besonders groß, wo die direkte
Kundenwahrnehmung betroffen ist.“

Standardbriefe prägen die Kundenbetreuung

Die Verpflichtung zur regelmäßigen Information der Anleger über die Entwicklung Ihrer Anlagen könne die Kundenbindung nachhaltig stärken. Statt unpersönliche Standardbenachrichtigungen zur Entwicklung der Vermögensanlagen zu verschicken sollten die Banken dabei auf die individuellen Wünsche ihrer Kunden eingehen. Aus Sicht der Bundesbürger ist dieser Beratungsfolgeprozess überfällig: 74 Prozent bemängeln, dass die Banken bisher nach der Beratung zu wenig Zeit investieren, um fortlaufend die Geldanlagen ihrer Kunden im Blick zu behalten.

Dietmar Braun

Finanztest kassiert ab

Mittwoch, August 21st, 2013

Seit dem 1. Juli 2013 kostet die Verwendung der Finanztest-Testsiegel statt 500 Euro bis zu 15.000 Euro. Die offizielle Begründung lautet, man möchte unlautere Werbung auszuschließen. Zweifel an der Unabhängigkeit der Stiftung sind angebracht.

2013-08-21 (db) Ursprünglich sollte „Finanztest“ als Ableger der Stiftung Warentest neutral und ohne kommerzielle Absichten arbeiten. Das hat sich bereits seit der Jahresmitte, wie beim „Mutterkonzern“ Stiftung Wartentest, radikal verändert. Die Stiftung Warentest zockt mit ihren Gebühren schon seit langem ahnungslose Geringverdiener, Rentner und Ratsuchende ab. Fast zwei Euro pro Minute Telefonat oder schnell einmal einige hundert Euro für eine Beratung ohne Haftung sind dort schon lange die Regel. Nicht ohne Eigeninteresse hat sich der Verband der Verbraucherzentralen für die Honorarberatung politisch stark gemacht, die Organisation betreibt selbst dieses Geschäftsmodell. Beraten ohne Sachkundenachweis, ohne Verkauf und vor allem ohne Haftung. Jetzt zieht Finanztest nach. Dort werden professionelle Konzerne die Versicherungen oder Bankprodukte anbieten jetzt abkassiert.

Bis 15.000 Euro für Finanztest-Werbung

Früher bezahlten Unternehmen für die Werbung mit einem Finanztest-Siegel noch pauschal 500 Euro. Inzwischen erhebt die Stiftung je nach Werbereichweite laut Spiegel-Online bis zu 15.000 Euro pro Jahr und Siegel. Auch soll sich ein Siegel künftig nur noch auf ein konkretes Produkt beziehen. Viele Unternehmen hätten Produkt-Siegel früher oft auf eine „komplette Serie“ von Produkten übertragen. Nun lässt die Stiftung die Lizenzen für ihre Prüfsiegel vom gemeinnützigen RAL-Institut kontrollieren und vergeben, verbunden mit einer Lizenznummer.

Kommerzieller Hinzuverdienst trotz Staatsförderung

Die Stiftung Warentest erhält jährlich 3,5 Millionen Euro vom Bundesverbraucherministerium (BMELV), damit sie unabhängig handeln könne. Dafür darf sie keine Werbung machen, auch nicht indirekt. Der Verkauf und Vertrieb der Testlogos von Finanztest ist nicht nur für die Produktanbieter interessant, sondern auch für die Stiftung Warentest selbst. Die hohen Gebühreneinnahmen sind hier der Grund.

Versicherer und Banken finanzieren, was sie kritisieren

Erstaunlich ist dass die Assekuranz und Banken hier pro Produkt bis zu 15.000 Euro pro Jahr investieren. Bei manchen Konzernen kommen da schnell eine jährliche Lizenzgebühren vom einer halben Million Euro bis zu mehreren Millionen Euro zusammen um mit dem Finanztest-Siegel werben zu können. In einer Zeit, wo vor allem unabhängige Vermittler und Versichermakler an der Seriosität und Kompetenz von Finanztest zweifeln, sollten die Verantwortlichen der Konzerne gut überlegen, ob sie den Kommerz der Stiftung Warentest weiter finanzieren sollen und wollen.

Umgekehrt ist zu vermuten, dass die „Verbraucherschützer“ ihre Testverfahren in Zukunft schon so anlegen, dass vor allem die Unternehmen mit ihren Angeboten gut bis sehr gut getestet werden, wo viele Millionen Euro an Werbeeinnahmen mit dem Finanztest-Siegel winken.

Dietmar Braun, Fachjournalist Assekuranz und Banken

Eurokrise über Sparer lösbar

Montag, Mai 27th, 2013

Der Abbau der europäischen Staatsschulden über niedrigen Zinsen fressen die Sparvermögen den meisten Euro-Ländern auf – weil diese deutlich unter der Inflationsrate liegen. Allein in Deutschland verlieren Sparer nach neuesten Berechnungen mehr als zehn Milliarden Euro pro Jahr.

2013-05-27 (db) Vorsorgesparer und Inhaber von Geldvermögen verlieren aktuell global mehr als hundert Milliarden Euro pro Jahr, weil die Zinsen in vielen Ländern unter der Inflationsrate liegen. Das geht nach einem Bericht der Sonntagsteitung der Frankfurter Allgemeinen Zeitung (F.A.Z) aus Berechnungen der DekaBank und des Instituts der Deutschen Wirtschaft (IW) hervor.

Die Verluste für Sparer nach Abzug der Inflation (negativer Realzins) haben ihre Ursache vor allem in der Niedrigzinspolitik der Notenbanken und im Zuge der politischen Euro-Rettung. Zugleich strömt viel Vermögen der Sparer in diejenigen Staaten der Welt, die noch als sicher gelten. Das lasse die Zinsen für Geldanlagen in diesen Ländern zusätzlich sinken. 23 Länder seien derzeit von negativen Realzinsen betroffen, berichtet das IW unter Berufung auf die aktuelle Statistik der Weltbank.

Deutsche Sparer verlieren jährlich über 14 Milliarden Euro

Für Deutschland veranschlagt die Dekabank laut dem Medienbericht der F.A.Z die Einbußen der Sparer durch negative Realzinsen allein bei Tagesgeld, Girokonten und Ersparnissen, die in bar gehalten werden, auf 14,3 Milliarden Euro oder 14.300 Millionen Euro im Jahr. Das seien etwa 0,5 Prozent des deutschen Bruttoinlandsprodukts, wird Ulrich Kater, Chefvolkswirt der Frankfurter Dekabank, in dem Bericht der F.A.Z zitiert.

Haftung bei fehlendem Leumund

Mittwoch, Mai 15th, 2013

Vertriebsunternehmen und Maklerpools müssen von allen angeschlossenen Vermittlern ein polizeiliches Führungszeugnis einholen. Unterbleibt diese Überprüfung müssen nach einem Grundsatzurteil die Unternehmen für die Vermittler haften.

2013-05-15 (db) Die GPC Law Rechtsanwaltsgesellschaft mbH kommentiert in einer aktuellen Meldung ein Grundsatzurteil das den Vertrieb von Dienstleistungen der Assekuranz und Banken betrifft. Die GPC Law ist eine auf Finanzdienstleistung spezialisierte Anwaltskanzlei inmitten der deutschen Hauptstadt Berlin.

Der Bundesgerichtshof (BGH) hat in einer aktuellen Entscheidung (Urteil vom 14. März 2013 – III ZR 296/11) die Haftung eines Vertriebsunternehmens für die betrügerischen Eigengeschäfte eines vorbestraften Handelsvertreters bejaht.

Wenn Vertriebe selbständige Handelsvertreter anbinden stellt sich die Frage, inwieweit sie für deren Handeln haftbar gemacht werden können und woraus sich eine solche Haftung ergeben kann. Entscheidend ist dabei die Außendarstellung. Eine Haftung für angeschlossene Handelsvertreter kann entstehen, wenn diesen Werbemittel, insbesondere Briefpapier und Visitenkarten mit dem Logo des Vertriebsunternehmens zur Verfügung gestellt werden. Gleiches gilt, wenn im Einverständnis mit dem Vertriebsunternehmen ein Geschäftslokal, durch Beschilderungen, beworben wird.

Bisher war anerkannt, dass bereits durch die Anbahnung eines Vertrages ein Schuldverhältnis entstehen kann, das ein Unternehmen zur Rücksicht auf die Rechte, Rechtsgüter und Interessen des Kunden verpflichtet. Hierfür ist es beispielsweise ausreichend, wenn ein potenzieller Kunde zur Anbahnung eines Vertrages das Geschäftslokal eines Unternehmens aufsucht.

Begründet die Tätigkeit eines Unternehmens typischerweise erhöhte Gefahren für die Rechtsgüter seiner Kunden können sich hieraus Pflichten bei der Auswahl der Personen ergeben, die von diesem mit der Wahrnehmung von Aufgaben gegenüber den Kunden betraut werden. Die Anlagevermittlung und -beratung, so der BGH, beinhalte für die Vermögen der Anleger eine erhöhte Gefahr. Die Anleger seien daher auf die Seriosität der Beratung und die persönliche Zuverlässigkeit des Beraters bzw. Vermittlers angewiesen.

Dem Wertpapierhandelsgesetz (WpHG) entnimmt das Gericht die Wertung, dass ein Unternehmen einen Mitarbeiter nur dann mit der Anlageberatung betrauen darf, wenn dieser sachkundig ist und die für die Tätigkeit erforderliche Zuverlässigkeit besitzt. Diese fehlt in der Regel bei einer einschlägigen Vorstrafe mit inhaltlicher Nähe zur Anlageberatung, wie zum Beispiel Betrug (§ 34d Abs. 1 Satz 1 WpHG).

Einem Vertriebsunternehmen obliege daher zum Schutz der Rechtsgüter ihrer Kunden die Pflicht, Erkundigungen zu einschlägigen Vorstrafen ihres Handelsvertreters durch Vorlage eines polizeilichen Führungszeugnisses einzuholen. Ergeben sich aus dem polizeilichen Führungszeugnis einschlägige Vorstrafen oder verweigert der Handelsvertreter die Vorlage, so dürfe der Handelsvertreter nach Ansicht der Bundesrichter nicht mit der Anlagevermittlung und -beratung betraut werden.

Grundsätzlich verpflichtet der Verstoß gegen eine Rechtspflicht aber nur zum Ersatz der Schäden, deren Eintritt die Einhaltung der Pflicht verhindern sollte. Die Kunden sollen nicht vor allen Schäden bewahrt werden, die ihnen durch die ausgewählte Person zugefügt werden können. Beim Vertrieb von Kapitalanlagen erstrecken sich die Schutzpflichten daher nur auf die „anzubahnenden“ Produktverträge und die Tätigkeit der beauftragten Handelsvertreter bei der Anbahnung dieser Verträge.

Dietmar Braun, Fachjournalist Assekuranz und Banken

Link: BGH, Urteil vom 14. März 2013 – III ZR 296/11