Posts Tagged ‘Vertrieb’

Debeka versus Handelsblatt

Dienstag, Dezember 17th, 2013

Der Debeka Versicherungsverein auf Gegenseitigkeit (Debeka) kann die für sein Vertriebsmodell kritischen Medienberichte mit einstweiligen Verfügungen stoppen. Das wird allerdings auf Dauer nicht so einfach sein, da die traditionell als „Vertrauensfrauen“ und „Vertrauensmänner“ bezeichneten Vertriebskontakte, unter den öffentlich Bediensteten und Beamten, vielleicht nicht nur „Tippgeber“ sind und waren.

2013-12-17 (db) Der Gesetzgeber spricht klar von Vermittlern und Vermittlung „beim Hinwirken auf einen Versicherungsabschluss“. Nebenberufliche Empfehlungsgeber sind gleichfalls Vermittler „wenn diese auf den Abschluss einer Versicherung hinwirken“. Die Signal-Iduna, die Württembergische Gemeindeversicherung (WGV) und viele andere Versicherer mit „Tippgebern“ und „Vertrauensleuten“ werden die weitere Entwicklung gespannt beobachten.

Zur Sache teilte die Debeka heute mit:

Die Debeka hat am 13. Dezember 2013 vor dem Landgericht Hamburg eine einstweilige Verfügung gegen das Handelsblatt erwirkt. Diese Verfü¬gung untersagt dem Handelsblatt sinngemäß die Erweckung des Ein¬drucks die Debeka unterhalte ein „geheimes System von Zuträgern“ in der Beamtenschaft. Darüber hinaus darf die Zeitung nicht mehr den Eindruck erwecken, die Debeka zahle im Vorfeld eines Vertragsabschlusses für ei¬nen „bloßen Tipp“ 50 Euro.

Zudem darf das Handelsblatt nicht weiter ver¬breiten, die Tippgeber würden von der Debeka zu einer vom rheinland-pfäl¬zischen Ministerium abgemahnten Gewinnerzielung „angestachelt“. Das Blatt darf ferner nicht mehr verbreiten, das hessische Innenministerium habe die mit Provisionen honorierten Tätigkeiten der Beamten als „Tippge¬ber“ am 20. Dezember 2010 in einem Erlass als „illegal“ bezeichnet.

In der Berichterstattung des Handelsblatts wurde einzelnen Mitarbeitern vorgeworfen, illegal mit Adressen gehandelt zu haben. Dadurch geriet die Debeka in die Kritik. Aufgrund einer unzutreffenden Vermischung von Sachverhalten wurde im Zuge dessen auch die legale und seit Jahrzehnten bekannte Vertriebsunterstützung durch nebenberuflich tätige „Empfehlungs¬geber“, so genannte „Tippgeber“, fälschlicher Weise skandalisiert.

Richtig ist:

Bei „Tippgebern“ handelt es sich um aktive Vereinsmitglieder der Debeka,

die ausschließlich dann eine Provision erhalten,

wenn die von ihnen emp¬fohlenen Interessenten einen Versicherungsvertrag abschließen.

Diese Vergütung ist ein steuerpflichtiges Nebeneinkommen.

Die Tippgeber han¬deln offen und transparent. Sie dürfen aufgrund gesetzlicher Vorschriften selbst keine Verträge mit Interessenten abschließen und müssen dabei datenschutzrechtliche Vorgaben einhalten, auf die sie von der Debeka vor Aufnahme ihrer Tätigkeit umfassend hingewiesen werden.

Kommentar (Anm. des Autors):
Entscheidend ist nicht, wer den Abschluss vornimmt, sondern vor allem, wer auf diesen hinwirkt. Eine Provision ist definiert, als eine Vergütung für die Akquisition, Beratung und den Abschluss.

Informationsportal oder Vermittler?

Montag, Dezember 9th, 2013

2013-12-09 (db) Welche Rolle übernehmen Internetriesen wie Amazon, Apple oder Google künftig in der Finanzwelt? Vieles weist darauf hin dass diese mehr lukrative Aufgaben als Finanzdienstleister an sich ziehen wollen.

Experimente und Patentanmeldungen wie „Google Wallet“, das „Payment-System“ von Amazon oder das „Ad-hoc-Cash-Dispensing-Network“ von Apple scheinen zu bestätigen, dass hier mächtige Konkurrenz in Form neuer Vertriebswege antreten könnte.

Zu diesen Projekten zählten auch die Vergleichsportale für Versicherungen, welche Google in mehreren Ländern bereits erfolgreich lancierte – so zuerst in den USA und in Großbritannien.

Frankreich-Start von Google ist vorerst beendet

Allerdings gab der Internet-Gigant Google aktuell sein Versicherungs-Vergleichsportal in Frankreich schon wieder auf – nach nur drei Monaten. Google startete in Frankreich im Sommer 2013 mit einem Vergleich für Autoversicherungen. Völlig überraschend ist damit nun Schluss. Google habe bereits Ende Oktober 2013 die Zusammenarbeit mit den teilnehmenden Versicherungen beendet. Das Vergleichs-Portal hat seine Pforten geschlossen, berichtete das französische Versicherungsportal „l’argus de l’assurance“ bereits Anfang November 2013.

Wirft man einen Blick auf das französische Vergleichsportal, dann erfährt der Nutzer dort, dass der Vergleichsdienst vorübergehend nicht verfügbar sei. „Wir haben unseren KFZ-Versicherungsvergleich vorübergehend ausgesetzt“, steht dort. Auf Mediennachfrage nennt Google „strategische Gründe“. Der Konzern wolle sich zunächst auf den angelsächsischen Markt konzentrieren.

Deutschland-Start von Google ist verschoben

In Deutschland hätte ein solches Preisvergleichs-Internetportal für Autoversicherungen bereits im September 2013 starten sollen. Hier scheint die Sache für den Internet-Gigant sehr komplex zu sein. Google wolle den Start seines Vergleichsportals „Compare“ auf 2014 verschieben, heißt es aus Versicherungskreisen. Allerdings ist auch bekannt, dass Google mit dem Allianz-Konzern Gespräche geführt hat. Dessen Vorstandschef beruhigte in den Medien mit den Worten: „Es ist normal, dass sich Marktführer unterhalten.“

Fazit: Eine wichtige Rolle als Informationsportal und Plattform für Kundenerfahrungen und deren Bewertungen haben die Marktführer im Internet bereits heute. Viele Nutzer informieren sich über die Angebote von der Assekuranz und Banken auch im Internet. Bei der individuellen Beratung, dem Verkauf, der Haftung und im Service „menschelt“ es aber gewaltig. Hier dominiert noch das Gespräch von Mensch zu Mensch über dem Monolog zwischen Mensch und Maschine.

Dietmar Braun

Übergangsregelung für Vermittler endet diesen Monat

Dienstag, Juni 18th, 2013

2013-06-18 (db) Am 01. Juli 2013 läuft die Übergangsfrist zur Beantragung der § 34f GewO-Lizenz ab.

Für Inhaber der bisherigen Erlaubnis nach § 34c bedeutet dies, dass für die Vermittlung von Vermögensanlagen und Investmentfonds bis einschließlich zum 30. Juni 2013 die Erlaubnis nach § 34f GewO beantragt werden muss.

Bei Nicht-Einhaltung dieser Übergangsfrist, erlischt ein wesentlicher Teil der Erlaubnis nach § 34c Absatz 1 Nr.2 GewO. Diese Vermittler werden dann ab dem 01. Juli 2013 in den unter 34f GewO definierten Bereichen ohne Erlaubnis tätig. Die Vermittlungstätigkeit ohne Erlaubnis stellt eine Ordnungswidrigkeit dar, die mit einem Bußgeld von bis zu 50.000 Euro bewehrt wird.

Haftung bei fehlendem Leumund

Mittwoch, Mai 15th, 2013

Vertriebsunternehmen und Maklerpools müssen von allen angeschlossenen Vermittlern ein polizeiliches Führungszeugnis einholen. Unterbleibt diese Überprüfung müssen nach einem Grundsatzurteil die Unternehmen für die Vermittler haften.

2013-05-15 (db) Die GPC Law Rechtsanwaltsgesellschaft mbH kommentiert in einer aktuellen Meldung ein Grundsatzurteil das den Vertrieb von Dienstleistungen der Assekuranz und Banken betrifft. Die GPC Law ist eine auf Finanzdienstleistung spezialisierte Anwaltskanzlei inmitten der deutschen Hauptstadt Berlin.

Der Bundesgerichtshof (BGH) hat in einer aktuellen Entscheidung (Urteil vom 14. März 2013 – III ZR 296/11) die Haftung eines Vertriebsunternehmens für die betrügerischen Eigengeschäfte eines vorbestraften Handelsvertreters bejaht.

Wenn Vertriebe selbständige Handelsvertreter anbinden stellt sich die Frage, inwieweit sie für deren Handeln haftbar gemacht werden können und woraus sich eine solche Haftung ergeben kann. Entscheidend ist dabei die Außendarstellung. Eine Haftung für angeschlossene Handelsvertreter kann entstehen, wenn diesen Werbemittel, insbesondere Briefpapier und Visitenkarten mit dem Logo des Vertriebsunternehmens zur Verfügung gestellt werden. Gleiches gilt, wenn im Einverständnis mit dem Vertriebsunternehmen ein Geschäftslokal, durch Beschilderungen, beworben wird.

Bisher war anerkannt, dass bereits durch die Anbahnung eines Vertrages ein Schuldverhältnis entstehen kann, das ein Unternehmen zur Rücksicht auf die Rechte, Rechtsgüter und Interessen des Kunden verpflichtet. Hierfür ist es beispielsweise ausreichend, wenn ein potenzieller Kunde zur Anbahnung eines Vertrages das Geschäftslokal eines Unternehmens aufsucht.

Begründet die Tätigkeit eines Unternehmens typischerweise erhöhte Gefahren für die Rechtsgüter seiner Kunden können sich hieraus Pflichten bei der Auswahl der Personen ergeben, die von diesem mit der Wahrnehmung von Aufgaben gegenüber den Kunden betraut werden. Die Anlagevermittlung und -beratung, so der BGH, beinhalte für die Vermögen der Anleger eine erhöhte Gefahr. Die Anleger seien daher auf die Seriosität der Beratung und die persönliche Zuverlässigkeit des Beraters bzw. Vermittlers angewiesen.

Dem Wertpapierhandelsgesetz (WpHG) entnimmt das Gericht die Wertung, dass ein Unternehmen einen Mitarbeiter nur dann mit der Anlageberatung betrauen darf, wenn dieser sachkundig ist und die für die Tätigkeit erforderliche Zuverlässigkeit besitzt. Diese fehlt in der Regel bei einer einschlägigen Vorstrafe mit inhaltlicher Nähe zur Anlageberatung, wie zum Beispiel Betrug (§ 34d Abs. 1 Satz 1 WpHG).

Einem Vertriebsunternehmen obliege daher zum Schutz der Rechtsgüter ihrer Kunden die Pflicht, Erkundigungen zu einschlägigen Vorstrafen ihres Handelsvertreters durch Vorlage eines polizeilichen Führungszeugnisses einzuholen. Ergeben sich aus dem polizeilichen Führungszeugnis einschlägige Vorstrafen oder verweigert der Handelsvertreter die Vorlage, so dürfe der Handelsvertreter nach Ansicht der Bundesrichter nicht mit der Anlagevermittlung und -beratung betraut werden.

Grundsätzlich verpflichtet der Verstoß gegen eine Rechtspflicht aber nur zum Ersatz der Schäden, deren Eintritt die Einhaltung der Pflicht verhindern sollte. Die Kunden sollen nicht vor allen Schäden bewahrt werden, die ihnen durch die ausgewählte Person zugefügt werden können. Beim Vertrieb von Kapitalanlagen erstrecken sich die Schutzpflichten daher nur auf die „anzubahnenden“ Produktverträge und die Tätigkeit der beauftragten Handelsvertreter bei der Anbahnung dieser Verträge.

Dietmar Braun, Fachjournalist Assekuranz und Banken

Link: BGH, Urteil vom 14. März 2013 – III ZR 296/11

ARAG SE expandiert in Skandinavien

Montag, Mai 13th, 2013

Die ARAG expandiert in Norwegen und Schweden. Der Vertrieb im skandinavischen Markt läuft vor allem über Kooperationen mit den Gewerkschaften.

2013-05-13 (db) Die ARAG SE meldet die Übernahme der Anteilsmehrheit an der norwegischen HELP Forsikring AS in Höhe von 44,8 Prozent erhöht die ARAG zunächst auf über 90 Prozent und strebt die vollständige Übernahme der Gesellschaft bis Ende 2013 an. Das Düsseldorfer Familienunternehmen stärkt so seine Ausgangsposition für eine weitere Erschließung des skandinavischen Marktes.

„Als echter Rechtsschutzpionier in Nordeuropa beeindruckt HELP mit Unternehmergeist, nachhaltigem Wachstum und einer hoch motivierten Mannschaft“, erläutert Dr. Paul-Otto Faßbender, Vorsitzender des Vorstandes der ARAG SE den Zukauf. „Wir wissen um das große Potenzial der skandinavischen Märkte und wollen es uns mit unserer starken, internationalen Marke erschließen. HELP ist unser Türöffner in dieser attraktiven Region. Damit setzt die ARAG SE ihre erfolgreiche Internationalisierungsstrategie weiter konsequent fort.“

2005 wurde HELP Forsikring in Oslo als Start-up gegründet. Mit über 100 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern erwirtschaftete das Unternehmen 2012 Bruttobeitragseinnahmen in Höhe von 25 Millionen Euro (184 Millionen NOK). Der Schwerpunkt des Geschäfts liegt im Privatrechtsschutz. Seine Produkte vertreibt der bis heute einzige spezialisierte Rechtsschutzanbieter in Skandinavien unter anderem über mit Gewerkschaften abgeschlossene Gruppenverträge. Mitglieder der mit HELP kooperierenden Organisationen profitieren von maßgeschneiderten Rechtsschutzpolicen, die beispielsweise die Bereiche Verbraucherschutz, Familien- und Erbrecht, Identitätsdiebstahl oder Fragen rund um Immobilien absichern. Insbesondere im Zusammenhang mit dem Kauf oder Verkauf von Immobilien ist Rechtsschutz in Norwegen besonders gefragt.

„In Norwegen und Schweden besetzten wir seit unserer Gründung sehr erfolgreich eine Marktnische: Vor dem Start von HELP war Rechtsschutz in Norwegen weitgehend unbekannt. In den Bereichen Arbeitsrecht, Ehe-, Familien- und Unterhaltssachen fehlte ein leistungsfähiger Rechtsschutz völlig“, erläutert Johan Dolven, CEO der HELP Forsikring AS. „Als skandinavischer Rechtsschutzpionier haben wir mit der ARAG einen erfahrenen Partner an unserer Seite, mit dem wir unseren starken Wachstumskurs weiter fortsetzen werden“, so Johan Dolven.

Wie im norwegischen Heimatmarkt ist HELP seit Mai 2012 in Schweden ebenfalls als Marktpionier tätig und bietet auch hier Gruppenverträge für Gewerkschaftsmitglieder an.

Der ARAG Konzern erwirbt die Anteile von einer Investorengruppe. Zu den Verkäufern zählen unter anderem die Ferd Capital sowie die Storebrand Livsforsikring, die seit Gründung 2005 an HELP Forsikring beteiligt sind. Der Erwerb steht unter dem Vorbehalt noch ausstehender aufsichtsrechtlicher Genehmigungen.

Dietmar Braun, Fachjournalist Assekuranz und Banken

Die ARAG SE ist das größte Familienunternehmen in der deutschen Assekuranz. Die ARAG versteht sich als vielseitiger Qualitätsversicherer. Neben ihrem Schwerpunkt im Rechtsschutzgeschäft bietet sie ihren Kunden Lösungen und Service aus einer Hand auch über Tochterunternehmen im deutschen Komposit-, Kranken- und Lebensversicherungsgeschäft sowie die internationalen Niederlassungen, Gesellschaften und Beteiligungen in 13 weiteren europäischen Ländern und den USA – viele davon auf führenden Positionen in ihrem jeweiligen Rechtsschutzmarkt. Mit 3.500 Mitarbeitern erwirtschaftet der Konzern ein Umsatz- und Beitragsvolumen von mehr als 1,5 Milliarden Euro.

Die 2005 gegründete HELP Forsikring AS ist Norwegens führender Anbieter für Familienrechtsschutz sowie für speziell auf Hauskäufer zugeschnittene Rechtsschutzprodukte. Das Unternehmen baut seine Marktposition kontinuierlich aus und zählt gegenwärtig 30 Prozent der norwegischen Hauskäufer zu seinen Kunden und bietet darüber hinaus den Mitgliedern von acht Gewerkschaften in Norwegen sowie Schweden Rechtsschutzleistungen an. Mit mehr als 100 Mitarbeitern generiert das Unternehmen Bruttobeitragseinnahmen in Höhe von 25 Millionen Euro.