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Aufmerksamkeit für die Finanzwelt

Donnerstag, Juli 13th, 2017

Die Generation Global denkt anders /Foto: © db Media Dietmar Braun


(db finanzwelt 2017-07-13) Der Megatrend Globalisierung ist unaufhaltsam und unumkehrbar. Das hat die heutige Generation Global bereits verinnerlicht. Eine Generation, die sich durch eine neue Haltung auszeichnet und bereits 4,4 Millionen Menschen in Deutschland umfasst.

Die Forscher für Trends und Zukunft Lena Papasabbas und Tristan Horx geben im neuen Trend Report der Zukunftsinstitut GmbH von Matthias Horx und Team einen Einblick, wie diese Generation auf die Welt schaut und sich eine neue Globalität mit Lokalität etabliert.

Darüber haben die Experten mit dem jüngsten Außenminister der Welt, Sebastian Kurz, und dem Philosophen Richard David Precht gesprochen.

Unser Blick auf die Welt sei von Krisen und Angst geblendet. Als populäre Sündenböcke dienen die Globalisierung und die Chancenverteilung zwischen Arm und Reich, als eine Folge weltweit wirkender Konzentration von Macht und Einfluss.

„Wenn man die Fakten betrachtet, ist Globalisierung jedoch mehr Frohbotschaft als Drohbotschaft. Die Welt, die immer mehr zusammenrückt, wird besser – zwar langsam, aber stetig besser. Es ist daher dringend notwendig, unser Bild und den Diskurs über Globalisierung neu auszurichten“, erklärt Harry Gatterer, Geschäftsführer des Zukunftsinstituts, die Beweggründe für den neuen Trend Report. Die Publikation versteht sich als Wegbereiter eines neuen, fairen Diskurses zur Globalisierung.
Erkenne die Generation Global

Der Report des Zukunftsinstituts eröffnet einen reflektierten Einblick in die gedankliche Welt der Generation Global. Einer Gruppe junger Menschen zwischen 18 und 35 Jahren, die heute schon mehr von der Welt gesehen hat, als ihre Großeltern in ihrem ganzen Leben. Eine junge und offene Generation, die sich der Welt zugehörig fühlt, und nicht Nationen.

„Bereits jeder vierte Deutsche in dieser Altersgruppe gehört zur Generation Global. Der große Unterschied zu all den anderen Generationen davor ist, dass sie weltweit vernetzt ist“, sagt Lena Papasabbas.

Die junge Nachwuchsgeneration sei gekennzeichnet durch ein völlig neues Selbstverständnis von Weltbürgertum, Nachhaltigkeit und Postmaterialismus.

„Sie entwickelt ein neues Verständnis vom unmittelbaren Einfluss ins lokale wirtschaftliche und gesellschaftliche Geschehen. Damit sorgt sie für die Revitalisierung der ‚Denke global, handle lokal‘-Idee“, so die Expertin Papasabbas.

Zur besseren Einordnung der Wertvorstellungen hat das Autorenteam ein „Manifest der Generation Global“ verfasst und mit Global Leaders gesprochen, die eine Vorbildrolle unter den neuen Kosmopoliten einnehmen.

Eine Anti-These zum jetzigen System
Globalisierung bedeutet Wechselwirkung, Vernetzung, Diversifizierung. Aber auch gleichzeitig Homogenisierung und Standardisierung.

„Diese Prozesse sind unaufhaltsam. Die sozialen, kulturellen oder ökonomischen Aspekte der Globalisierung sind nicht rückgängig zu machen. Selbst Globalisierungsgegner organisieren sich in eben den globalisierten Strukturen, gegen die sie ankämpfen“, warnt Tristan Horx.

Insbesondere im politischen Feld wird diese Entwicklung durch den verstärkten Einfluss der Generation Global deutlich sichtbar. Die großen Herausforderungen unserer Zeit, seien sie digitaler, ökonomischer oder ökologischer Natur, haben die Kompetenzen einzelner Staaten längst überschritten.

„Das bedeutet nicht, dass lokale Politik unwichtig wird, aber es braucht eine Synthese aus Global und Lokal, um diese Herausforderungen zu bewältigen. Lokale Politik muss global gedacht werden“, so Horx.

Am Beispiel von Bewegungen wie dem ‚Globales Parlament der Bürgermeister‘, wo sich lokale Bürgermeister in großen weltweiten Netzwerken zusammenschließen, um pragmatisch agieren und voneinander lernen zu können, werden diese Umbrüche sichtbar.

Fazit: Es lohnt sich die Studie zu lesen. Nicht nur für Risiko-Manager und Sicherheits-Strategen, sondern für die Menschen, die sich eine Wertschätzung für Natur und Menschen wünschen.

Dietmar Braun (db finanzwelt)

Mega-Trends und Innovations-Bremsen

Freitag, Juni 17th, 2016

Die Erforschung der Trends in der Wirtschaft ist keine leichte Aufgabe. Die Ergebnisse sind zumeist Leuchttürme in rauer See, wo die Ufer der Entwicklung von Wirtschaft und Gesellschaft liegen.

Trends in der deutschen Wirtschaft

Mega-Trends und Orientierung © eugenesergeev – Fotolia.com

2016-06-17 (db finanzwelt) Das größte deutsche Zukunftsforschungsinstitut „2b AHEAD Think Tank“ hat auf dem 15. Zukunftskongresses in Wolfsburg aktuell die neusten Ergebnisse der Studie „DEUTSCHER TRENDINDEX“ zum Trendklima in der deutschen Wirtschaft vorgestellt.

Nach der aktuellen Studie hat sich das Trendklima in der deutschen Wirtschaft in den vergangenen sechs Monaten signifikant verbessert. In der Studie erreicht das aktuelle Trendklima einen Wert von 144, nach 127 vor einem halben Jahr. Der Trend Index kann einen Wert zwischen 0 und 200 annehmen. Ein Trend Index von 100 würde ein gleich bleibendes Trendklima anzeigen. Werte über 100 signalisieren eine zunehmende Trendorientierung.

Der Director Studies & Analysis des 2b AHEAD Think Tanks, Michael Carl, untermauerte diese positive Entwicklung mit belastbaren Zahlen. Das eingesetzte Innovations-Budget als auch die Zahl der beschäftigten Innovationsmitarbeitern und bei der Nutzung externer Innovationsdienstleister werden in den befragten Unternehmen aktuell über 10 Prozent mehr Ressourcen für Innovation eingesetzt als noch sechs Monate zuvor. Für die kommenden 6 Monate ist die Stimmung ähnlich positiv. Hier wird eine Ausweitung der Beauftragung an externen Innovationsdienstleistern erwartet.

Die wichtigsten Trends und Handlungsoptionen

Die Einrichtung eines Multi-Channel-Managements für den Kundendialog (67 Prozent)

Maßnahmen als Reaktion auf den demografischen Wandel (66 Prozent)

Die Entwicklung adaptiver Produkte und Lösungen (64 Prozent)

Allerdings halten die Innovations-Chefs diese Trends für unterschiedlich dringend.

Während aktuell und im Rest des Jahres 2016 vor allem konkreten Maßnahmen in der Systematischen Trendbeobachtung durch Trend-Scouting und Trendradare (32 Prozent) sowie die Einrichtung und Pflege unternehmensinterner, sozialer Netzwerke (31 Prozent) umgesetzt werden, verlagern sich die konkret geplanten Maßnahmen in den kommenden zwei Jahren auf:

Maßnahmen gegen den demografischen Wandel (48 Prozent)

Multi-Channel-Management (46 Prozent)

Big Data Analysen zum besseren Kundenverständnis (43 Prozent)

Als weniger dringlich werden konkrete Technologien bewertet. So erreichen nach Meinung der befragten Innovationschefs die Technologien wie der 3D-Druck, Virtual und Augmented Reality sowie das teilautonome Fahren erst in fünf Jahren eine signifikante Bedeutung.

Optimismus für eigenes Unternehmen – Pessimismus für Gesellschaft
Ein auffälliges Phänomen unter Deutschlands Innovationschefs ist der Optimismus für den eigenen Verantwortungsbereich bei gleichzeitigem Pessimismus für die Gesamtwirtschaft.

So beurteilen 81 Prozent der Befragten das Innovationsklima im eigenen Unternehmen als positiv oder sehr positiv.

Unter den gleichen Befragten halten aber nur 48 Prozent auch das Innovationsklima in der Gesamtwirtschaft für positiv oder sehr positiv.

TOP 3 der Innovations-Bremsen sind: Angst, Macht und Glauben

Die Dauerstudie DEUTSCHER TRENDINDEX hat im vergangenen Halbjahr erstmals auch die Innovations-Bremsen in der deutschen Wirtschaft untersucht. 52 Prozent der Befragten halten ANGST für die stärkste Innovations-Bremse. Die TOP3 der wichtigsten Innovations-Bremsen in der Wirtschaft sind demnach …

Angst (52 Prozent)
Mehr als ein Drittel der befragten Innovationschefs (35 Prozent) geben sogar zu, dass sie selbst schon einmal eine Innovation aus Angst verhindert hätten. Wohlgemerkt: Dies sind keine der üblichen Bedenkenträger, sondern diejenigen Führungspersonen, die das Unternehmen angestellt hat, um Innovation zu befördern.

Machtstreben (37 Prozent)
Mehr als die Hälfte (54 Prozent) der Mitarbeiter deutscher Unternehmen befürchten einen Machtverlust durch die Umsetzung von Innovationsprojekten. Hingegen erwarten nur 40 Prozent einen Machtgewinn durch die Umsetzung von Innovationsprojekten. Und selbst unter den Vorständen erhoffen nur 41 Prozent einen Machtgewinn durch Innovationen. Nur zehn Prozent der Befragten geben an, dass in ihrem Unternehmen die Mehrheit der Innovationsideen die Hürde MACHT überwindet. Das bedeutet: In 90 Prozent der Unternehmen scheitert die Mehrheit der Innovationsideen an der Hürde MACHT!

Glauben (11 Prozent)
Starke Innovationen gehen zielgerichtet über existierende Glaubensgrenzen und Denkmuster hinaus und setzen voraus, den Glauben an bestehende Regeln in Frage zu stellen und zu erweitern. Allerdings sind Ingenieure und Fachexperten selten in der Lage, ihren Glauben an die Regeln ihres Bereiches infrage zu stellen. Unter den Befragten herrscht mit 80 Prozent Zustimmung eine große Einigkeit, dass Quereinsteiger innovativer sind als langjährige Experten.
Doch wollen die Unternehmen akzeptieren, dass ihre Langzeitexperten dauerhaft weniger innovativ sind? Oder müsste die verantwortungsbewusste Führungsstrategie nicht lauten: „Mache alle Langzeitexperten zu Quereinsteigern!“

… auf den Rängen 4-8 folgen die Innovations-Bremsen: Politik, Bürokratie, Bildungssystem, Datenschutz und finanzielle Unsicherheit.

Bewertungen und Zitate der Forscher
Michael Carl, der Studiendirektor des 2b AHEAD Think Tanks sowie Prof. Dr. Thomas Druyen, Direktor des Instituts für Zukunftspsychologie und Zukunftsmanagement an der Sigmund Freud Privatuniversität Wien, der als Experte die Veröffentlichung des Deutschen Trend INDEX begleitet hat, gaben in ihren Statements weiterführende Begründungen und Strategieempfehlungen für den Umgang der Unternehmen mit den Ergebnissen der neuen Studie.

„Diese Zahlen mögen zwar unser Vertrauen in die Innovationsfähigkeit der deutschen Wirtschaft erschüttern, aber sie sind kein zufälliges Ergebnis. Dies wird sichtbar, wenn man die Frage stellt, wie deutsche Unternehmen ihre Führungskräfte unterstützen, Entscheidungen auf unsicherer Basis zu treffen? Hier werden an den ersten Stellen Uralt-Konzepte wie Netzwerke (52 Prozent) und Fortbildung (49 Prozent) genannt. Dies zeigt deutlich, dass die Unternehmen noch keine Konzepte für den Wandel der Unternehmenskultur in Zeiten eines starken Veränderungsdrucks haben. Kaum jemand hat bislang den Schlüssel zur Befähigung seiner Führungskräfte zu klaren Entscheidungen mit agilen Methoden in den disruptiven Zeiten der Digitalisierung gefunden. Dies wird DAS THEMA der kommenden Monate und Jahre sein!“, so Michael Carl, Director Studies & Analysis des 2b AHEAD Think Tanks.

„Allerdings wird das Warten auf die Folgen des Wartens für die meisten in einer Katastrophe enden. Die technische und exponentielle Beschleunigung verzeiht wohl keine verständnisorientierten und emotionalen Verschnaufpausen. Vor diesem Hintergrund führt das Phänomen der Angst in eine nachteilige und unausweichliche Sackgasse. Die Probleme vervielfältigen sich und wie bei einem Wasserrohrbruch ist man mit Krisenmanagement überflutet und kommt eigentlich zunehmend zu spät. Prävention und Gestaltung bleiben auf der Strecke, man ist ein Opfer der eigenen Trägheit. … Das Verständnis, guter wissenschaftlicher und spiritueller Lehrer, immer auch Schüler zu bleiben, ist bei den meisten Entscheidungsträgern noch nicht angekommen. Bei aller Unvorhersehbarkeit bleibt eins gewiss, Arroganz kann Weisheit oder besser Souveränität nicht ersetzen“, sagt Prof. Dr. Thomas Druyen, Direktor des Instituts für Zukunftspsychologie und Zukunftsmanagement an der Sigmund Freud Privatuniversität Wien.

Dietmar Braun