Zehn Milliarden Euro an Kosten pro Jahr weniger

Neuen ideologischen Unterbau zur Diskussion um Kosten von Kapitalanlagen und Verbraucherschutz liefert eine im April 2008 veröffentlichte Studie der Cap QM GmbH aus Hamburg. Die Grundthese dort ist, dass für Vorsorge und Kapitalanlage, zehn Milliarden Euro pro Jahr an Kosten eingespart werden können.

Diese Summe von zehn Milliarden Euro entspricht etwa einem Prozentpunkt des Rentenbeitragssatzes und liegt weit höher als die derzeitige Riester-Förderung .
Die privaten Haushalte in Deutschland würden, laut der Stugie, im Jahr 2009 zirka 24 Milliarden Euro nur an Kosten für Altersvorsorge und Kapitalanlage aufwenden. Dies sei zwar weniger als 2007, wo noch 28 Milliarden Euro zu tragen waren. Es sei aber mehr als jede staatliche Subvention für Altersvorsorge.
Ein Vergleich in der Studie provoziert, schließlich würden die Deutschen für das Grundnahrungsmittel Brot und andere Getreideerzeugnisse nur 18 Milliarden Euro im Jahr aufwenden.
Kritiker spotten, jetzt sei zumindest wissenschaftlich belegt, warum Verbraucherschutz politisch immer in der Nähe der Landwirtschaft angesiedelt würde.

Gefahr für viele Brotjobs in Banken und Versicherungen
Wenig scherzhaft, sondern eher beängstigend kühl und sachlich, nennt die Studie Ursachen und Wirkungen. Den Erkenntnissen und Lösungsvorschlägen mangelt es nicht an Ernsthaftigkeit.
Im Vordergrund steht die Vergleichbarkeit der Kosten von Kapitalanlageformen, als solche wird auch die Lebensversicherung definiert. Der Gesetzgeber wird von den Autoren der Studie aufgefordert, in Deutschland, eine provisions-, produkt- und anbieterunabhängige Beratung zu fördern.
Über die Arbeitsplätze in Vertrieb und Verwaltung von Assekuranz und Banken macht die Studie keinerlei Aussagen. Zukunftspotenzial wird im Verbraucherschutz gesehen, und ein Szenario kalkuliert bereits eine Million Honorarberatungen pro Jahr ein.
Zukunft hätte auch eine Bildung der privaten Haushalte, auf breiter Ebene, dass diese auch eigenes Finanz- und Geldwissen, für den noch nicht gerade einfachen Quervergleich der Kosten, bei völlig unterschiedlichen Kapitalanlageformen und Lebensversicherungen, entwickeln könnten.

Bestandsgeschäft verteuert Erstanlage erheblich
Die Studie kommt zu der nicht gerade neuen Erkenntnis, dass Provisionen, Gebühren und Verwaltungskosten, die Renditen und Überschüsse von Anlagen schmälern.
Die Studie ermittelt für 2007 einen jährlichen Neuzufluss von 115 Milliarden Euro an Ersparnissen, dies sind nur 2,5 Prozent des Bestandes am gesamten Geldvermögen der Deutschen.
Die damit verbundenen Kosten werden zwar auch kritisiert, als Hauptgefahr benennt die Studie die Haltedauer der bestehenden Kapitalvermögen und die erneuten Folgekosten aus Vertrieb von Neuanlagen und Umschichtungen.
Konkret in Zahlen bewirkt die Umschichtung von nur zehn Prozent des gesamten Geldvermögens einen Bedarf von Neuanlagen im Umfang von 450 Milliarden Euro. Bestandsgeschäfte und Transaktionen übertreffen die Erstanlage von Ersparnissen, bei den Kosten, so um ein Vielfaches.

Umschlagshäufigkeit als der größte Kostentreiber
Allein im Bankensektor verursachen die Verwaltung und Bewegungen der Depots 3 Milliarden Euro Kosten pro Jahr.
Investmentfonds brachten es 2007 auf 3,6 Milliarden an Ausgabekosten, überwiegend nicht durch Erstanlagen, sondern vor allem durch die Umschlaghäufigkeit im Bestand. Diese lag bei Rentenfonds bei 59 Prozent, bei Aktienfonds bei 52 Prozent, etwas geringer war diese bei Mischfonds mit 37 Prozent und den Immobilienfonds bei 19 Prozent.
Die privaten Haushalte wurden 2007, laut Studie, in diesem Markt der Banken mit Verwaltungskosten, Transaktionskosten und Gebühren in gesamter Höhe von 10,5 Milliarden Euro im Jahr belastet.

Lebensversicherung sei so teuer wie Bankanlage
Die Lebensversicherer meldeten der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) für 2007 eine Kostenbelastung der Versicherten in Höhe von 10,1 Milliarden Euro. Diese setzten sich aus 2,3 Milliarden Verwaltungskosten und 7,8 Milliarden Euro für den Vertrieb zusammen.
Die Kapitalanlagekosten in Spezialfonds der Versicherer belasten, laut der Studie, deren Kunden zusätzlich, so dass sich die Kostenbelastung der Versicherer zu Lasten der Kunden auf insgesamt 11,9 Milliarden pro Jahr in 2007 erhöht.
Die „Grundnahrungsmittel der Branche für Kunden“, wie Dr. Reinfried Pohl als Chef der Deutschen Vermögensberatung AG (DVAG) Versicherungen gerne nannte, sind nach der neuen Studie teurer geworden als das tägliche Brot.

Studie schlägt 10 Milliarden Einsparung pro Jahr vor
Die Studie sieht in der Umstellung der Kapitalanlage auf kostengünstigere passiv gemanagte Indexfonds eine Lösung. Es wird der Ausbau der Kostentransparenz aller Kapitalanlageprodukte gefordert, die den privaten Haushalten einen echten Quervergleich ermöglicht.
Die Autoren der Studie fordert vor allem, die finanziellen Kenntnisse der privaten Anleger auf breiter Basis zu fördern und vor allem die provisions-, produkt- und anbieterunabhängige Beratung voranzubringen.
Die Autoren prognostizieren hieraus ein Einsparungspotenzial von zehn Milliarden Euro pro Jahr für die nächsten zehn Jahre oder in der Dimension von Altersvorsorgen gerechnet bei den in der Studie untersuchten Szenarien ein Einsparpotential von 350 bis 700 Milliarden in 30 Jahren.
Mit ihrer Forderung zur Förderung der Honorarberatung ergänzt die Studie die im Verbraucherministerium vorgestellte Evers- und Jung-Studie nahtlos.

Die vollständige Studie der Cap QM kann hier kostenfrei im Internet heruntergeladen werden.

Dietmar Braun

author,writer,Insurance and Bank,University Heilbronn,State University Baden-Württemberg,Texter,55 Years,married,one child

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