Munich Re schreibt griechische Anleihen auf Marktwerte ab

Nach sehr hohen Belastungen durch Naturkatastrophen im ersten Quartal 2011 meldet der Rückversicherer Munich Re im zweiten Quartal mit einem im Vergleich zum Vorjahr von 709 auf 738 Millionen Euro gestiegenen Ergebnis wieder das Erreichen der Gewinnzone. Griechische Anleihen werden komplett auf ihren Marktwert zum 30. Juni 2011 abgeschrieben.

Im gesamten ersten Halbjahr 2011 verzeichnete Munich Re noch Konzernverluste von 210 Millionen Euro, im Gegensatz zum Vorjahr wo noch ein Gewinn von 1,194 Milliarden Euro berichtetet wurde. Für das Gesamtjahr 2011 kündigt die Munich Re ein positives Geschäftsergebnis an.

Vorstandsvorsitzender Nikolaus von Bomhard erläutert die hohe Belastung im Ergebnis durch Naturkatastrophen im ersten Halbjahr: „Es war eine außergewöhnliche Häufung von Großschäden, aber genau dafür ist Rückversicherung da. Denn ein gut ausgebautes und funktionierendes Erst- und Rückversicherungssystem trägt dazu bei, Katastrophen dieses Ausmaßes zu bewältigen.“

Auch im zweiten Quartal 2011 gab es Schäden durch Naturkatastrophen, insbesondere bei mehreren Serien von Tornados in den USA.

Von Bomhard hob die Vorteile des integrierten Geschäftsmodells seines Hauses hervor: „Die Erstversicherung liefert stabile Erträge und gleicht Belastungen aus, wenn in der Rückversicherung hohe Kosten aus Naturkatastrophen oder industriellen Großrisiken anfallen.“

Für das Gesamtjahr 2011 bekräftigte von Bomhard: „Trotz der außergewöhnlich großen Schadenbelastungen wollen wir ein positives Jahresergebnis erzielen.“ Dies gelte auch, wenn im weiteren Verlauf des Jahres erneut Großschäden eintreten, solange sie das durchschnittlich zu erwartende Ausmaß nicht wesentlich überschreiten.

Das Ergebnis der Munich Re im ersten Halbjahr 2011
Die Gruppe erzielte von Januar bis Juni 2011 einen operatives Verlust von 437 Millionen Euro nach einem operativen Gewinn von 2,218 Milliarden Euro im Vorjahr. Im zweiten Quartal wurde ein operatives Ergebnis von 947 Millionen Euro erreicht. Das Eigenkapital sank im Vergleich zum Jahresende um 11,8 Prozent auf 20,3 Milliarden Euro. Die Gründe dafür waren: der Verlust im ersten Quartal, der relativ starke Euro, eine Dividendenzahlung von 1,1 Milliarden Euro und ein infolge der Kapitalmarktentwicklung eingetretenen Rückgang bei den Bewertungsreserven. Auf das Jahr bezogen lag die risikoadjustierte Eigenkapitalrendite (RoRaC) bei -2,2 Prozent, die Rendite auf das gesamte Eigenkapital (RoE) bei -2,0 Prozent. Die gebuchten Bruttobeiträge stiegen um 10,3 Prozent von 22,6 auf 24,9 Milliarden Euro.

551 Millionen Euro Quartals-Gewinn trotz hoher Schadenbelastung
Das Rückversicherungsgeschäft wurde im 1. Halbjahr 2011 von den hohen Belastungen aus Großschäden geprägt. Der operative Verlust betrug 679 Millionen Euro, davon entfielen 578 Millionen Euro auf das zweite Quartal. Die Rückversicherung steuerte zum Gesamtergebnis der Gruppe einen Verlust von 132 Millionen Euro bei; im zweiten Quartal 2011 folgte dann ein Quartalsgewinn von 551 Millionen Euro.

Im ersten Halbjahr stieg die Schaden-Kosten-Quote von 106,4 auf 133,1 Prozent der verdienten Nettobeiträge an. Der Anteil der durch Naturkatastrophen verursachten Schadensaufwendungen stieg in diesem Zeitraum von 5,4 auf 12,2 Prozent im zweiten Quartal an. Im 1. Halbjahr waren die Belastungen aus Naturkatastrophen insgesamt von 12,8 auf 44,3 Prozent angestiegen. Die Belastung aus Naturkatastrophen übertraf damit die durchschnittliche erwartete Jahresschadenquote aus Naturkatastrophen mit 6,5 Prozent deutlich. In Summe stiegen die Schadensleistungen infolge Naturkatastrophen im ersten Halbjahr von 889 Millionen Euro auf 3,358 Milliarden Euro an.

Beim Erdbeben in Japan vom 11. März 2011 mit dem darauf folgenden Tsunami handelt es sich um die größte Schadenbelastung aus einer Naturkatastrophe für Munich Re seit dem Hurrikan Katrina 2005. Gemäß den bisherigen, immer noch vorläufigen Prognosen erwartet der Rückversicherer hieraus eine Schadenlast von 1,5 Milliarden Euro, nach Retrozessionen und Risikotransfer in den Kapitalmarkt sowie vor Steuern. Die Schäden, die zu leisten sind, resultieren vor allem aus gewerblichen Deckungen. Die Schätzung unterliegt nach wie vor hohen Unsicherheiten, vor allem bedingt durch das Ausmaß der Zerstörungen und die damit verbundenen Schwierigkeiten bei der Schadenregulierung.
Daneben ereigneten sich im 1. Halbjahr weitere große Naturkatastrophen: Für das Erdbeben in der Region von Christchurch, Neuseeland, im Februar 2011 hebt Munich Re ihre Schätzung um 261 Millionen Euro auf rund 1 Milliarde Euro an. Umgekehrt werden jetzt aus den Wettereignissen in Australien 110 Millionen Euro weniger an Schäden erwartet, als ursprünglich zurückgestellt wurden.
Im April und Mai 2011 starben bei den schlimmsten Serien an Tornados seit fast vier Jahrzehnten in den Südstaaten und im Mittleren Westen der USA Hunderte von Menschen und es entstanden hohe Sachschäden. Die Schadenbelastungen, die hieraus auf den Münchner Rückversicherer entfallen, belaufen sich auf etwas über 200 Millionen Euro.

Torsten Jeworrek erlätert als der für die Rückversicherungsaktivitäten verantwortliche Vorstand: „Die Schadenbelastungen im ersten Quartal haben sich bereits bei den Verhandlungen in der Vertragserneuerung zum 1. Juli 2011 niedergeschlagen. Dieser Effekt sollte auch die Erneuerung zum 1. Januar 2012 spürbar beeinflussen. Wir sehen uns mit unserer Kapitalstärke gut positioniert, um in einem Marktumfeld mit steigenden Preisen ausreichend Kapazitäten zur Verfügung zu stellen.“

Die Beitragseinnahmen stiegen in den ersten sechs Monaten gegenüber dem Vorjahr von 11,6 auf 13,3 Milliarden Euro. In der Schaden- und Unfallrückversicherung verzeichnete Munich Re im ersten Halbjahr 2011 einen Beitragsanstieg um 10,4 Prozent von 7,7 auf 8,5 Milliarden Euro. Im zweiten Quartal verbuchte Munich Re in diesem Segment Beiträge von vier Milliarden Euro.

Besonders im Bereich Motor kam es zu einem deutlichen Beitragswachstum in Höhe von 474 Millionen Euro, vor allem aus Verträgen mit chinesischen und britischen Erstversicherern.

In der Lebens-Rückversicherung profitierte der Rückversicherer weiterhin von einer lebhaften Nachfrage der Erstversicherer, die ihr Eigenkapital über einen Risikotransfer entlasten wollen, und einem anhaltend erfreulichen Wachstum in Asien. Die gebuchten Beiträge in dem Segment stiegen im ersten Halbjahr um 24,7 Prozent von 3,9 auf 4,9 Milliarden Euro.

Zum 1. Juli 2011 wurde in Teilen des US-Markts, Australien und Lateinamerika Geschäft mit einem Volumen von knapp 1,6 Milliarden Euro erneuert. Das sind rund 15 Prozent des gesamten zu erneuernden Vertragsgeschäfts von Munich Re. Der Rückversicherer konnte die Einnahmen an Prämien steigern und vor allem die Qualität des Risiko-Portfolios verbessern.

In Märkten mit aktueller Schadenbelastung konnten signifikante Preiserhöhungen bei Naturkatastrophendeckungen erzielt werden. So lagen die Prämienanpassungen in Australien und Neuseeland bei durchschnittlich 40 bis 50 Prozent und haben sich so nahezu verdoppelt. Auch im Naturkatastrophengeschäft in den USA und Lateinamerika realisierte der Rückversicherer eine um zehn Prozent höhere Prämieneinnahme. Insgesamt ist das Beitragsvolumen in dieser Erneuerungsrunde im Vergleich zum Vorjahr um 160 Millionen Euro auf 1,791 Milliarden Euro um etwa zehn Prozent gestiegen. Die Raten der Erstversicherer, also das Preisniveau, sind im Vergleich zum Vorjahr um 5,7 Prozent gestiegen.

Munich Health kann Ergebnisbeitrag im Konzern verdoppeln
Munich Health konnte das operatives Ergebnis von von 60 auf 65 Millionen Euro um 8,3 Prozent erhöhen. Zum Gesamtergebnis der Gruppe trug die Gruppe Munich Health ein Ergebnis bei, das sich von 16 auf 36 Millionen Euro mehr als verdoppelt hat.

Die Schaden-Kosten-Quote für den Zeitraum Januar bis Juni 2011 sank von 100,4 Prozent im Vorjahr auf 99,7 Prozent. Diese Kennzahl bezieht sich nur auf das kurzfristige Krankenversicherungsgeschäft und nicht auf das nach Art der Lebensversicherung betriebene Geschäft.

Die Bruttobeiträge kletterten im ersten Halbjahr gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 18,8 Prozent von 2,56 auf 3,04 Milliarden Euro, vor allem aufgrund von Großverträgen in der Rückversicherung, die Kunden zur Kapitalentlastung abgeschlossen haben. Auch der Kauf der Windsor Health Group (Windsor) machte sich positiv bemerkbar: Gemeinsam mit dem anderen US-Krankenversicherer der Gruppe, der Sterling Life, bietet Windsor Leistungen in der Krankenversicherung und spezielle Managed-Care-Programme für das Seniorensegment an. Dabei kann Sterling auf das von der Windsor aufgebaute Netz aus Leistungserbringern zurückgreifen. Bei unveränderten Wechselkursen wäre das Beitragsvolumen im Vergleich zu den ersten sechs Monaten des Vorjahres um 19,2 Prozent gestiegen.

Das Kapitalanlagen-Ergebnis sank von 3,5 Milliarden Euro im ersten auf 1,5 Milliarden Euro im zweiten Quartal. Der Bestand an Kapitalanlagen zu Bilanzwerten ist zum 30.6.2011 im Vergleich zum Jahresende 2010 mit 193,7 (193,1) Milliarden Euro nahezu unverändert, der Marktwert der Kapitalanlagen beträgt nach Unternehmensangaben 196,3 Milliarden Euro. Die Zugänge bei den Depotforderungen wurden durch Bestandsminderungen aus Währungskursverlusten vor allem des US-Dollars gegenüber dem Euro ausgeglichen.

Der Schwerpunkt des Portfolios liegt weiterhin auf festverzinslichen Anlagen: 159 Milliarden Euro sind in festverzinslichen Wertpapieren und Darlehen investiert. Bezogen auf diesen Bestand einschließlich der kurzfristigen Anlagemittel entfallen gut 45 Prozent auf Staatsanleihen oder ähnliche Instrumente mit Haftung öffentlicher Institutionen. Dieser Bestand wurde seit Jahresbeginn leicht abgebaut. Von den Staatsanleihen entfallen rund 74 Prozent (51 Prozent sind mit AAA eingestuft und 23 Prozent haben ein AA-Rating) auf Wertpapiere mit erstklassigem Rating, nur vier Prozent auf portugiesische, irische und griechische Emittenten.
Die Aktienquote lag am 30.6.2011 bei 3,5 Prozent (31.12.2010: 4,4 %), gemessen an den Kapitalanlagen zu Marktwerten einschließlich der aktienbezogenen Derivate.

Finanzvorstand Jörg Schneider erklärte: „Das von der MEAG sorgsam ausbalancierte Kapitalanlageportfolio, eng orientiert an der Struktur der Verbindlichkeiten, mit einem guten Mix von unterschiedlichen Festverzinslichen und Realwerten hat sich auch in diesen turbulenten Zeiten erneut bewährt.“

Der gesamte Saldo der Zu- und Abschreibungen sowie der Abgangsgewinne und aus den Kapitalanlagen belief sich im ersten Halbjahr auf einen Verlust von 166 Millionen Euro, nach einem Vorjahreszugang von 1,351 Milliarden Euro. Da das Zinsniveau stieg, verzeichnete die Gruppe per saldo Abschreibungen von 80 Millionen Euro nach 170 Millionen Zuschreibung des Vorjahres auf derivative Finanzinstrumente, mit denen sich die Lebenserstversicherer vor Wiederanlagerisiken in Niedrigzinsphasen schützen.

Hinsichtlich der griechischen Staatsanleihen entschied sich die Gruppe im Interesse der Klarheit für eine Abschreibung des Gesamtbestands auf die Marktwerte zum 30.6.2011: Dies führte zu Aufwendungen von 703 Millionen Euro und zu der Belastung des Konzernergebnisses um 125 Millionen Euro. Von den Zuschreibungen von 1,1 Milliarden Euro entfielen rund 211 Millionen Euro auf einen Ertrag aus dem Transfer von Versicherungsrisiken in den Kapitalmarkt nach dem Erdbeben in Japan.

Insgesamt sank das Kapitalanlageergebnis der Gruppe von im ersten Halbjahr 2011 im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 31,7 Prozent von 5,1 auf 3,5 Milliarden Euro. Das entspricht einer jährlichen Rendite von 3,6 Prozent des durchschnittlichen Kapitalanlagebestands zu Marktwerten.

Für 2011 erwartet Munich Re keinen spürbaren Anstieg der Kapitalmarktzinsen und somit etwas niedrigere laufende Erträge aus festverzinslichen Wertpapieren und Darlehen. Darüber hinaus hat die Wertberichtigung des Bestandes an griechischen Wertpapieren und Darlehen das Kapitalanlagenergebnis spürbar belastet. Deshalb geht Munich Re von einer Verzinsung auf den Bestand von knapp unter vier Prozent aus.

Munich Re hält an dem langfristigen Ziel einer Rendite von 15 Prozent auf das Risikokapital (RoRaC) nach Steuern über den Zyklus der Versicherungs- und Zinsmärkte hinweg fest.

Es sei jedoch angesichts der gegenwärtig noch immer niedrigen Zinsen nur schwer zu erreichen und liegt für 2011 wegen der schon sehr erheblichen Großschadenbelastung außer Reichweite. Die mittel- und langfristigen Geschäftsmöglichkeiten schätzt Munich Re weiterhin positiv ein.

Vorstandsvorsitzender von Bomhard: „In der Rückversicherung sehen wir eine generelle Stabilisierung der Preise und in einzelnen Segmenten auch härtere Märkte. Das können wir nutzen, um unser Geschäft profitabel auszubauen. Für ERGO rechnen wir mit 450 bis 550 Millionen Euro Gewinn. Munich Health, unser drittes Geschäftsfeld, ist auf einem guten Weg. Unser integriertes Geschäftsmodell bewährt sich gerade auch in diesem Jahr.“

Dietmar Braun

author,writer,Insurance and Bank,University Heilbronn,State University Baden-Württemberg,Texter,55 Years,married,one child

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