Europäische Kommission bemängelt Wechselmöglichkeit für Bankkunden

Ein Kontowechsel von einer Bank zu einem anderen Institut ist laut einer Studie schwierig. Aus der heute von der Europäische Kommission in Brüssel veröffentlichten Verbrauchermarktstudie geht hervor, dass es mehr als zwei Dritteln der Testkäufer nicht gelungen ist, problemlos ihre Bankverbindung zu wechseln. Die Kommission prüfe derzeit, wie sich die in dieser Studie festgestellten Mängel in Bezug auf den Kontowechsel beheben lassen.

Die Erhebung im Auftrag der Kommission von 2007 zum Retail-Bankgeschäft hatte bereits erhebliche Behinderungen der Kundenmobilität aufgezeigt. Es folgte eine umfangreiche Konsultation, woraufhin die Kommission den Europäischen Ausschuss für das Kreditwesen, die European Banking Industry Committee (EBIC) aufforderte, tätig zu werden.

Der EBIC arbeitete eine Selbstregulierungsinitiative aus, die auf gemeinsamen Grundsätzen beruhte und Klarheit für Verbraucher schaffen sollte. Die heute vorgelegten Ergebnisse machen jedoch deutlich, dass die Selbstregulierung in diesem Fall nicht das erhoffte Ergebnis gebracht hat.

John Dalli, EU-Kommissar für Gesundheit und Verbraucher, erklärte: „Ich hätte mir gewünscht, dass diese Selbstregulierungsinitiative besser funktioniert und die Banken mehr tun, um den Verbraucherinnen und Verbrauchern in Europa den Wechsel zu erleichtern. Die Verbraucher müssen die Möglichkeit haben, Marktchancen/Angebote ohne unnötige Probleme oder/und ohne die Sorge um Störungen ihrer Kontobewegungen zu nutzen. Die Menschen sollten ihr Bankkonto genauso leicht wechseln können wie jede andere Dienstleistung.“

EU-Binnenmarktkommissar Michel Barnier sagte hierzu: „Die Ergebnisse der heute veröffentlichten Studie machen deutlich, warum Verbraucherinnen und Verbraucher so selten ihre Bank wechseln. Wenn sie nicht die Möglichkeit haben, mit ihrem Konto problemlos zu einer anderen Bank zu wechseln, können sie anderswo angebotene bessere und günstigere Bankdienstleistungen nicht in Anspruch nehmen. So wird dem Binnenmarkt der Wettbewerbsimpuls genommen, der zu Innovation, Kostenersparnis und höherwertigen Bankdienstleistungen führt. Dies kann langfristig ein Wachstumshemmnis sein.“

Im Dezember 2010 startete die Europäische Kommission in allen 27 EU-Mitgliedstaaten eine Testkaufaktion, um die Wirksamkeit der Selbstregulierung zu überprüfen. Testkäufer nahmen mehr als 1.000 Bewertungen vor. In 900 Fällen wurde geprüft, welche Informationen bereitgestellt wurden, in 400 Fällen, wie leicht der Wechsel war.

Wichtigste Ergebnisse aus der Testkaufaktion

Ergebnis der Studie war, dass es nur 19 Prozent der Testkäufer gelang, ein Konto bei einer anderen Bank zu eröffnen und einen Dauerauftrag – nach dem in den Gemeinsamen Grundsätzen beschriebenen Verfahren – auf das neue Konto umzuleiten. Diese Grundsätze waren im Rahmen der Selbstregulierung festgelegt worden.

81 Prozent der Testkäufer hatten Probleme beim Kontowechsel; insbesondere nannten sie folgende Mängel:

71 Prozent der Banken leisteten keine Unterstützung bei der Umstellung (befolgten demnach nicht die in den Gemeinsamen Grundsätzen festgelegten Verfahren).

Innerhalb von vierzehn Arbeitstagen hatten sieben Prozent der getesteten Banken das neue Konto nicht eröffnet und/oder den Dauerauftrag nicht übertragen.

Drei Prozent der Testkäufer stellten fest, dass die neue Bank sich weigerte, ein Standard-Girokonto einzurichten. So wurde ihnen beispielsweise erklärt, Bedingung für die Einrichtung eines neuen Kontos sei, dass sie ihr laufendes Gehalt darauf überweisen lassen müssen.

Unzureichende Information für Verbraucher

In der Studie wurde festgestellt, dass zwar 86 Prozent der Verbraucher, die sich in einer Zweigstelle, online oder per Telefon wegen eines Wechsels erkundigten, Informationen aus mindestens einer Quelle erhielten, dass aber das Niveau dieser Auskünfte sehr unterschiedlich war.

14 Prozent der Verbraucher bekamen überhaupt keine Informationen. Die Studie zeigt auch, dass die Bankangestellten mit dem Thema Kontowechsel wenig vertraut sind.


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