Nachfrage nach Honorarberatung sinkt

Das neue Honoraranlageberatungsgesetz definiert erstmals einen Rahmen für die Beratung gegen Honorar. Aber die Vergütungsform habe nichts mit der Beratungsqualität zu tun und immer weniger Bürger wünschen eine Honorarberatung.

2013-05-15 (db) Der Financial Planning Standards Board Deutschland e.V. (FPSB Deutschland) begrüßt die gesetzliche Verankerung der Finanzberatung auf Honorarbasis in Deutschland als eine weitere Möglichkeit neben der klassischen provisionsbasierten Beratungsform.

„Honorarberatung ist aber nur eine von mehreren Vergütungsformen. Sie sagt nichts über die Beratungsqualität aus“, sagt Professor Dr. Rolf Tilmes, Vorstandsvorsitzender des FPSB Deutschland und Inhaber des Stiftungslehrstuhls für Private Finance & Wealth Management an der EBS Business School, Wiesbaden.

Der FPSB Deutschland fordert deshalb vielmehr, dass sich die regulatorischen Maßnahmen auch auf die Aus- und Weiterbildung der Finanzberater konzentrieren soll.

Ziel des verabschiedeten Gesetzes ist es, mehr Transparenz bei der Vergütungsform der Anlageberatung zu schaffen, so dass sich Kunden künftig bewusst für eine Anlageberatung auf Provisionsbasis oder für eine Anlageberatung auf Honorarbasis entscheiden können. Damit wird die Honorarberatung als Alternative zum bislang verbreiteten Provisionsmodell auf eine rechtliche Grundlage gestellt.

Zahl der an Honorarberatung interessierten Kunden sinkt

Die Honorarberatung führt hierzulande immer noch ein Nischendasein“, sagt Tilmes und verweist auf eine aktuelle Umfrage von TNS Infratest. Demnach wäre rund ein Drittel der Deutschen bereit, für eine Beratung direkt ein Honorar zu zahlen. Allerdings wäre vor drei Jahren noch über die Hälfte dazu bereit gewesen.

Anders als in anderen europäischen Ländern sind die Menschen hierzulande provisionsbasierte Vergütungen gewöhnt und nehmen die Finanzberatung als kostenlos wahr, die Akzeptanzhürden für eine Honorarberatung sind entsprechend hoch.

Laut einer Studie im Auftrag von AXA Investment Managers bevorzugen 42 Prozent der Befragten immer noch die klassische Fondsgebühr, bei der Berater beim Verkauf eines Investmentfonds eine Provision erhalten. Etwa zwölf Prozent können sich nicht zwischen der Fondsgebühr und der Honorarberatung entscheiden.

Honorarberater vermitteln keine Versicherungen

Mit der Gesetzesnovelle werden nun der „Honorar-Anlageberater“ und der „Honorar-Finanzanlageberater“ als geschützte Berufsbezeichnungen eingeführt. Die Honorarberater sind dadurch unter anderem nun dazu verpflichtet, eine ausreichende Marktübersicht zu haben und keine Provisionen anzunehmen. Außerdem dürfen sie ihre Beratung nicht aus Eigeninteresse auf bestimmte Produkte beschränken.

Tilmes kritisiert, dass das neue Gesetz gar nicht alle Anlageformen abdeckt. Es gilt nur für Finanzprodukte, die im Wertpapierhandelsgesetz geregelt sind, Versicherungen oder auch Immobilienfinanzierungen fallen beispielsweise raus. „Wichtig ist aber für den Berater, die gesamte finanzielle Situation des Anlegers in den Blick zu nehmen“, so der FPSB-Vorstandsvorsitzende.

„Es ist zudem ein Irrglaube, dass eine Honorarberatung zwangsläufig eine gute Beratung ist“, sagt Tilmes. „Die Qualität der Beratung hat viel mit der Qualifikation des Beraters zu tun“.

Eine hochwertige Ausbildung, die neben den reinen Produktkenntnissen vertieftes rechtliches, steuerliches, volkswirtschaftliches und finanzökonomisches Wissen umfasst, ist Voraussetzung für eine ganzheitliche und zielgerichtete Beratung im Sinne des Kunden. Zusätzlich muss eine laufende Kontrolle im Rahmen einer berufsständischen Lösung gesichert werden, um eine nachhaltig hohe Beratungsqualität zu gewährleisten.

Dietmar Braun, Fachjournalist Assekuranz und Banken

 

Dietmar Braun

author,writer,Insurance and Bank,University Heilbronn,State University Baden-Württemberg,Texter,55 Years,married,one child

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